Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Terror (Brian W. Aldiss)

Brian W. Aldiss
Klappenbroschur, 216 Seiten
ISBN 978-3-937897-35-6
14,90 €


Ein kurzer Einblick

Großbritannien in naher Zukunft: Der Krieg gegen den Terror hat aus dem Land einen Polizeistaat gemacht, in dem ein kafkaeskes Ministerium Bürger muslimischer Herkunft nach Belieben verhaften und foltern kann. Fadhil Abbas Ali gerät in die Fänge dieser Organisation und wird in ein Gefängnis gesteckt, dessen Vorbild Guantanamo nicht zu übersehen ist. Unter der Folter entwickelt er eine Persönlichkeitsstörung und flieht im Geiste auf den fernen Planeten Stygia, doch die Grausamkeit seiner Situation holt ihn auch dort ein …

Bewertung

2001 stürzten die Zwillingstürme des World Trade Centers durch einen terroristischen Akt ein. Ein Startschuss für viele Nationen gegen den Terrorismus zu rüsten und Überwachungsstrategien zu entwickeln, um solchen Akten Einhalt zu gebieten. Wo aber hören Vorsichtsmaßnahmen auf und fangen totale Überwachungsmaßnamen der Bevölkerung an? Unwillkürlich kam diese Frage in den folgen Jahren auf. Wann schützt ein Staat sich selbst und wann übernimmt der Staat die Kontrolle über seine Bürger?
H.A.R.M (Originaltitel dieses dystopischen Zukunftsszenarios) steht für Hostile Activities Research Ministry. Die EU und der Staat sind Blendwerk für die Bürger. Der Hass gegen den Islam nimmt zu, die Kontrollen werden schärfer und wer auch nur den Ansatz staatsfeindlichen Gedankenguts an die Öffentlichkeit trägt, wird eingesperrt und verhört … ähm, gefoltert.
Paul Fadhil Abbas Ali ist ein Bürger Londons und vom Beruf Schriftsteller. Sein Verbrechen: Seine Abstammung und sein neuester Roman, ein satirischer Text, in dem sich zwei Betrunkene ironisch über ein Attentat gegen den Premierminister unterhalten. Es ist der Anfang des Endes für Paul, denn von nun an kann er dem Krieg gegen den Terror nicht mehr entkommen. Als Gefangener B wird ihm vorgeworfen, dass er zur Ermordung des Premierministers aufgerufen hat. Es interessiert niemanden, dass der Text ein Unterhaltungsroman ist.
Gefangener B leidet unter Einsamkeit und Beengtheit an einer Persönlichkeitsstörung. Als er nun unter Folter, Hunger und Isolation in einem Gefängnis verhört wird (wo und wie lange ist nicht klar), flüchtet sein Geist in die Welt Stygia. Dort lebt er unter dem Namen Fremant, der auf der Suche nach dem Überleben in besseren Gesellschaftssystemen ist. Doch auch in Stygia herrschen religiöser Wahn und Terror, Verschwörung und Rassismus vor.
England hat die Verteidigung der Demokratie gegen den Terror aufgegeben und hat sich zum Terrorregime gewandelt. Ein Verteidigungsministerium ist nicht mehr vonnöten, denn die neue Parole lautet, dass feindliches Gedankengut schon im Keim erstickt werden muss.
Weder religiöser Fanatismus, noch totale Staatskontrolle oder technologischer Fortschritt haben den Planeten Stygia in eine Welt des Friedens verwandeln können. Während Paul/Fremant bald nicht mehr unterscheiden kann, ob die Erde oder Stygia die reale Welt ist, wird deutlich, dass der Mensch unverbesserlich ist. Kein Gesellschaftssystem ist besser als das andere, denn Interessen werden durchgesetzt; zur Not mit Gewalt, Unterdrückung und Genozid. Stygia ist eine Parabel auf unsere Gesellschaftssysteme, die sich nicht vertragen können und wollen. Die Parallelität zwischen der Erde und Stygia ist nicht nur ein Mittel zur Verdeutlichung des menschlichen Versagens zum Frieden, sondern zeigt auch, dass der Wahn des Menschen zur Durchsetzung seiner Vorstellungen niemals ein Ende finden wird.

Fazit

Brian W. Aldiss stellt sich der Frage warum es den religiösen Extremismus gibt und analysiert die Ursache des Terrors und des radikalen Islamismus unter der Kampagne des Anti-Terror-Regimes, das selbst zum Terror-Regime mutiert ist. Unterhaltend, teilweise etwas beschwerlich zu lesen, ist „Terror“ ein Roman, der verdeutlicht, dass auch die Demokratie und die Freiheit des Menschen kein Garant für den Frieden sind.

3 von 5 Punkten

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