Samstag, 15. Dezember 2012

Rezension: Wiedersehen mit Brideshead (Evelyn Waugh)

List Taschenbuch
Taschenbuch, 351 Seiten
ISBN: 978-3-548-60831-0
8,95 €


Ein kurzer Einblick

Der britische Offizier Charles Ryder bezieht nachts während des Zweiten Weltkriegs mit seinen Soldaten ein neues Quartier. Erst am Morgen merkt er, dass ihm dieses sehr gut bekannt ist. Es ist Schloss Brideshead, das ihn nicht nur an seine Jugendfreundschaft zu Sebastian Flyte, sondern auch an seine große Liebe Julia erinnert…

Bewertung

Hat man die neuere Verfilmung von „Wiedersehen mit Brideshead“ gesehen, mag die anschließende Lektüre etwas enttäuschen. Zwar wird im Roman vermehrt auf die Religiosität der in Schloss Brideshead lebenden Familie Flyte eingegangen, doch wird der besonders von Lady Marchmain extensive betriebene Katholismus dadurch in vielen Längen beschrieben und nicht so stark herausgestellt wie im Film. Der Film vermag es besser die Auswirkungen zu zeigen, die der Katholismus der Mutter für die Kinder bedeutet. Trotzdem wird auch im Roman eindrucksvoll gezeigt, wie die Religiosität auch diejenigen bestimmen zu scheint, die im Grunde wenig mit ihr anfangen können. Außerdem wird deutlich, dass sie alles zu überragen scheint und es den Familienmitgliedern nicht gelingt, sich von ihr zu lösen. Die Mutter und ihre Vorsätzen scheinen überall allgegenwärtig und nicht überwindbar.
Doch „Wiedersehen mit Brideshead“ hält neben dem Thema Religiosität noch viel mehr bereit. Man erlebt eine tiefe Freundschaft zwischen zwei Männern, die eigentlich völlig verschieden sind, und zwischen denen eine homoerotische Spannung besteht, die jedoch nie ausgelebt wird.
Außerdem erzählt der Roman von einer großen Liebe. Im Gegensatz zum Film entwickelt sich diese im Roman leider sehr spät, so dass besonders der erste Teil auch seine Längen besitzt, während denen die Geschichte scheinbar auf nichts hinauszulaufen scheint. Tritt die Liebe zwischen Julia und Charles schließlich zu Tage, erlebt man, wie zwei Liebende versuchen trotz schwieriger Umstände und gesellschaftlicher Sitten zueinander zu stehen. Doch man erfährt als Leser auch, dass es Dinge geben kann, die über der Liebe stehen und selbst von einer großen Liebe nicht zu überwinden sind.
All diese Geschichten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielen, zeigen somit neben gesellschaftlichen Sitten und Umständen auch eine historische Epoche und ihre Eigenarten auf. So erlebt man auch eine sich am Ende befindende adelige Welt und wie sie einen aus der Mittelschicht stammenden Studenten so faszinieren zu scheint, dass er nie mehr richtig von ihr los kommt.

Fazit

Ein Roman, der nicht nur die Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts widerspiegelt, sondern besonders einen Blick auf eine von Religiosität bestimmte adlige Familie zeigt. Freundschaft und Liebe sind die großen Themen des Romans, der zum Teil einige Längen besitzt.

3 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen