Samstag, 15. Dezember 2012

Rezension: Verschwörung gegen Amerika (Philip Roth)

Rowohlt Verlag
Taschenbuch, 542 Seiten
ISBN: 978-3-499-24087-4
9,90 €


Ein kurzer Einblick

Wie hätte sich die Welt und besonders die USA entwickelt, wenn Roosevelt nicht zum zweiten Mal wiedergewählt worden wäre, sondern statt ihm Charles Lindbergh Präsident der USA geworden wäre und er mit Hitler einen Nichtangriffspakt eingegangen wäre? Dieses Szenario spielt Philip Roth mit besonderem Augenmerk auf seine eigene in Newark lebende jüdische Familie durch und beschreibt dabei eindringlich den sich immer mehr fürchtenden kleinen Philip Roth…

Bewertung

Es ist ein interessantes und zugleich erschreckendes Szenario, das Philip Roth in seinem Roman durchspielt. Er schreibt einfach mal die Geschichte um und zeigt, welch große Auswirkungen die Wahl unterschiedlicher Personen haben könnte. Dabei liegt sein Fokus jedoch nicht so sehr auf der internationalen Situation der USA und seinen Beziehungen zu anderen Ländern, sondern mehr auf den Konsequenzen, die sich aus der Nichtbeteiligung der USA am Zweiten Weltkrieg im inneren der USA ergeben. Durchgespielt am Beispiel der jüdischen Familie Roth in Newark, mit besonderem Augenmerk auf den kleinen Philip Roth, entsteht so ein facettenreiches Bild der inneren Verhältnisse der USA. Leider wirkt das Ende des Romans dagegen etwas konstruiert. Hier hat Philip Roth nicht den Mut, sich völlig vom realen historischen Verlauf zu lösen.
Beim Lesen des Romans erlebt man einen kleinen jüdischen Jungen, Philip Roth, der immer verunsicherter wird. Zunächst muss er erleben, wie ein Präsident gewählt wird, von dem sich die jüdische Gemeinschaft nichts Gutes verspricht. Wird zunächst nur über die negativen Auswirkungen diskutiert, werden diese nach und nach sichtbar. Einige jüdische Familien wandern aus und Philips Cousin zieht für Kanada in den Krieg und verliert dabei ein Bein. Zudem startet die Regierung verdeckte Aktionen gegen die Juden, für die sogar sein eigener Bruder instrumentalisiert wird. Einige Juden schlagen sich trotzdem auf die Seite des Präsidenten, so etwa seine eigene Tante, was dazu führt, dass die Familie noch mehr zerrissen wird. Andere gehen dagegen gezielt gegen das Vorgehen der Regierung vor.
Nach Umsiedelungsaktionen, denen sich die Familie Roth gerade noch entziehen kann, gipfelt es schließlich in Ausschreitungen, die sich gezielt gegen Juden richten. All dies, die ständige Unsicherheit und Hilflosigkeit des Vaters sowie die normalen Kindheitsprobleme, die im Roman einige Längen verschulden, führen dazu, dass Philip nicht nur einmal darüber nachdenkt, den einfachsten Weg zu wählen und wegzulaufen, für einen kleinen Jungen natürlich die scheinbar einfachste Lösung.

Fazit

Philip Roth zeigt in „Verschwörung gegen Amerika“ auf, wie eine einzige Wahl die USA hätte verändern können. Er spielt ein Deutschland-ähnliches Szenario durch und zeigt in seiner eigenen kindlichen Person auf, welche Hilfslosigkeit und Furcht dabei entsteht.

4 von 5 Punkten

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