Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Veronika beschließt zu sterben (Paulo Coelho)

Diogenes Verlag
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-257-23305-6
8,90 €


Ein kurzer Einblick

Veronika will sterben. Doch ihr Versuch sich umzubringen scheitert und sie landet in einer Einrichtung für geistig Kranke. Dort erfährt sie, dass sie scheinbar auf Grund eines Herzfehlers, verursacht durch ihren Selbstmordversuch, nur noch kurze Zeit zu leben hat. Während dieser Zeit beschäftigt sie sich zum ersten Mal richtig mit dem Verrücktsein und erkennt, wie schön das Leben sein kann, wenn man etwas riskiert und darum kämpft.

Bewertung

„Veronika beschließt zu sterben“ regt den Leser nicht nur dazu an, darüber nachzudenken, warum Menschen nicht mehr weiter leben möchten, sondern führt dazu, dass man sich mit dem Verrücktsein auseinandersetzt. Was ist eigentlich verrückt? Verdienen Menschen, die wir als verrückt bezeichnen, überhaupt diese Bezeichnung oder sind sie einfach nur nicht normal? Aber was ist schon normal? Fragen solcher Art stellt man sich beim Lesen von Paulo Coelhos Roman. Man lernt verschiedene Menschen kennen, die alle ganz verschiedene Dinge erfahren haben, die sie in eine Einrichtung für geistig Kranke geführt haben. Doch sind ihre Geschichten nicht alle viel zu individuell, um sie unter dem Begriff der Verrücktheit zusammenzufassen?
Beim Lesen stellt man schnell fest, dass diese Menschen gar nicht so anders sind und dass es jedem anderen auch schnell wie ihnen ergehen kann. Dies führt dazu, dass man sich kritisch mit vorherigen zu schnellen Beurteilungen bzw. Vorurteilen auseinandersetzen muss. Verstärkt wird dies zudem noch dadurch, dass Coelho im Roman davon erzählt, dass auch er, den man nun wirklich nicht mit einem Verrückten verbindet, einmal in eine Psychiatrie eingeliefert wurde. Außerdem erfährt man, dass das gewollte Abstempeln als Verrückter auch eine Art Schutz vor der Auseinandersetzung mit einem neuen oder auch alten Leben sein kann. Gleichzeitig erkennt man, dass man sich auch kritisch mit Einrichtungen für sogenannte Verrückte auseinandersetzen sollte.
Daneben führt der Roman dazu, sich damit zu beschäftigen, wie es ist, wenn man weiß, dass man in absehbarer Zeit sterben wird. Er zeigt auf, wie sich das gesamte Verhalten durch solch eine Nachricht verändern und zu neuem Lebenswillen führen kann. Eindrucksvoll stellt er die Entwicklung Veronikas von einer Frau, die keinen Sinn mehr darin sieht ein scheinbar vorprogrammiertes Leben zu leben, zu einer Frau, die auf einmal alles tun will und neuen Lebensmut und Liebe entdeckt, dar. Auch wenn diese Entwicklung gut nachzuvollziehen ist, ist es für den Leser schwer Veronika näher kennen zu lernen und sich mit ihr zu identifizieren. Obwohl das Buch vor allem von Gesprächen und Gesten lebt und daher die Handlung zum Teil doch sehr langsam voranschreitet, lernt man Veronikas Persönlichkeit leider nur oberflächlich kennen.

3,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen