Samstag, 1. Dezember 2012

Rezension: Victorian Undead 2. Sherlock Holmes vs Dracula (Edginton/Domingues/Fabbri)

Panini Comics
Softcover, 156 Seiten
ISBN 978-3862011742
16,95 €


Ein kurzer Einblick
Sherlock Holmes und sein Freund Dr. Watson bekommen es erneut mit ziemlich zwielichtigen Gestalten zu tun: Warum hat der Irrenarzt Dr. Jekyll dem Vater eines Streichholzmädchens Geld geschickt? Und dann klopft auch noch eine bekannte Versicherungsagentur an die Tür, weil die gesamte Mannschaft eines Segelschiffes verschwunden ist. Was ist da passiert?

Bewertung

Die Zombies sind vernichtet, London wird neu aufgebaut, da nutzt Graf Dracula die Hilflosigkeit des Empires aus, um seine Herrschaft auszuweiten. Ian Edginton fungierte erneut als Autor und Davide Fabbri übernahm die zeichnerischen Qualitäten, die bereits im ersten Band der »Victorian Undead«-Reihe zu gefallen wussten. Der Graphic Novel angehängt ist ein Interview mit Ian Edginton.
Der Story um Sherlock Holmes und Graf Dracula geht ein Special voran, für das Horacio Domingues als Zeichner Verantwortlichkeit zeichnet: »Sherlock Holmes vs Jekyll/Hyde«. Dieses kurze Abenteuer schließt nahtlos an das von Zombie befreite London an: Sherlock Holmes ist mehr daran interessiert sein Archiv herzustellen, doch die Geldnot bringt ihn in die Bredouille. Ihm obliegt es aufzuklären, warum Dr. Jekyll dem Vater des ermordeten Streichholzmädchens einen Scheck gab. Mehr als eine bravouröse Fingerübung, die der Detektivarbeit und die Atmosphäre nicht der Action überlässt, bietet dieser Fall jedoch nicht.

Die Besatzung der Demeter ist spurlos verschwunden. Allein der Kapitän wird ans Steuer gefesselt tot aufgefunden. Der mysteriöse Umstand, der nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint, muss aufgeklärt werden. Wer ist da besser geeignet als der englische Meisterdetektiv? Schon bald stößt Sherlock Holmes auf die Ladung der Demeter: Holzkisten mit »wissenschaftlicher Erde«. Etwa zeitgleich wird Queen Victoria im Buckingham Palace ein ausländischer Gast vorgestellt: Graf Vlad Dracul.

»Sherlock Holmes vs Dracula« darf als Einzelband der »Victorian Undead«-Reihe gelesen werden. Viel mehr Spaß wird geboten, wenn das Abenteuer gegen die Zombies und Moriarty bekannt ist. Sherlock Holmes und Dr. Watson nehmen oftmals Bezug eben darauf. Dies ist eine der Stärken dieses Bandes, denn der Charakter Holmes hat sich gehörig gewandelt. Konnte und wollte Sherlock Holmes zu früheren Zeiten alles mit Sinn und Verstand darlegen, hat er mit der Zombieseuche gelernt, dass er Übernatürliches akzeptieren muss. Dies kommt ihm beim Kampf gegen Dracula und seine Bräute zugute. Natürlich vergisst der Detektiv nicht seinen hellen Kopf und sucht unentwegt nach einem logischen Ergebnis. Bei der Erklärung nach der Existenzmöglichkeit derartiger Wesen wie Dracula muss Sherlock Holmes passen. Umso mehr kommt ihm jedoch seine Auffassungsgabe bei Spurensuche und Kombination von Schlussfolgerungen zupass, die ihn und seine Freunde zum Versteck des Grafen führen.
»Sherlock Holmes vs Zombies« ist der Spagat zwischen Action und Detektivarbeit gelungen, »Sherlock Holmes vs Dracula« lässt den Spürsinn Holmes zugute der Action untergehen. Sherlock Holmes wandelte sich vom Detektiv zum charismatischen Bluthund. Neu eingeführte Figuren können den tragischen Missstand etwas kompensieren. Graf Vlad Dracul, Lucy Westenra, Abraham Van Helsing oder Jonathan Harker sind wohlbekannte Gestalten Bram Stokers.
Die Verwertung von Literaturklassikern erfordert viel Geschick. Liebhaber der Klassiker dürfen nicht vergrault werden und den Figuren muss ihr Originalton erhalten bleiben. Im Special ist die Story um Jekyll und Hyde sinnvoll integriert und erklärt worden, die erst mit der Zombieseuche möglich wurde. Ebenso gelungen ist Edginton dies im eigentlichen Abenteuer. Der Autor bleibt dem Wesen Sherlock Holmes und Bram Stokers Dracula weitestgehend treu. Beide Geschichten/Charaktere wurden gekonnt miteinander verwoben, sodass mit etwas Altem etwas Neues entstehen konnte.
Farblich hat Davide Fabbri Akzente gesetzt. Die Farbgebung ist klar, gestochen und sauber, wenn den Charakteren keine Gefahr droht. Rückblenden in die Vergangenheit des Grafen Vlad Dracul sind in Blutrot getaucht und tragen zu einer schaurigen Atmosphäre bei, unterdessen die Bilder in Kampfszenen unruhig und verwaschen wirken. Davide Fabbri weiß, wie er Stimmung erzeugen muss.

Fazit

»Victorian Undead 2. Sherlock Holmes vs Dracula« ist farblich und szenerietechnisch eine Augenweide. Leider verleidet und ersetzt das rasante Kampfgemetzel die akribische Detektivarbeit fast vollständig und nimmt ihr die Luft zum Atmen. Freunde Bram Stokers werden ihre helle Freude haben, Fans klassischer Detektivarbeit dürften herber enttäuscht werden. Nichtsdestotrotz ist »Vicorian Undead: Sherlock Holmes vs Dracula« eine gelungene Zusammenarbeit in Wort und Bild, die aber die Stärke des ersten Bandes missen lässt.

3 von 5 Punkten

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