Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (Lauren Oliver)

Carlsen
Hardcover, 448 Seiten
ISBN-13: 978-3-551-58231-7

19,90 €

Ein kurzer Einblick

Samantha Kingston ist gefangen. Siebenmal ist sie gezwungen den Tag neu zu erleben, der eigentlich ein ganz normaler Tag in ihrem Leben werden sollte: Schule, Freunde, Party. Stattdessen stirbt sie nach der Party bei einem Autounfall.
Wie kann sie ihr Leben retten? Wie kann sie die Schleife der Wiederholung beenden? Oder geht es um viel mehr als ihr eigenes Leben? Samantha Jones steht ihre schwierigste Lebensentscheidung bevor ...



Bewertung

Selbstaufopferung statt beliebtes Modepüppchen – so könnte ein reißerischer Artikel betitelt sein, der diesen Roman beschreiben soll. Samantha Kingston und ihre Freundinnen wollen eigentlich nur eines: beliebt sein, angehimmelt werden, den heißesten Typen zum Freund haben, sich in der Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler sonnen und sich Freiheiten nehmen, die andere sich aufgrund ihres niedrigen Status nicht erlauben können; jede Menge Spaß gehört natürlich selbstverständlich dazu. Und so wäre Samanthas Leben wohl weiter gegangen, wenn sie nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen wäre.
Der Autounfall ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Denn hier beginnt und endet alles.
Doch zuvor beginnt und endet ein und derselbe Tag sieben Mal. Dass Samantha Kingston, auch Sam genannt, eine ihr unbekannte Aufgabe erfüllen muss, sollte eigentlich keine große Überraschung darstellen, ist dies doch meist die Thematik, die sich anbietet. Das Finden dieser Aufgabe ist weitaus schwieriger. So ergeht es auch Sam, die nicht weiß, warum gerade sie immer am selben Morgen aufwacht.
Sam erlebt innerhalb dieser Tage eine Art Selbstfindung, die konsequent zum überraschenden Ende führt. Vom Modepüppchen zur Selbstaufopferung – der Weg könnte schwieriger und weiter nicht sein. Anfänglich versucht Samantha den Tag einfach nur nach ihren Wünschen zu gestalten. Denn es ist doch egal, was sie tut, wenn am „nächsten“ Tag alles wieder neu beginnt. Doch mit der Zeit entwickelt sie sich, erkennt mit den Wiederholungen, dass vieles in ihrem Leben nicht ihren Vorstellungen entspricht, sondern nur dem hippen Status dient, dass der heißeste Typ nicht unbedingt der beste Freund ist, dass Menschen, die als allgemeine Belustigung herhalten, zum psychischen Wrack werden, dass man ihnen mehr antut, als sie bloß zu stellen. Zunehmend wird die Kluft zwischen Sam und ihren Freundinnen größer. Nicht, was die Freundschaft anbelangt (denn diese ist unheimlich wichtig und eine richtig feste Freundschaft ist sehr wertvoll), sondern der allgemeinen Haltung gegenüber ihren Mitmenschen. Beliebt sein, muss nicht auf Kosten anderer laufen. Ihren Freundinnen dies begreiflich zu machen, ist jedoch unmöglich, denn wo Sam sich entwickelt und Erfahrungen sammelt, dort ist für ihre Freundinnen einfach nichts passiert. Sam bleibt also nichts anderes übrig, als selbst tätig zu werden. Sehr zur Verwunderung ihrer Freundinnen, die sie gar als verrückt abstempeln, ihre Taten aber tolerieren – echte Freundschaft eben!
Ein Zeitstillstand lässt vieles bewusst werden, lässt Dinge erkennen und Erkenntnisse erwachen, die eigentlich selbstverständlich sind, aber im Trubel des Alltags schnell untergehen. Wiederholung ist Erkenntnis.

Fazit

„Wenn du stirbst (...)“ ist ein inspirierender Roman, der zwar keine neuen Erkenntnisse bieten kann (das muss auch gar nicht sein!), aber immer währende Themen beleuchtet, in Frage stellt und auch den Leser selbst auf eine Sinnsuche im Leben schickt. Lauren Oliver legt ein überraschend tiefgründiges und emotionales Jugendbuch vor, das sich eher an das weibliche Publikum richtet.

3,5 von 5 Punkten

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