Sonntag, 6. Januar 2013

Rezension: Jacks magische Bohnen (Brian Keene)


Atlantis Verlag
Paperback, 90 Seiten
ISBN: 978-3-86402-038-4
8,90 €

Ein kurzer Einblick

»Jacks magische Bohnen«
»Ohne dich«
»I Am An Exit«
»This Is Not An Exit«
»›Der King‹, in: Gelb«

5 Geschichten des Horrormeisters, die kein Gräuel vor Blutbädern, furiosen Auflösungen und dem schleichenden Schrecken kennen.


Bewertung
»Der Kopfsalat begann zu Ben Mahoney zu sprechen, als der die Hälfte seiner Schicht im Save-A-Lot hinter sich hatte.« (»Jacks magische Bohnen«, Seite 9)
Verliebt man sich nicht direkt in die Geschichten, wenn man diese ersten Sätze liest? Storytelling, Handwerk und packende Angstschauer erzeugt Brian Keene wie kein Zweiter. Ob es nun blutige Gedärme sind, die die Wandregale wie Girlanden zu Halloween schmücken, oder eine Schauermär, die Angst und Schrecken aus ihrer Subtilität zieht, Keenes Storys fesseln ausnehmend.
»Ich wachte heute Morgen auf und erschoss mich zweimal.« (»Ohne dich«, Seite 53)
»Jacks magische Bohnen«: Es gibt Tage, da scheint alles so friedlich wie immer. Oma kauft Gewürzgurken, die Kinder quengeln um Süßigkeiten und Vater packt Windeln für das Baby in den Einkaufswagen. Und dann gibt es da diesen Moment, indem die Stimmung schwankt - und die Menschen blutrünstig über ihre Mitmenschen mit abgebrochenem Besenstiel und blankem Wahnsinn herfallen. Jack, Sammi, Angie und Marcel schließen sich vor dem Grauen in der Kühlkammer des Supermarktes ein. Werden sie lange genug überleben, um das Geheimnis von Jacks magischen Bohnen zu lüften?
Brian Keene benötigt wahrlich keine Zombies, um Menschen zu zerreißen, aufzuspießen oder mit bloßer Gewalt deren Kopf mit einem Fußtritt zu zerquetschen, wenn die böse Seite des Homo sapiens ans Tageslicht gezerrt wird. Brutalstes Gemetzel und Abartigkeiten gehen Hand in Hand mit Spannung und Faszination. Unglaubwürdig wirkt nur, dass die Figuren in der Kühlkammer aus Furcht ausharren, bis sie fast erfroren sind. Angst hin und her, etwas mehr Mut hätte den Charakteren vorteilhaft zu Gesicht gestanden.

»Ohne dich«: Am Beginn der großen Liebe ist man unsterblich ineinander verliebt. Nach einigen Jahren normalisiert sich die Zuneigung und irgendwann wird der Partner dick, runzlig und die Leidenschaft ist im Keller. Sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen ist keine Lösung, denn Versprechen sind stärker als der Tod ...
Man sollte niemals ein Versprechen geben, wenn man nicht sicher ist, es zu halten. »Ohne dich« wartet mit einer bitterbösen Pointe auf, die es in sich hat. Auf den Punkt gebracht, erzählt Brian Keene in gewohnt faszinierend knapper, aber schonungsloser Art vom Schicksal eines von der Ehe enttäuschten Mannes. Gerade wegen der Kürze ein großartiges Vergnügen!

»I Am An Exit«: Ein Unfallopfer am Straßenrand ist dem Tode geweiht. Es wird sterben - an den inneren Verletzungen oder an ... Dem Protagonisten kann es seine Geschichte noch erzählen.
»This Is Not An Exit«: Ein Treffen an einer Hotelbar ... Ein Gespräch zwischen I Am An Exit und dem Antagonisten ... Der Antagonist wird sterben - aus Notwendigkeit oder Gerechtigkeit ... Seine Geschichte jedoch darf er noch erzählen.
Auch »I Am An Exit« und »This Is Not An Exit« glänzen mit wenig Seiten sowie einem ähnlich verlaufenden Storyverlauf. Doch das stört gar nicht, liegt die Würze abermals in der Pointe. Harmlos baut sich die Schilderung auf und lässt einen förmlich nach der Überraschung gieren und lechzen. Umso befriedigender ist die Auflösung, wenn sie sich wie ein wohliger Schauer entfaltet.

»›Der King‹, in: Gelb«: Ein Pärchen besucht das Musical »GELB (Die furchtbare Tragödie des jungen Castaigne)«. Die Mund-zu-Mund-Propaganda lässt Großartiges erwarten, denn Schauspieler sollen Schauspieler spielen, die wiederum ... Nun, der »King« persönlich soll die Hauptrolle übernommen haben. Was als improvisierter Abend begann, steigert sich bald zu einem Blutbad mit unbekannten Auswirkungen.
Nach einem alltäglichen Beginn folgt schnell der erste (schockierende) Twist, der Ausblick auf wohliges Schauern gibt, aber noch vieles im Dunkeln verhüllt. Die Situation spannt sich dramatisch an und ... endet mit einem gewaltigen Knall; nicht wörtlich, aber erzählerisch. Die düstere Bildkraft und die knisternde Atmosphäre ist es, die »›Der King‹, in: Gelb« zu einem exzellenten Leseabschluss macht.

Fazit

»Jacks magische Bohnen« ausgenommen, ähneln sich die Handlungsverläufe frappierend, laufen die Geschichten doch allesamt auf einen furiosen Höhepunkt hinaus. Die Abwechslung der Ideen, die kitzelnde Spannung und der auf den Punkt gebrachte Erzählstil sind jedoch großartig - eine hervorragende Kurzgeschichtensammlung gefüllt mit kleinen Highlights.

4 von 5 Punkten

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