Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Tentakelsturm (Dirk van den Boom)

Atlantis
Klappenbroschur, 200 Seiten
ISBN: 978-3-941258-06-8
12,90 €


Ein kurzer Einblick

Die Irdische Sphäre ist unter der Invasion der Tentakel zusammengebrochen. Der Menschheit bleibt nur noch ihr eigenes Sonnensystem, doch auch dieses droht unter dem Tentakelsturm zu fallen. Wenn aber niemand mehr ein Wunder erwartet, bleibt nur noch der Mut der Verzweifelten, um das Verhängnis vielleicht doch noch abzuwenden. 
Capitaine Jonathan Haark, Marechal Rahel Tooma, Dr. DeBurenberg und viele weitere Frauen und Männer, Zivilisten wie Soldaten, nehmen einen Kampf auf, der nicht nur ihr persönliches Schicksal entscheidet, sondern auch das der gesamten Menschheit. 
Oder was von ihr übrig ist...

Bewertung

Der Tentakelkrieg geht in die dritte Runde – Geändert hat sich nichts: Gleichermaßen konsequent wie in den ersten beiden Bänden nimmt Dirk van den Boom den Leser mit auf eine Reise, die an Schnelligkeit kaum noch zu überbieten ist. Die Tentakel greifen nun die Heimaterde der Menschen an, doch der Widerstand der Menschen endet erst nach der Selbstverzweiflung. Sie kämpfen um ihr Leben; jedem so gut wie es möglich ist. Die Regierung hat die Bevölkerung bewaffnet. Die Tentakel stoßen auf einen bewaffneten Planeten, der alles gibt, um die Invasoren auszulöschen. Doch nicht nur auf der Erde toben wilde Schlachten. Auch im All werden die Menschen in einem letzten vernichtenden Akt geschlagen. Oder sollten es werden, wenn Capitaine Haark nicht wäre …
Dirk van den Boom ist sich treu geblieben, versucht keine Experimente, sondern setzt abermals auf Bewährtes. Und das mit gutem Recht, ist er in diesem Fahrwasser doch erfolgreich unterwegs. Noch rasanter als bisher jagt er den Leser durch die Handlungsorte (Europa, Afrika, Sonnensystem, Station Thetis, Uranus) und bringt durch rasche Ortswechsel noch mehr Fahrt ins Geschehen. Dirk van den Boom lässt den Leser anschnallen und in die Sitze pressen: Auf geht’s zum großen Finale!
Die Tentakel haben von Band zu Band neue Unterspezies bekommen und neue Invasionspläne zur taktischen Eroberung ausgesonnen. Langeweile vermag bei diesen Pflanzen nicht aufkommen, sie sind immer wieder für eine Überraschung gut – auch wenn bei ihnen stets die Masse entscheidend ist. Ich würde hier all zu gerne die neue Unterspezies beschreiben, doch befürchte ich, eine Überraschung vorweg zu nehmen, sodass ich besser schweige. Marechal Rahel Tooma wird eine Entdeckung machen, die wahrlich den Sieg oder den Untergang für ihr zu verteidigendes Areal bedeuten kann.
Mit Pathos und großem Heldentum haben sich die sympathischen Kämpfer einen Sieg errungen, der mehr als verdient ist. Wagemut und die Bereitschaft zum größten Risiko ließ Helden sterben und gewinnen. Der Mensch wurde auf seinen Heimatplaneten zurückgedrängt, kann nun aber wieder mit ein wenig Hoffnung in die Zukunft schauen – in eine Zukunft, in der in einigen hundert Jahren vielleicht erneut Raumschiffe der Tentakel im Sonnensystem mit Kurs auf die Erde auftauchen werden … Dirk van den Boom hat ein Ende erschaffen, das glaubwürdig ist, ist eine strahlende Zukunft doch nicht in Sicht. Die Erdbevölkerung hat sich in rivalisierenden Gruppen organisiert, von denen manche versuchen eine neue Regierung, eine neue Ordnung aufzubauen. Es ist ein Ende, in dem der Mensch am Abgrund steht und es gerade so geschafft hat, dem Fall in die Tiefe zu entkommen. Doch die eigentliche Arbeit steht nun noch bevor: der Wiederaufbau zerstörter Städte.

Fazit

Die Tentakel-Trilogie ist eine gelungene Trilogie, eine Trilogie, die mit einer Art Alien aufwartet, wie es sie bisher noch nicht im SF-Genre gegeben haben dürfte. Der Autor hat sich die Tentakel bestens zurecht geschustert, um einerseits Exotik und Originalität zu erschaffen, andererseits hat er gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Tentakel wahren Kriegsmaschinen gleichen – und: dass es Tentakel sind, sollte nicht verwundern. Zumindest niemanden, der in Dirk van den Booms geistige Abgründe blicken konnte.

3 von 5 Punkten

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