Montag, 28. Januar 2013

Rezension: Die Tore der Welt (Ken Follett)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 1310 Seiten
ISBN: 978-3-404-16380-9
12,99 €

Ein kurzer Einblick

Mit Ken Folletts Fortsetzung zu „Die Säulen der Erde“ kehren wir ins mittelalterliche Kingsbridge im Jahr 1327 zurück. Mittlerweile sind 200 Jahre vergangen, Kingsbridge hat sich zur Stadt entwickelt und das Kloster mit seiner eindrucksvollen Kathedrale wurde um ein Nonnenkloster erweitert. Den historischen Hintergrund zu „Die Tore der Welt“ bilden der Beginn des Hundertjährigen Krieges und der Konflikt um den englischen Thron von Edward II., der von seiner Frau Isabella und ihrem Geliebten Roger Mortimer zur Abdankung gezwungen und im Gefängnis ermordet wird, so dass sein Sohn Edward III. König von England werden konnte.


Bewertung

Im Zentrum des Buches steht die Geschichte von Merthin, Caris, Ralph und Gwenda, die zu Beginn des Buches noch Kinder sind. Merthin ist der Sohn eines Lords und Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale aus „Die Säulen der Erde“. Er beginnt eine Zimmermannslehre und zeigt bald großes Talent, so dass er während der Ausbildung sogar seinen Lehrmeister übertrifft. Sein Bruder Ralph hingegen eignet sich viel stärker zum Krieger, so dass er beim Earl of Shiring zum Ritter ausgebildet wird. Caris ist die Tochter des wohlhabenden Wollhändlers Edmund, die Talent fürs Geschäft hat und sich auch für Medizin interessiert. Sie möchte im Leben mehr erreichen, als bloß Ehefrau zu werden. Wichtig ist auch ihr Cousin Godwyn, der Mönch in der Priorei von Kingsbridge ist und mit allen Mitteln Prior werden will. Gwenda hingegen ist die Tochter eines Tagelöhners, die von ihrem Vater zum Stehlen angestiftet wird und sich in ihrem Dorf in Wulfric verliebt, der jedoch bereits mit einer anderen verlobt ist. Zu Beginn des Buches werden die vier Kinder Zeuge eines Angriffs von zwei Soldaten der Königin auf den Ritter Sir Thomas Langley, der einen Brief bei sich trägt. Nachdem beide Soldaten tot sind, vergräbt Thomas im Beisein von Merthin den Brief und bittet diesen, den Brief einem Priester zu geben, sobald Thomas gestorben sei. Er selbst will ins Kloster eintreten, um sein Leben zu sichern. Hat der Brief also etwas mit den Geschehnissen um den Mord an Edward II. zu tun, der kurz zuvor geschah?
Ken Follett führt uns in „Die Tore der Welt“ endlich wieder nach Kingsbridge, das aufgrund der erneuten gelungenen Darstellung des mittelalterlichen Alltagslebens vor unserem geistigen Auge aufersteht. In diesem Punkt steht der Roman seinem Vorgänger „Die Säulen der Erde“ in nichts nach. Abermals wird die mittelalterliche Welt getreu und authentisch wiedergegeben. Man muss übrigens „Die Säulen der Erde“ nicht gelesen haben, um der Handlung des Romans folgen zu können. Zwar gibt es ab und zu Hinweise auf Jack Builder oder etwa den Prior Philip, doch diese sind für das Verständnis der Handlung nicht weiter wichtig. An sich passt auch die Bezeichnung „Fortsetzung“ nicht wirklich zu „Die Tore der Welt“, da, außer dass der Roman wieder in Kingsbridge spielt und einige Nachfahren von Charakteren aus „Die Säulen der Erde“ vorkommen, die Handlung nicht an die des Vorgängers anschließt. So liegen schließlich 200 Jahre zwischen beiden Büchern.
Ein wichtiger Aspekt des Romans ist wieder die Entwicklung der Baukunst, denn diesmal stürzt die Brücke nach Kingsbridge ein, so dass eine neue benötigt wird, und die Kathedrale muss erneuert werden. Ein Turm, der 100 Jahre nach dem Bau der Kathedrale vergrößert wurde, neigt sich, da er für das Fundament, das für einen kleineren Turm ausgelegt ist, zu schwer ist. Dafür werden neue Techniken benötigt, die jedoch bei den führenden Baumeistern auf Misstrauen und Ablehnung stoßen. So steht im Fokus des Buches auch der Konflikt zwischen Fortschrittlichen wie Merthin, der offen für neue Bauweisen ist, und auf der alten Ordnung Beharrenden wie seinen Lehrmeister Elfric. Diese Thematik zieht sich durch das gesamte Buch und berührt auch die Entwicklung der Medizin, der im Roman breiter Raum gegeben wird. Im Konflikt stehen hier einerseits die Kirche mit ihren oftmals veralterten Heilmitteln gegen andererseits alternative Heilmethoden, die häufig von Frauen praktiziert wurden. Beide Thematiken, Baukunst und Medizin, werden sehr überzeugend und interessant geschildert und gelungen in die Handlung eingebettet. Insbesondere die Behandlung der Pest, die im Laufe des Romans nach England gelangt, überzeugt und zeigt deutlich, wie hilflos die Kirche oftmals mit ihren üblichen Heilversuchen war und wie durch die Krankheit ein systematischerer Umgang mit Medizin allmählich begann.
In den erwähnten Punkten überzeugt der Roman genauso wie sein Vorgänger. Schwächer ist er jedoch, was einen roten Faden angeht. Den bildete in „Die Säulen der Erde“ der Bau der Kathedrale. In diesem Buch fehlt er jedoch etwas, die Handlungsstränge der Hauptpersonen sind zwar verbunden, aber werden doch ein wenig isoliert dargestellt. Es fehlt einfach ein Spannungsbogen, der sich durch das ganze Buch zieht. So gelingt es nicht, den Leser wie bei seinem Vorgänger in den Bann zu ziehen. Insbesondere in der Mitte weist das Buch einige Längen auf, man muss sich ein wenig abmühen, um weiter zu lesen. Auch die Handlung zu Beginn des Buches mit dem mysteriösen Brief, was sehr an den Prolog von „Die Säulen der Erde“ erinnert, ist ein ziemlich überflüssiger Bestandteil der Geschichte, bei deren Auflösung am Ende des Romans man doch recht enttäuschend zurückbleibt.

Fazit

Nicht so packend und spannend wie „Die Säulen der Erde“, doch immer noch ein gelungener Roman, der wieder davon lebt, dass das Leben im Mittelalter sehr genau geschildert wird und die Behandlung der Baukunst und der Medizin der Zeit absolut überzeugt.

4 von 5 Punkten

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