Samstag, 23. Februar 2013

Rezension: An einem Tag im Winter (Judith Lennox)

Pendo Verlag
Gebundene Ausgabe, 560 Seiten
ISBN: 978-3-86612-294-9
19,99 €

Ein kurzer Einblick

Ellen Kingsley tritt in den 1950er Jahren voller Stolz ihre erste Stelle an dem naturwissenschaftlichen Institut Gildersleve Hall an, dass vom netten, aber auch geheimnisvollen Dr. Marcus Pharoah geleitet wird. Zunächst scheint sie sich gut einzuleben, wenn sie auch immer wieder auf einzelne Spannungen zwischen Kollegen untereinander oder mit dem Chef stößt. Dann findet sie jedoch einen Mitarbeiter in seinem nahe gelegenen Cottage tot auf und wird plötzlich von Pharoah gefeuert und muss nach London zurückkehren. Doch die Geschehnisse in Gildersleve hängen weiterhin über ihrem Leben, was sie versucht neu aufzubauen…

Bewertung

Die Handlung setzt am Tag von Ellens Jobantritt in Gildersleve Hall ein, erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Ellen. Sie versucht sich im Institut einzuleben, ihre Kollegen kennen zu lernen und verliebt sich sehr schnell in Alec Hunter. Doch immer wieder stößt sie auf Konflikte zwischen einzelnen Kollegen oder auch auf Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeitern und dem Chef, der anscheinend völlige Loyalität von seinem Team fordert. Schließlich hört sie das Ende eines Streits zwischen Pharoah und einem Mitarbeiter mit, der darauf von Ellen tot in seinem Haus aufgefunden wird. Dadurch taucht der Inspector Riley in der Geschichte auf, dem Ellen von dem Streit berichtet, woraufhin sie von Pharoah gefeuert wird. Zurück in London trifft sie auf ihre alte Schulkameradin India Mayhew, deren Geschichte mit der von Pharoah verbunden wird. Dabei störte mich jedoch etwas der Erzählstil des Buches, denn zunächst erlebt man alles bloß aus Ellens Sicht. Man denkt, sie ist die klare Hauptperson des Buches. Doch plötzlich mit dem Auftauchen von Riley, der eigentlich nur am Rande vorkommt, wird ihm ein ganzes Kapitel gewidmet, das aus seiner Sichtweise von seinen Familienproblemen erzählt. Das gleiche geschieht mit India. Sie ist überhaupt noch nicht vorgekommen, man weiß gar nicht, wer sie ist, und plötzlich wird die Geschichte aus ihrer Sicht fortgeführt. Die Einführung dieser Charaktere ist meiner Meinung nach eher schlecht gelungen. Vermutlich wollte die Autorin den Roman etwas origineller fortführen, als bloß einen Haupterzähler zu präsentieren, doch der Übergang von Ellen zu Riley und schließlich zu India ist nicht besonders gut gelungen. Man merkt eben, dass Lennox die Sicht dieser beiden Figuren für ihre spätere Handlung noch braucht, aber die Überleitung zu ihnen verwundert doch sehr.
Das Buch kann man am ehesten als Gesellschaftsroman bezeichnet. Man erhält viele Einblicke in das Leben in London, was noch durch den Zweiten Weltkrieg geprägt ist. Sehr nachfühlbar ist ebenso das abgeschiedene Leben auf der schottischen Insel Seil beschrieben, von wo Alec Hunter stammt und wo er mit Ellen einige Male hinreist. Insbesondere die Mentalität vieler Inselbewohner, die sehr stark an Tradition festhalten und Neuem und auch Fremdem gegenüber wenig aufgeschlossen sind, wird von Lennox sehr anschaulich herausgestellt. Überzeugend fand ich auch die Einblicke in die naturwissenschaftlichen Forschungen der damaligen Zeit.
Ansonsten fesselte das Buch mich leider jedoch kaum. Die Charaktere sind zwar meist sehr plausibel gezeichnet, man kann sich in sie hineindenken, aber wirkliches Mitgefühl und Mitfiebern mit ihnen stellt sich kaum ein. An sich plätschert die Geschichte meist nur so vor sich hin. Der Anfang in Gildersleve Hall ist noch recht spannend, vor allem eben auch aufgrund des Todesfalls. Das Ende kann wiederum ebenfalls überzeugen, da man endlich Pharoahs Geheimnis auf die Spur kommt und man vor allem mit India doch etwas mitfiebern kann. Doch dazwischen gibt es sehr wenig Handlung, ich musste mich regelrecht zwingen, immer weiterzulesen. Das hing sicherlich auch damit zusammen, dass die meisten Geschehnisse (bis auf die Pharoah-Geschichte) leider auch ziemlich vorhersehbar waren und somit kaum Spannung aufkam. Was mir auch noch sehr negativ aufgefallen ist, was jedoch nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hat, waren die vielen Tippfehler dieser deutschen Ausgabe, die ich in diesem Ausmaß selten bei einem angesehenen Verlag erlebt habe.

Fazit

Eine gut zu lesende Geschichte, die uns wieder in die Zeit der 1950er Jahre zurückführt, die auch angemessen dargestellt wird. Wer auf eine spannende Handlung aus ist, wird nur am Anfang und am Ende des Buches befriedigt. Ansonsten plätschert die Geschichte meist so vor sich hin, man sitzt eben vor einem Buch, das einen zwar ganz nett unterhält, aber mehr auch nicht. Nach dem Lesen legt man es zur Seite, macht sich keine weiteren Gedanken mehr dazu und fängt mit dem nächsten Buch an.

3 von 5 Punkten


Wir danken dem Pendo Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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