Donnerstag, 24. Januar 2013

Rezension: Eine verlässliche Frau (Robert Goolrick)

btb Verlag
Taschenbuch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-442-74047-5
9,99 €


Ein kurzer Einblick

Der Roman beginnt in Wisconsin im Herbst 1907. Der reiche Geschäftsmann Ralph Truitt sucht per Zeitungsannonce „eine verlässliche Frau“. Daraufhin meldet sich die junge Catherine Land bei ihm, die bereit ist, bei ihm zu leben. Sie beschreibt sich als „einfach und ehrlich“, doch das ist sie keineswegs. Sie hat nur ein Ziel: sehr bald eine überaus reiche Witwe zu sein. Doch auch Truitt bezweckt mit ihrer Verbindung mehr, als nur eine Ehefrau zu finden. Womit beide nicht gerechnet haben, ist, dass sie Gefühle füreinander entwickeln könnten…


Bewertung

Das Buch beginnt damit, dass Ralph Truitt in einer verschneiten Kleinstadt in Wisconsin Catherine Land vom Bahnhof abholt, damit sie ihr Leben mit ihm verbringen kann. Durch Rückblenden erfährt man, dass sie auf eine Zeitungsannonce seinerseits geantwortet hat, in der er „eine verlässliche Frau“ suchte. Beide haben sich zuvor noch nie gesehen, doch Catherine hat Ralph ein Foto von sich geschickt. Doch die Frau auf dem Foto steht Ralph nun am Bahnhof nicht gegenüber. Catherine hat ihm ein Foto ihrer Cousine zukommen lassen, um häuslicher zu wirken. Sie selbst ist eine schöne, junge Frau, die auch sonst versucht, ihr wahres Ich und ihre Vergangenheit zu verbergen. Man kann sich sehr schnell denken, dass sie vorhat, Ralph umzubringen, kommt ihrer Geschichte aber nur sehr langsam auf die Spur. Auch Ralph und seinen Zielen kommt man nur sehr langsam näher. Man beobachtet, wie sie sich besser kennen lernen und allmählich Gefühle füreinander entwickeln, doch werden sie diese zulassen und wird Catherine sich von ihrem Plan abbringen lassen?
Goolrick baut durch diese Ausgangslage in seinem Roman zu Anfang eine große Spannung auf. Man will endlich hinter die Geschichten von Catherine und Ralph kommen, erfahren, warum Catherine Ralph umbringen will, so dass man zu Beginn das Buch kaum aus der Hand legen kann. Verstärkt wird dies dadurch, dass Goolrick immer wieder mit kaum vorhersehbaren, überraschenden Wendungen aufwartet, was ich sehr selten bei einem Roman erlebt habe. Normalerweise kann man meist einigermaßen vorhersehen, was vermutlich noch passieren wird, und fast jedes Buch weist übliche Handlungsabläufe auf, was jedoch bei „Eine verlässliche Frau“ erfreulicherweise nicht der Fall ist. Das Ende des Buches würde ich davon ausnehmen wollen. Die Geschichte wird dort wieder vorhersehbarer und packt einen auch nicht mehr so stark wie am Anfang.
Womit Goolrick jedoch vollends überzeugt, ist die psychologische Tiefe seiner Hauptpersonen. Beide haben zwar auch sehr viele negative Wesenszüge, die uns der Autor nicht erspart und die sie oftmals unsympathisch wirken lassen. Doch diese werden realistisch und gelungen beschrieben und verständlich gemacht vor dem Hintergrund des Elends und des Leidens, das beide in ihrer Vergangenheit durchgestanden haben. Goolrick zeigt überzeugend, wie solches Leiden auch in an sich guten Menschen tiefe Abgründe hervorbringen kann. So kann man sich immer mit den Hauptcharakteren identifizieren, nur für die Person des Antonio (Truitts Sohn) konnte ich keinerlei Sympathie aufbringen. Er wurde für meine Begriffe zu übertrieben gezeichnet.

Fazit

Endlich einmal ein Roman, der mit nicht gängigen, überraschenden Handlungsabläufen aufwartet und eine ungewöhnliche Liebesgeschichte überzeugend behandelt. Insbesondere die Darstellung der Psyche der Hauptcharaktere ist gelungen und macht den Roman trotz des etwas schwächeren Endes zu einem schönen Lesevergnügen.

4 von 5 Punkten

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