Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Tentakeltraum (Dirk van den Boom)

Atlantis
Klappenbroschur, 234 Seiten
ISBN: 978-3-936742-94-7
12,90 €


Ein kurzer Einblick

Die Irdische Sphäre steht vor dem Abgrund. Mehr als die Hälfte ihrer Kolonien wird von den Tentakeln beherrscht und es scheint, als sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die letzte Offensive beginnt. Doch dann geschehen seltsame Dinge: Ein Verhandlungsangebot der vormals so gnadenlosen Invasoren und die Manöver einer ehrgeizigen irdischen Politikerin scheinen die Möglichkeit eines Friedensschlusses in greifbare Nähe zu rücken. 

Capitaine Jonathan Haark, Marechal a. D. Rahel Tooma und das Genie Dr. DeBurenberg, die sich alle unerwartet in diese neue Perspektive verwickelt sehen, erkennen allerdings bald, dass letztlich doch nur die Frage bleibt, wer hier eigentlich der Betrüger, und wer der Betrogene sein wird...

Bewertung

Nahtlos geht es in die zweite Runde der Tentakeltrilogie. Auch hier verschwendet van den Boom keine Zeit und steigt rasant in die Handlung ein. Neues wird dabei nicht geboten, vielmehr Altbewährtes neu aufbereitet und ausgearbeitet. Lediglich die Art des Krieges hat sich verlagert. Während in „Tentakelschatten“ die menschliche Rasse von den Invasoren in den äußeren Systemen überrannt worden ist, in dem die Tentakel sich den Überraschungseffekt zunutze gemacht haben, müssen nun taktische Pläne her, Pläne um den Krieg voranzubringen. Pläne, die kriegerische und politische Pläne, sowohl der Verteidigung und des Angriffs, als auch der Zurückeroberung gefallener Systeme bzw. der Invasion noch nicht okkupierter Systeme, erforderlich machen. Die menschliche Rasse formiert sich gegen den Übermächtigen Feind und beginnt Widerstand zu leisten, soweit dies nach dem erst kürzlich blutig niedergeschlagenen Kolonialkrieg und der damit geschwächten Wirtschaft überhaupt möglich ist, während die Tentakel bereits die nächste Invasion inszenieren. Täuschung ist alles. Für beide Parteien. Und so entwickelt sich ein verworrenes Szenario, dass bereits der Klappentext andeutet: (...) dass letztlich doch nur die Frage bleibt, wer hier eigentlich der Betrüger, und wer der Betrogene sein wird...
Politik und Krieg - Der Mensch wäre nicht Mensch, wenn er sich nicht selbst im Wege stehen würde. Politische Pläne lassen sich selten mit kriegerischen Plänen vereinen, vielmehr versuchen sie aus der anderen Partei noch eigenen Profit zu schlagen, nutzen den Gegner bis zum Erbrechen aus. Täuschung auf allen Ebenen, die denkbar sind. Wäre dieses Geflecht politischer und kriegerischer Machtintrigen nicht, „Tentakeltraum“ würde zu einem belanglosen Science-Fiction-Roman verkommen, der keines zweiten Blickes würdig wäre. Doch glücklicherweise gibt es das Spiel der Macht und Täuschung, die die Handlung richtig in Szene setzt.
Bereits im ersten Band wurde die Tentakelgesellschaft angerissen, hier nun lernen wir mehr über ihre Art. Dass sie auf einer pflanzlichen Basis existieren und menschlichen Dünger benötigen, ist bereits bekannt; aber deren Kommunikation ohne Zeitverlust über Systeme hinweg ist nicht nur ein entscheidender Vorteil (Ein Grund, warum die menschlichen Systeme derart geplant überrannt werden konnten.), sondern auch eine Schwäche – sofern man weiß, wie man den Tentakeltraum gegen die Alien einsetzen und für sich nutzen kann. Gesellschaftliche Strukturen der Tentakel sind ein weiteres Thema, das unmittelbar im Zusammenhang mit der Fortpflanzung der Tentakel steht. Nun, ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Nur eines noch: Darin begründet liegt das Geheimnis, warum die Alien in taktischer Kriegsführung immer erfolgreicher wurden – was wir, die Menschen, nun zu spüren bekommen.

Fazit

Was der erste Band „Tentakelschatten“ bot, bietet auch „Tentakeltraum“. In dem Sinne gibt es keine Überraschungen, solide Kost wird aber auf ein Neues geboten. Ich heiße alle SF-Leser herzlich zuzugreifen und einzutauchen in einen kurzweiligen Roman, der Spaß en masse bietet.

3 von 5 Punkten

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