Mittwoch, 9. Januar 2013

Interview: Brigitte Riebe

Bitte stellen Sie sich doch erstmal unseren Lesern vor. Wen hat man sich unter dem Namen Brigitte Riebe vorzustellen?

Eine neugierige Historikerin mit Spaß an guten Stories, die Geschichte über ihre Geschichten erzählen möchte.

Wie entwickeln Sie ihre Ideen? Können Sie uns den Vorgang von der ersten Idee bis zum fertigen Buch beschreiben?

Kann ich leider nicht, da es bei jedem Projekt anders ist. Mal trifft mich eine Idee wie ein Blitz, dann wieder reifen Themen jahre- oder sogar jahrzehntelang in mir heran. Es war schon mal ein Name, mit dem alles begann, ein anderes Mal ein bestimmter Plot – ich lass mich jedes Mal sehr gerne wieder überraschen.

Sie schreiben ja schon lange Bücher, können Sie sich trotzdem noch an den Moment erinnern, als Sie Ihr erstes fertiges Buch in den Händen gehalten haben?

Natürlich – und es waren gleich zwei auf einmal, das war ganz besonders toll: mein Krimi „Nix dolci“ (als Lara Stern) und „Mann im Fleisch“ – beides 1991.

Im April dieses Jahres kam Ihr erster historischer Jugendroman “Der Kuss des Anubis“ auf den Markt. Vorher waren Sie in der Erwachsenenliteratur zu finden. Wie kam es dazu, dass Sie nun ein Buch für Jugendliche geschrieben haben?

Ich mag Kinder und Jugendliche ganz besonders gern und hatte während und nach meines Studiums ausreichend Gelegenheit, als Museumspädagogin mit ihnen zu arbeiten (siehe oben Geschichte durch Geschichten erzählen…). Was mit am meisten daran gefällt, ist, dass sie so ehrlich sind. Erwachsene schauen zur Seite oder denken an etwas anderes, wenn ihnen etwas nicht zusagt, bei Jugendlichen merkt man das sofort.
Für mich eine große Herausforderung, die mich reizt.
Außerdem ist mir das ganze „Fantasy-Gedöns“ (Sorry, aber ich will auch ehrlich sein!), das im Moment abgeht, ein bisschen viel. Warum sich immer in virtuelle Welt beamen, wo die Welt, in der wir leben und in der Menschen vor uns gelebt, geliebt, geträumt und gearbeitet haben, doch so viel hergibt?
Ich finde Historisches oft sehr viel spannender als den 1001. Drachen, der da gerade um die Ecke fliegt!

Mussten Sie beim Schreiben dieses Buches auf irgendetwas besonders achten?

Ich hab aufgepasst, nicht „lehrermäßig“ rüber zu kommen, wenn ich das Alte Ägypten beschrieben habe, sondern vielmehr versucht, eine spannende, mitreißende Story mit einer sympathischen Heldin zu schreiben, bei der man einfach wissen möchte, wie es weitergeht.
Was hat Ihnen an diesem Buch besonders Spaß gemacht?
Eigentlich alles – besonders aber der Kontakt mit meinen jungen Testleserinnen und Testlesern ( Mädchen und Jungen, zwischen 11,5 Jahren und 18 Jahren). Die haben kapitelweise so offen, frech und neugierig kommentiert und nachgefragt – das war einfach toll!

Miu ist ein sehr forscher Charakter. Ist das nicht eher ungewöhnlich für Frauen im alten Ägypten?

Finden Sie? Für mich ist sie eher ein typischer Teenie, auch wenn sie in meiner Geschichte vor 3000 Jahren angesiedelt ist! Forsch UND ängstlich, mutig UND verzagt, erwachsen UND kindlich, so, wie junge Menschen es in dieser Lebensphase halt sind (und ehrlich gesagt sind auch die Erwachsenen keinen Deut anders!).
Zudem darf man die Stellung von Frauen im Alten Ägypten keineswegs mit der unterdrückten Rolle der Frauen im heutigen (muslimischen) Ägypten vergleichen: Frauen konnten damals Geschäfte führen, sich scheiden lassen, Verträge abschließen, durften in sehr viele Berufe (in viele mehr als bei uns im Mittelalter). Es gibt wunderschöne Liebeslyrik aus dieser Zeit: Frauen waren hoch geschätzt!
Und das galt natürlich auch für Mädchen, also für Miu.

