Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Traveler (John Twelve Hawks)

Page & Turner
Taschenbuch, 544 Seiten
ISBN 978-3-442-46549-1
8,95 €


Ein kurzer Einblick

Die Brüder Michael und Gabriel Corrigan sind die letzten Überlebenden der Traveler, einer Riege von Propheten, die seit Jahrhunderten die Menschen lehren, was Freiheit bedeutet. Doch Freiheit ist der Bruderschaft der Tabula verhasst, denn ihr Ziel ist es, mit Hilfe eines weltweiten Überwachungsnetzes die gesamte Menschheit zu kontrollieren. Das Leben der Brüder soll wie das ihrer Vorfahren ausgelöscht werden, und nur Maya, eine junge entschlossene Frau, weiß, in welcher Gefahr Michael und Gabriel schweben. Sie macht sich auf, die letzten Traveler vor den Tabula zu retten, bevor die Freiheit den Menschen für immer verloren geht ...



Bewertung

Drohnen bevölkern die Erde. Die Drohne ist der Bürger, der sich freiwillig von der Wahrheit ablenken lässt, die Lüge der totalen Freiheit ignoriert und sich gestützt durch die Freuden der Einkaufsmeilen, Vergnügungsparks und der Marionetten-Politik zur Beschwichtigung der Bevölkerung der totalen Überwachung unter dem Deckmantel der Sicherheit hingibt. Freiheit adieu, unsichtbare Überwachung aller Lebensbereiche seid willkommen! Das Raster wacht über alles und jeden, verfolgt deinen täglichen Alltagsablauf und registriert, wenn du etwas abseits der Norm tust, um sofort die Überwacher oder gar die Polizei zu informieren. Frei ist allein der, der sich dem Raster entzieht; sich darauf versteht dem Raster zu entziehen unter der Voraussetzung zu wissen, dass es die gepredigte Freiheit schon lange nicht mehr gibt.
Nicht die Regierung trägt die Schuld, auch sie ist nur eine Marionette und somit das ausführende Organ der wirklich Mächtigen dieser Welt. Die Tabula, die sich selbst die Bruderschaft nennt, versucht bereits seid Jahrhunderten die Weltmacht an sich zu reißen. Doch erst mit der Technik und den tausenden Kontrollmöglichkeiten durch Funküberwachung, Computerspionageprogramme, Kameras und einer gehorsamen Armee rückt ihr Traum in greifbare Nähe.
Allein die Traveler, Propheten für eine bessere Gesellschaftsordnung und spirituelle Führer der Menschen, können ernsthaft gegen die Tabula vorgehen. Doch gegen die Gewaltbereitschaft der Tabula sind auch die Traveler nicht gefeit. Ihnen zur Seite stehen die Harlequins, die mit ihrem Leben und ihrem Schwert die Traveler verteidigen und schützen so gut sie können. In einer Welt, in der es kaum möglich ist sich dem Raster zu entziehen, grenzt diese Aufgabe an schiere Unmöglichkeit.
Doch genau dies muss Maya gelingen, denn die Tabula ermordet jeden Traveler, von dem sie erfährt. Michael und Gabriel Corrigan sind womöglich die letzten Traveler; die letzten Traveler, die die Tabula und ihre Machtpläne noch aufhalten können. An Maya ist es nun, die Brüder zu schützen und ihnen zu helfen zu echten Travelern zu werden, damit sie der Menschheit die Augen öffnen können.
Ist „Traveler“ eine Dystopie in bester Ideenvorstellung des George Orwell? John Twelve Hawks Dystopie liest sich nicht von ungefähr wie Orwells Zukunftsvision der totalen Überwachung. Orwell war Hawks Inspiration. Hawks jedoch katapultiert die Dystopie in eine Zukunft, die der unsrigen nicht mehr fern ist, vielleicht gar schon längst existiert. „Traveler“ ist ein perfekter SciFi-Fantasy-Thriller. Totale Überwachung, Schwertkämpfe und Propheten; ein Verschwörungsroman allererster Güte; eine Mischung aus Wolfgang Hohlbeins „Blut der Templer“ und Dan Browns „Sakrileg“ - nur sehr viel besser!

Fazit

„Traveler“ ist der erste Teil einer Trilogie, die wachrüttelt, die Augen auf die existierende Welt lenkt und wo wir erstaunt feststellen: Vielleicht gibt es die Tabula sogar. Wie sonst ist es zu erklären, dass uns die Regierung immer mehr Überwachung durch Sicherheit verkauft? Das Raster ist schon längst existent; wenn auch hoffentlich (!) noch nicht gänzlich, wie in der vorgestellten Dystopie. Die moderne Welt, eine Welt der scheinbaren Freiheit und unsichtbaren Überwachung, ein goldener Käfig, der die Bürger durch Konsum von der Wahrheit ablenkt wie das alte Rom durch Sklavenspiele?

4,5 von 5 Punkten

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