Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Wilde Reise durch die Nacht (Walter Moers)

Goldmann
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN 978-3-442-45291-0
9,00 €


Ein kurzer Einblick

Der junge Gustave möchte unbedingt ein großer Zeichner werden. Aber zuvor muss er in einer einzigen Nacht von der Erde zum Mond und einmal quer durchs Universum reisen, denn er hat eine Wette mit dem Tod abgeschlossen, bei der es um nichts Geringeres als sein Leben und seine Seele geht.

Moers illustrierte Gustaves fantastische Reise anhand von 21 beeindruckenden Bildern aus dem Werk von Gustave Doré, dem erfolgreichsten Zeichner des 19. Jahrhunderts.

Bewertung

Es war einmal ein 12-jähriger Junge mit Namen Gustave Doré, dessen Schiff einem Zwillingstornado zum Opfer fiel und er selbst dem Tod. Doch diesem kann er seine Seele abringen, wenn er sechs Aufgaben erfüllt. Er muss …
  1. … eine Jungfrau aus den Klauen eines Drachen befreien.
  2. … möglichst auffällig durch den unheimlichen Wald der Kobolde reisen.
  3. … den Namen von sechs Riesen erraten.
  4. … den Zahn vom schrecklichsten aller schrecklichen Ungeheuer ziehen.
  5. … sich selbst begegnen.
  6. … und schlussendlich dem Tod auf dem Mond einen Besuch abstatten.
Der Haken an der Sache ist folgender: Er muss die Aufgaben binnen einer Nacht erfüllen, sonst gehört Dorés Seele dem Tod.

Der Schöpfer des kleinen Arschlochs und der Welt Zamonien hat mit „Wilde Reise durch die Nacht“ eine neue Spielwiese kreativer Ideen gefunden. Schnörkelloser und sprachlich weniger aufwendig, liest sich das lineare Märchen sehr viel zugänglicher.
Akt für Akt arbeitet sich Gustave Doré durch seine Aufgaben, in denen er zickigen Jungfrauen, geschwätzigen Riesen und der hinkenden respektive der vom Alter geschwächten Zeit begegnet. Humorvoll, schräg und komisch, gibt es einiges zu lachen und zu grinsen. Heiter und farbenprächtig wie Terry Pratchetts Scheibenwelt ist Moers Traumfantasie nicht, ganz im Gegenteil. Düster, erschreckend und die Seele belastend kriechen zwischen verrottenden Baumwurzeln knotige Ungeheuer mit rasiermesserscharfen Zähnen hervor, betört ein gefräßiges Krokodil unschuldige Reisende und zieht sie zu sich in den See, der gefüllt ist mit Blut.
Gustave Doré und seinen Gefährten ist es zu verdanken, dass diese Persiflage von Kunst und Literatur stets jugendgerecht bleibt. Gustave dient als Identifikationsfigur, die den Leser durch den Dschungel der Gefahren trägt, die (beängstigende) Fantasie meistert und am Ende als strahlender Held dasteht. Überhaupt: Freundschaft ist das A und O, das Bindeglied des Erfolgs. Der Freundschaft ist es zu verdanken, das Gustave Doré seine Seele behalten darf.

21 Bilder Gustave Dorés schmücken dieses Buch, dem erfolgreichsten Zeichner des 19. Jahrhunderts. Die Bilder dienten Moers zur Inspiration zu Gustaves Abenteuer und diesem – laut dieser Geschichte – zur Inspiration seiner späteren Bilder, die ihm zu Erfolg und Ruhm verhalfen.

Fazit

Geradlinig und wenig überraschend, aber mit mit sprühendem Witz und viel schrägem Humor, präsentiert Walter Moers ein düsteres Märchen, das auf den Bildern Gustave Dorés beruht. Vieler Worte bedarf es gar nicht, nur der Aufforderung: Lesen!

4 von 5 Punkten

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