Ist Ihnen ein Charakter besonders ans Herz gewachsen? Und wie gehen Sie mit Charakteren um, die in einem Buch eher unsympathisch auf den Leser wirken?

Mein heimlicher Liebling ist natürlich Ani, weil der schon einmal im Krieg durch die Hölle gegangen ist und seitdem für vieles sehr viel sensibler geworden ist. Er mag Miu, sehr sogar, und ist erst gekränkt, dass sich sie sich in den Pharao verknallt hat, aber er hat die Größe, trotzdem für sie einzustehen – es lohnt sich zum Schluss ja auch.
Für alle beide.
Und die Bösewichte, ja, ohne die geht es natürlich niemals ab! Sie sind sozusagen das Salz in der Suppe, der Pfeffer, der Stimmung und Würze bringt – macht mir Riesenspaß, sie mir auszudenken und handeln zu lassen. Ohne einen gelungenen Bösewicht (je fieser, je besser!) kannst du deinen Roman vergessen!

Gibt es eine Szene in diesem Buch, wo Sie besonderen Spaß beim Schreiben hatten?

Die Szene, wo Raia (meine 2. heimliche Lieblingsfigur) sich absichtlich in den schönen großen Teich des Pharao fallen lässt, um ihre Enkelin zu„retten (natürlich nur in ihren Augen, in Wirklichkeit kommt Miu ja ganz gut allein zurecht).
Und: Die Szene, wo Mius Mutter Sarit plötzlich auf der Fähre ist – also quasi aus dem Totenreich zurück kehrt. Da musste ich fast selber weinen...

Haben Sie die Storyline immer im Kopf oder kann es schon einmal passieren, dass Ihre Figuren ein Eigenleben entwickeln?

Beides. Storyline im Kopf – und „meine“ Personen beginnen während des Schreibens zu leben und machen beileibe nicht immer, was ich möchte. Da heißt es, flexibel bleiben!
Bisher hab ich es noch nie bereut, ihnen nachzugeben …

Werden Ihre Leser in Zukunft noch mehr Jugendbücher von Ihnen zu lesen bekommen?

Und ob! Im Herbst 2010 „Mondschwestern“, spielt in Andalusien um 1500 … megaspannend! Und weitere Ideen warten bereits ungeduldig, bis sie endlich an die Reihe kommen … Ich habe vor, jetzt regelmäßig historische Jugendromane zu verfassen, weil es mir so großen Spaß macht!

Der Name „Brigitte Riebe“ steht für Historikromane, aber Sie schreiben unter dem Pseudonym Lara Stern auch Krimibücher. Wie kam es zu diesem Genrewechsel?

Mit dem Pseudonym stehe ich ja in einer langen, guten literarischen Tradition von bedeutenden Autoren des frühen 20. Jahrhunderts bis hin zu modernen Schriftstellerinnen wie Ruth Rendell und Joyce Carol Oates (beide lese ich sehr gern). Ich hab mich damals dazu entschlossen, weil die Bücher relativ rasch aufeinander gefolgt sind – und weil es eben verschiedene Genres waren.
Jetzt und künftig aber bleibt es bei Brigitte RIEBE.

Greifen Sie in Ihrer Freizeit auch zu Historik- und Krimiliteratur, oder bevorzugen Sie andere Genres?

Ich bin eine passionierte Leserin, die in den verschiedensten Genres liest: Krimis, „große“ Literatur, Unterhaltung, Sachbücher (die ja eigentlich täglich, sozusagen „beruflich – hinter jedem meiner Romane steht eine umfangreiche Recherche von Hunderten von Büchern) – manchmal auch Lyrik.
Hauptsache: gut!!!

Mittlerweile sind die E-Books auf dem Markt. Was halten Sie von der Technisierung des Buches?

Warum nicht? Wenn wir damit neue Zielgruppen erschließen …
Hauptsache: LESEN!!!!!!

Noch eine abschließende Frage. Auf was können sich Ihre Leser demnächst von Ihnen freuen? Haben Sie schon konkrete Pläne und Projekte?

Im Jugendbuch „Mondschwestern“, wie schon erwähnt – Herbst 2010.
Zuvor aber (Januar 2010) im Diana Verlag mein Roman „Die Prophetin vom Rhein“ über Hildegard von Bingen.

Frau Riebe, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Dieses Interview führte Jana Quade für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen