Mittwoch, 27. Februar 2013

Rezension: Formel 1 Jahrbuch 2012 (Michael Schmidt)

Motorbuch Verlag
Gebundene Ausgabe, 212 Seiten
ISBN: 978-3-613-03472-3
24,90 €

Ein kurzer Einblick

In diesem Formel 1 Jahrbuch lässt Michael Schmidt, Redakteur der Zeitschrift „auto motor und sport“, die vergangene Formel 1-Saison Revue passieren. Sie war eine der spannendsten der letzten Jahre mit sieben verschiedenen Siegern in den sieben ersten Rennen und einem WM-Kampf, der bis zum letzten Grand Prix in Brasilien offen blieb und in einem wahren Herzschlagfinale zugunsten von Sebastian Vettel entschieden wurde. Gespickt mit großartigen Bildern wird jedes der 20 Rennen in einem Kapitel behandelt. Außerdem gibt es Extrakapitel zum neuen und alten Weltmeister, zur Technik der Autos und eine sehr ausführliche Statistik zu jedem GP, die somit einen sehr guten Gesamtüberblick über die Formel 1-Saison 2012 bieten.

Bewertung

Die Formel 1-Saison 2012 war zu Beginn ziemlich unberechenbar, in den ersten sieben Rennen gewannen sieben verschiedene Fahrer, wobei man mit Nico Rosbergs erstem Sieg mit Mercedes noch einigermaßen rechnen konnte, Pastor Maldonado im Williams jedoch mit seinem Sieg in Barcelona völlig überraschte. Die Teams brauchten eine Weile, um mit den neuesten Reglementsänderungen richtig umgehen zu können und die oftmals unberechenbar scheinenden Reifen zum Arbeiten zu bringen. Mit der Zeit reduzierte sich das Duell um die Weltmeisterschaft dann schließlich auf Sebastian Vettel und Fernando Alonso. Zur Saisonhälfte war Alonso jedoch bereits mit 44 Punkten Vorsprung scheinbar fast uneinholbar enteilt. Doch mit einer tollen Aufholjagd in der zweiten Saisonhälfte mit vier Siegen in Folge konnte Vettel den Vorsprung wieder wett machen und selbst die Tabelle anführen. So kam es im letzten Rennen in Brasilien zum WM-Showdown, der in dem dramatischsten Formel 1-Rennen, an das ich mich erinnern kann, seitdem ich seit 1994 Formel 1 gucke, entschieden wurde. Vettel wurde zu Beginn von einem Konkurrenten regelrecht abgeräumt, fiel ans Ende des Feldes zurück und musste die Aufholjagd mit einem beschädigten Boliden antreten. Aufgrund von sehr wechselnden Wetterbedingungen wechselte während des Rennens die WM immer wieder zwischen Alonso und Vettel hin und her, bis sich Vettel am Ende auf Platz 6 vorkämpfen konnte und somit zum dritten Mal in Folge Formel 1-Weltmeister wurde, Alonso wurde „nur“ Zweiter, hätte aber gewinnen müssen. Mit seinem dritten Titel reiht sich Vettel nun in die Riege der erfolgreichsten Rennfahrer seiner Rennserie ein, denn bloß Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher ist es ebenso gelungen, drei Mal hintereinander Weltmeister zu werden. Die Formel 1-Saison 2012 sah aber auch das erfolgreiche Comeback von Kimi Raikkonen, der auf Anhieb Dritter der Gesamtwertung wurde, seinen Teamkollegen Romain Grosjean, der immer wieder mit Startunfällen für Chaos sorgte, oder eben auch den zweiten Rücktritt von Michael Schumacher, der der Formel 1 nun endgültig den Rücken kehrt.
Dies Alles wird uns in diesem Saisonrückblick kompakt näher gebracht. Zu jedem Rennen gibt es ein einzelnes Kapitel, das meist zwei oder drei Doppelseiten Bilder und eine Doppelseite Text zum Rennen bietet. Außerdem gibt es noch Extraabschnitte zum Weltmeister Sebastian Vettel, zur Technik der Boliden, zum Rücktritt von Michael Schumacher und zur Nachwuchsserie GP2. Zum Schluss folgt noch die sehr ausführliche Statistik zu jedem Rennen, die von den Fahrerportraits und vielen Rekorden aus über 60 Jahren Formel 1 abgeschlossen wird.
Was mich jedoch stört, ist das Verhältnis von Text und Bild. Wie oben erwähnt, gibt es meist zwei bis drei Doppelseiten zu einem Grand Prix, jedoch immer nur eine Doppelseite Text. Es wird also doch enorm der Fokus auf die Bilder gelegt, die zwar von wirklich guter Qualität sind, doch deutlich mehr Text wäre durchaus wünschenswert. Ich lese an sich diese Bücher, um noch einmal die Saison Revue passieren zu lassen und noch einmal zu erleben, was alles an einem GP-Wochenende geschehen ist, und dies ist durch eine Doppelseite Text nicht zu leisten. Man kann nur schwer einen Gesamtüberblick über die Rennen erhalten, da aufgrund des Platzmangels immer nur einzelne Aspekte herausgepickt werden. Der Autor versucht auch immer wieder, technische Punkte anzusprechen und zu erklären, was ich generell sehr befürworte, doch dies nimmt eben vom sowieso begrenzten Platz noch mehr weg, so dass ein Grand Prix nicht völlig angemessen nacherzählt werden kann.
Was ich des Weiteren etwas fraglich fand, ist, dass der Autor selbst kritisiert, dass die TV-Berichterstattung sich zu sehr auf Vettel und Schumacher konzentriere und dabei den Sport zu wenig erkläre. Dies kann man ihm jedoch in einigen Punkten genauso vorwerfen. Es stimmt zwar, dass kleinere Teams in diesem Buch durchaus Beachtung finden, sei es in Bildern oder im Text. Der Fokus liegt aber doch bei den größeren Teams, vor allem auf Red Bull, was man schließlich mit dem Erfolg dieses Teams rechtfertigen kann, aber dann kann man die gleiche Vorgehensweise nicht bei der TV-Berichterstattung kritisieren. Außerdem schwinden die Technikerläuterungen im Verhältnis zu den Jahrbüchern zuvor doch auch ein wenig und die einzigen Abschnitte zu einzelnen Fahrern behandeln Sebastian Vettel und Michael Schumacher, was wieder der TV-Berichterstattung ähnelt.

Fazit

Trotz der erwähnten Schwächen erhält man mit diesem Jahrbuch einen kompakten Gesamtüberblick über die Formel 1-Saison 2012. Man bekommt eine sehr ausführliche Statistik geboten, gute Einblicke in die Technik der Autos und viele wirklich tolle Bilder zu den Rennen, die für meinen Geschmack jedoch zu sehr die Überhand über dem Text haben.

3,5 von 5 Punkten

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