Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Von Feuer und Dampf (Stefan Cernohuby (Hrsg.))

Arcanum Fantasy Verlag
Taschenbuch, 221 Seiten
ISBN: 978-3-939139-13-3
10,90 €

Ein kurzer Einblick

Was wäre wenn …
… die Welt im Jahre 1899 völlig anders wäre, als wir sie kennen?
… ein dampfbetriebener Golem Berlin unsicher macht?
… in Hamburg Schiffe und Zeppeline um die Vorherrschaft kämpfen?
… das Münchner Oktoberfest bahnbrechende Erfindungen präsentiert?
… eine gewaltige Maschine unter Wien auf ihren Einsatz wartet?

Sechzehn Autorinnen und Autoren haben gemeinsam eine alternative Realität erschaffen. Sie erzählen kleine und große, jedoch stets miteinander verknüpfte Geschichten in den Städten Berlin, Wien, Hamburg und München. Die Anthologiereihe »Spiegelwelten« präsentiert mit »Von Feuer und Dampf« das erste deutschsprachige Werk, das sich voll und ganz dem Thema Steampunk widmet.

Bewertung

Vier Städte stehen im Blickpunkt dieser Anthologie. Vier Städte im Zeitalter des Steampunk. Berlin, Wien, Hamburg und München. Namen wie Charlotte Engmann, Gerd Scherm, Andreas Gruber und Torsten Sträter tummeln sich neben weiteren Autorenkollegen und liefern gemeinsam eine Anthologie ab, die sich sehen lassen kann.
Dampfautos fahren durch das geschäftige Treiben auf den Straßen, geschichtliche Ereignisse kündigen sich an, eine Dampfwäscherei verspricht für Frauen mehr als bloß eine Arbeitsstelle zu sein und seltsame dampfbetriebene Pistolen werden auf verängstigte Gesichter gerichtet. Eine wahrhafte Sammlung an Steampunk-Ideen in einer Welt, die der unseren eigentlich gar nicht so unähnlich ist – Steampunk prägt eben das Bild der Städte.
Etwas, was wirklich überraschen dürfte, ist die Zusammengehörigkeit der einzelnen Geschichten. Natürlich kann man eine jede für sich lesen, aber immer wieder entdeckt man Anleihen, Ereignisse und Figuren, die schon aus einer anderen Geschichte bekannt sind. Es sind nur kleine Aha-Erlebnisse, aber es erwächst ein großes Bild dieser Welt; es erweckt den Anschein, als gebe bzw. hätte es diese Welt wirklich gegeben, denn die Bezüge lassen den Glauben entstehen, die Autoren hätten auf eine schon geschriebene Geschichte (und hier ist keine Prosa gemeint, sondern die Weltgeschichte) zurückgegriffen.
„Die Weltmaschine“ von Andreas Gruber (Eine Zeitmaschine ist Verhängnis und Hoffnung zugleich für ihren Erfinder) und „Die neue Eiszeit“ von Nina Horvath (Umweltaktivisten befürchten durch die modernen Dampffabriken eine Verdunklung des Himmels) möchte ich ganz besonders erwähnen, doch auch Gerd Scherms „Der Rosenbaum-Golem“, Felix Woitkowskis „Der Puppenspieler“, Chris Schlichts „Die Luft der Freiheit“, Michael Wozonigs „Minimale Chancen“ und Damian Wolfes „Raketen und Revoluzzer“ stehen den erstgenannten Geschichten kaum in etwas nach!

Fazit

Kurzgeschichtenliebhaber, Phantastikfreunde und Freunde spannender Geschichten können bedenkenlos zugreifen, enttäuschen tut keine der Geschichten, so manch eine schwingt sich allerhöchstens auf zum persönlichen Favoriten gekürt zu wehren. Wobei die Entscheidung gar nicht so leicht fallen wird.

4 von 5 Punkten

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