Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Vampire Earth 1: Tag der Finsternis (E.E. Knight)

Heyne
Taschenbuch, 464 Seiten
ISBN: 978-3-453-52618-1
8,95 €

Ein kurzer Einblick

Die Zukunft: Vampire beherrschen die Erde …

…und sie machen Jagd auf uns!

Wir schreiben das Jahr 2065. Aliens haben die Erde verwüstet. Die blutsaugenden Invasoren herrschen über den letzten Rest einer Menschheit, die sich in undurchdringliche Dschungel zurückgezogen hat. Denn sobald das Dunkel hereinbricht, kommen die Bestien auf die Erde herab, um sich zu nähren – bis eine kleine Gruppe von Rebellen beschließt, dem grausigen Regime ein Ende zu setzen.

Bewertung

Ein Serienstart ist oftmals das Aushängeschild für eine Serie, denn der erste Band muss den Leser fesseln und neugierig auf die Fortsetzung machen. „Tag der Finsternis“ schafft dies nur in Teilen, sodass die weiteren Bände über Erfolg oder Misserfolg entscheiden müssen. Mitten im Vampir-Boom fordert E.E. Knight die Aufmerksamkeit des Lesers. Glücklicherweise legt er keine x-te Serie über Kuschelvampire vor, hebt sich so erfolgreich aus der Masse ab und weckt somit gleichzeitig die Hoffnung auf etwas Neues im aktuellen Einheitsbrei. Das schafft E.E. Knight, keine Frage, ist aber auch nicht weiter schwierig, wenn sich der Großteil der Autoren auf Kuschelvampire konzentriert.
Mit einer Mischung aus Endzeit-Science-Fiction, Western, Dark Fantasy und ein wenig Horror, schlägt „Vampire Earth“ eine Bresche, die Spuren hinterlässt. Knights Eigenkreation der Vampire, Kur genannt, sind fremde Wesen aus einer fernen Welt, die die Unsterblichkeit erlangten, indem sie menschliche Auren konsumieren; Die Schlächter, die Handlanger der Kur, der verlängerte Arm jener Macht, die die Erde überrannt hat, machen unerbittlich im Namen der Kur jagt auf das menschliche Leben. Die einzige Verbindung, die an den allseits bekannten Vampir erinnert, sind übernommene Eigenschaften wie das Blutsaugen, Schwäche in der Sonne, etc., ansonsten sind die Kur dem Vampir völlig fremd, sind eher als neue Spezies in der phantastischen Literatur zu betrachten. Die Benutzung der Thematik Vampir ist vollkommen legitim, die Absonderung vom Massenmarkt der Vampirliteratur ist willkommen und auch die Fremdartigkeit der Kur gegenüber dem Klischeebild des Vampirs soll nicht angekreidet werden, aber E.E. Knight ist ein wenig über die Ziellinie hinaus geschossen. Die Bezeichnung Vampir ist nicht stimmig und diente vielleicht auch nur Vermarktungszwecken. Der Leser bekommt daher nichts Ganzes und nichts Halbes; er bekommt etwas Neues! Doch nicht nur die Vampire sind eine überraschende Wohltat, sondern auch die Ausgestaltung der Welt. Die menschliche Welt, wir schreiben das Jahr 2065, wie wir sie kennen, ist vollkommen umgekrempelt und nur rudimentäre Überreste und Geschichten derjenigen, die diese Welt noch kannten, lassen an diese Welt erinnern. Zivilisation ist Überleben, ist Zusammenhalt, ist die Stärke der Gemeinschaft. Entweder ist man Rebell oder man ist Handlanger der Kur. Ein Leben, aber zwei Seiten: Das Leben im von den Kur besetzten Gebieten und der ständigen Angst geopfert zu werden und das Leben außerhalb des der von den Kur besetzten Gebieten und der ständigen Angst von Schlächtern überfallen zu werden. Sicherheit für das eigene Leben gibt es nicht, ist lediglich illusorisch vorhanden.
Ein ausführlicher, detailreicher Stil, der zwar nicht überragend ist, die Geschichte aber hervorragend zu tragen versteht, stehen dem ersten Kapitel gegenüber, dass offen in der Luft hängt, da es bisher keinerlei Zusammenhang mit dem sonstigen Geschehen gibt. Das hätte der Roman nicht nötig gehabt. Lobend zu erwähnen sei jedoch, dass jedem Kapitel eine beschreibende Zusammenfassung der Gegend vorangestellt ist: Charakteristika, aktuelles Geschehen, etc.; eine beschreibende Zusammenfassung, um schnell einsteigen und sich auf die Geschichte konzentrieren zu können.

Fazit

Wohin die Serie den Leser tragen wird ist unklar. Allein das ganz große Ziel ist klar definiert: Widerstand gegen die Kur. „Vampire Earth“ hat jedoch erst seinen Anfang genommen und wird sich hoffentlich nicht auf bloßes Überleben konzentrieren; der rote Strang, der Weg von David Valentine müsste klarer definiert werden. „Tag der Finsternis“ ist ein Debüt, das getestet werden sollte. Schwächen werden hoffentlich in den nächsten Bänden ausradiert.

3,5 von 5 Punkten

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