Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Venus ist tot (Uwe Anton)

Fabylon
Taschenbuch, 264 Seiten
ISBN 978-3-927071-23-0
12,00 €


Ein kurzer Einblick

15 Geschichten aus der Welt von Morgen, bitterböse, ironisch, pointiert und vor allem gut erzählt. Enthält unter anderem: Venus ist tot, Ein kurzes, vertrauliches Gespräch mit dem Herausgeber, Die schleichende Revolution, Das Schloss, Jurassic Mark.
Uwe Anton gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Autoren der phantastischen Szene, hat neben Romanen zahlreiche Sachbücher verfasst, ist ein anerkannter Übersetzer, Herausgeber und Spezialist für Philip K. Dick und Comics.

Bewertung

Uwe Anton ist schon lange in der Science-Fiction tätig. Bereits während seiner Schulzeit hat er erste Geschichten veröffentlicht. Seit 1998 schreibt er für Perry Rhodan. „Venus ist tot“ enthält ausgewählte Geschichte über zwei Jahrzehnte seines Schaffens. Und in diese zwei Jahrzehnte möchte ich Sie entführen. Kommen Sie mit auf eine Reise, auf eine Reise, die die moderne Science-Fiction noch nicht kennt.
Vorneweg möchte ich jedoch zunächst die Einleitungen loben, die jeder Geschichte voranstehen und oftmals interessanter sind, als die dazugehörige Story. Ganz recht! „Venus ist tot“ enthält zum Bedauern viel zu viele schwache Storys und kaum gute. Dabei fängt die Reise mehr als viel versprechend an:

1974 schrieb Uwe Anton mit 18 Jahren „Willkommen in der Wirklichkeit“ (1990, überarbeitete Neufassung). Bis heute hat er die Geschichte immer wieder überarbeitet, sodass nun ein kleines Juwel als Einstiegsdroge in die Science-Fiction-Welt des Uwe Anton dient. Überraschenderweise präsentiert sich die erste Story sogleich im surrealen Horrorgewandt, das mit Intensität und Grauen trotz thematischer Ähnlichkeiten zu vielen anderen Geschichten auf hohem Niveau mitspielt.
„Der Moment der Wahrheit“ (1977): Carpenter, Androidenjäger, bekommt einen neuen Auftrag: Ein X-CC-441-Modell ist abtrünnig geworden und muss beseitigt werden. Kurzer Inhalt, kurze Story. Die Pointe funktioniert, auch wenn sie nicht wirklich überraschend kommt. Im Grunde steht auch gar nicht die Story im Vordergrund, sondern das Thema: „Was unterscheidet einen Menschen von einer Maschine?“ (S. 40) Philosophisch hat Uwe Anton die Geschichte zwar nicht angelegt – da zielt der Autor dann doch wieder mehr auf die Pointe ab –, aber kleine Denkanstöße gibt er dennoch. „In der Androidenfabrik“ (1981) bietet ein anderes Setting, doch Grundidee, Umsetzung und Storyentwicklung sind Klone, sodass „In der Androidenfabrik“ gegenüber „Der Moment der Wahrheit“ deutlich abfällt.
Mit „Heimkehr“ (1980) bricht Uwe Anton zum ersten Überlichtflug in der Geschichte der Menschheit auf. Doch die Kräfte der Physik geraten außer Kontrolle. Das liest sich interessant? Ist es auch! Aber an der Umsetzung hapert es. In die gleiche Kerbe schlagen auch „Venus ist tot“ (1981) - Die Idee des Psychplasmaformers ist klasse, aber das Gesamtkonzept ist unstimmig -, „Die schleichende Revolution“(1982, Neufassung 1988) - Eine hypnotisierende Waschmaschine? Die Auflösung zieht die an sich sehr gute Geschichte ins Lächerliche! -, „Das Schloss“ (1989) - Ein Adventure-Game aus Sicht der Spielfigur. Vor 20 Jahren konnte die Idee vielleicht zünden, heutzutage gibt es nur noch einen Gandenpunkt - und„Jurassic Mark“ (1995) - Höchst amüsant und ironisch spitz, aber leider ist sie etwas zu sehr auf die Spitze getrieben worden.
Ach, die Flops werden garantiert von richtig guten Geschichten ergänzt? Zwei hervorragende habe ich bereits oben genannt. Und zwei weitere sind vorhanden. Nur zwei? Nur zwei! „Galaabend im Hypersensio“(1981): Die Zukunftsmusiker sind darauf konditioniert keine Gefühle zu empfinden, aber Gefühle im Publikum zu erzeugen, die sich in Visionen äußern. Eigentlich ist „Galaabend im Hypersensio“ eine tragische Liebesgeschichte, die aber auf Umwegen in Szene gesetzt wird. Gefühlvoll, atmosphärisch, berauschende Bilder und ein wenig Horror. „Roboterlogik“ (1988): HUGHE weigert sich den Befehlen Felix' zu gehorchen; er beruft sich auf die Asimov'schen Gesetze: Es könnten Menschen zu Schaden kommen. Uwe Anton verdreht die Robotergesetze von Asimov bzw. stellt die negativen Aspekte in den Vordergrund. Immer wieder sorgt die Story für Schmunzler, denn „Roboterlogik“ ist eine spaßige Story, die die Asimov'schen Gesetze gekonnt auf die Spitze treibt.
Was bleibt übrig? Genau! Mittelmaß. Viel Mittelmaß! „Das Gitter“ (1980), „Ich liebe deinen Stolz und deine Einsamkeit“ (1981), „Ein kurzes vertrauliches Gespräch mit den Herausgeber“ (1982), „Roboter im Warnstreik“ (1982, Neufassung 1988), „Das große kleine Schiff“ (1983).

Fazit

„Venus ist tot“ steigt gleich mit zwei hervorragenden Geschichten ein, nur um im Folgenden mit Enttäuschungen um sich zu schlagen. Dies hat weniger mit den grauen Haaren der Geschichten zu tun – ihr Alter merkt man den Geschichten selten an –, sondern an der Umsetzung, der missratenen Pointe oder der zwar guten, aber wenig herausragenden Grundidee. Und dennoch sage ich, dass „Venus ist tot“ eine feine Kurzgeschichtensammlung ist, denn eine jede Story – auch die Flops! - haben ihren ganz eigenen Charme. Hinein lesen lohnt sich daher auf jeden Fall.

3 von 5 Punkten

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