Samstag, 1. Dezember 2012

Rezension: Victorian Undead 1. Sherlock Holmes vs Zombies! (Edginton/Fabbri)

Panini Comics
SC mit Faltcover, 148 Seiten
ISBN 978-3862010158
16,95 €


Ein kurzer Einblick

Sherlock Holmes und Dr. Watson haben ja schon viel gesehen und einige Fälle geknackt, die unlösbar schienen. Doch nun stehen sie vor der größten Herausforderung ihrer Karriere. Denn durch die vom Gaslicht nur schwach erhellten Straßen des nebeligen viktorianischen Londons schlurfen plötzlich lebende Tote! Doch wer oder was ist dafür verantwortlich? Und wie verhindert man, dass die ganze Stadt im Chaos versinkt?

Bewertung

Ian Edginton ist ein britischer Comicautor, der Werke wie »Xena: Warrior Princess« (2000) oder »Planent of the Apes« (2001/02) für Dark Horse Comics, »Blade: The Vampire Hunter« (1994/95) oder »Star Trek: Early Voyages« (1997/98) für Marvel Comics oder auch »The Picture of Dorian Gray« (2008) umsetzte. Für den ersten »Victorian Undead«-Band ist er ebenso der verantwortliche Autor.
Davide Fabbri setzte die Geschichte um den Zombie jagenden Sherlock Holmes zeichnerisch um. Er wirkte bereits als Künstler bei Werken wie »Planet of the Apes« (2001) und vielen »Star Wars« wie »Starship Troopers«-Bänden für Dark Horse Comics mit.

London, März 1854. Ein grün schimmernder Komet fliegt über London hinweg. Im August stehen die ersten Toten auf. Englands Regierung vertuscht den Vorfall.
London, August 1898. Sherlock Holmes und Dr. Watson werden von Inspektor Lestrade von Scotland Yard aufs Revier gerufen. Bei den Arbeiten an der U-Bahn werden zwei Arbeiter von einem Untoten angegriffen. Der Geheimdienst seiner Majestät verbietet Holmes und Watson jegliche Schnüffelei, doch der Detektiv forscht dennoch auf eigene Faust weiter.

Im viktorianischen London Edgintons und Fabbris vermischt sich das Detektiv-Genre mit Zombies und Steampunk-Elementen. Christian Endres zeigte mit »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes«, dass sich Sherlock Holmes und die Phantastik ausgesprochen gut vertragen. Auch Edginton und Fabbri gelang ein tadelloser Mittelweg zwischen ständischer Detektivarbeit und blutigem Horror. Leider dominieren die rasanten Actionszenen respektive das actionbetonte Kampfgemetzel die Handlung, sodass die typisch akribische Detailversessenheit Sherlocks so manches Mal unerheblich zur Handlungentwicklung wird. Einerseits lässt dies die Handlung geradliniger und vorhersehbarer werden, andererseits treibt einen die flotte Handlung voran, sodass jeder selbst entscheiden sollte, ob die Kampfszenen den ausführlichen Erörterungen vorzuziehen sind oder nicht.
Auf jeden Fall aber wurden die Charaktereigenschaften der Figuren gelungen herausgearbeitet. Sherlock und Watson sind keine reinen Handlungsträger, sondern werden als natürlich agierende und intrigierende Personen empfunden. Die Autoren haben hervorragende Arbeit geleistet. Edginton gibt den Figuren durch Worten Charakter, Fabbri durch Mimik und Auftreten in Farbe und Bild. Das Zusammenspiel zwischen Text und Bild funktioniert ausgezeichnet. Dies muss aber auch sein, denn Schrift und Kunst müssen überzeugen. Hinkt ein Part, funktioniert der zweite Part schwerlich.
Überhaupt hat Davide Fabbri seine Arbeit gemeistert. Die Stimmungen verschiedenster Szenen sind farblich aufeinander abgestimmt. Wiegen sich Sherlock Holmes und Dr. Watson in Sicherheit, ist die Farbgebung klar, gestochen und sauber. Werden Zombies in ihre Einzelteile zerlegt (zerfetzte Arme und Beine, eingeschlagene Köpfe und umherfliegende Gliedmaßen lassen sich wahrlich nicht übersehen), ist die Szenerie in ein verwaschenes, gelbstichiges Licht getaucht. Rückblenden sind in s/w gehalten. Doch nicht nur die Szenerie vermag zu begeistern, auch die Darstellung der Zombies. Gelbe Augen und grünlich-fahle Haut hebt sie eindeutig von den Lebenden ab. Das zeitgemäße Setting begeistert mit hervorragend ausgearbeiteten Hintergründen wie dem Windsor Castle oder der Westminster Bridge.

Fazit

Farblich und szenerietechnisch ist »Vicorian Undead: Sherlock Holmes VS Zombies« eine Augenweide. Ein rasantes Kampfgemetzel ersetzt die akribische Detektivarbeit nicht, nimmt ihr aber die Luft zum Atmen. Freunde actionbetonter Zombieromane in Brian Keene-Manier werden ihre helle Freude haben, Fans klassischer Detektivarbeit dürften etwas enttäuscht werden. Nichtsdestotrotz ist »Vicorian Undead: Sherlock Holmes VS Zombies« eine gelungene Zusammenarbeit in Wort und Bild.

4 von 5 Punkten

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