Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Sunset (Stephen King)

Heyne
Hardcover, 480 Seiten
ISBN: 978-3-453-26604-9
19,95 €

Ein kurzer Einblick

Was, wenn tödlicher Horror über einen hereinbricht oder Besessenheit und Gelüste alle Vernunft besiegen? Wozu der vermeintlich normale Mensch fähig ist, wenn sein Leben plötzlich eine unerwartete Wendung nimmt: Stephen King zeigt uns das, wie nur er es kann – in dreizehn neuen unheimlichen Geschichten, erstmals in einem Band gesammelt.

Bewertung

Stephen King, der auch unter dem Pseudonym Richard Bachman geschrieben hat, ist ein Name in der phantastischen Literatur, der sich nicht ignorieren lässt; unweigerlich stößt man auf ihn. Und das ist auch nicht weiter verwunderlich, hat er doch grandiose Romane wie u.a. „Carrie“, „Es“, „Dolores“ und die „Der Dunkle Turm“-Reihe geschrieben. In den letzten Jahren bemängeln viele Leser jedoch, dass King nicht mehr King sei. „Puls“, Love“ und „Wahn“ würden nicht mehr dem alten King gerecht, was sich erst wieder mit „Die Arena“ geändert hat. Auch „Sunset“ kann sich nicht mit Lobhudelei überhäufen, sind doch nur die wenigsten darin enthaltenen Geschichten wirklich überzeugend, der Großteil leider nur Durchschnitt und über den Rest wird besser gar nicht erst gesprochen.
Mit „Willa“ starten wir dann auch gleich in den Durchschnitt: Eine atmosphärische Geistergeschichte, doch selbst seichter Grusel wird hier schmerzlich vermisst, stattdessen befasst sich der Erzähler mit der Frage: wie gestalten Geister ihr Alltagsleben? Nach der Niete „Das Pfefferkuchen-Mädchen“ legt King das Niveau mit „Harveys Traum“ endlich höher: Eine bitterböse Geschichte über einen Traum, der Wirklichkeit wird. Und weil richtig gute Geschichten erwähnt werden wollen, werden die nächsten vier ignoriert, die zwar gut sind, aber weder besonders originell, noch hervorstechend, sodass ich gleich zu „N.“ komme: Cthuloide Mächte wollen in unsere Welt eindringen ... Zwangsneurotiker haben es sicherlich nicht leicht im Leben – doch haben wir die Ursache ihrer Macken als das Grauen einer anderen Realität stets erkannt? Ein grandios erzählte Geschichte, der es kaum an etwas fehlt. Stephen King hat mit „N.“ eine wahrhaft gute Story abgeliefert, die neben „In der Klemme“ mit Sicherheit noch länger im Gedächtnis haften bleiben wird. Es folgen „Die Höllenkatze“ und „Die New York Times zum Vorzugspreis“, bevor es mit „Stumm“ einen vorletzten Höhepunkt gibt: Garantiert keine weltbewegende Story, aber mit Bravour meisterlich erzählt. Das Ende mag zwar nicht überraschend kommen, aber es ist konsequent. Nach „Ayana“ folgt die letzte Geschichte und damit der letzte Knaller: „In der Klemme“. Es geht um einem Kleinkrieg zwischen zwei Männern, die letztendlich bis zum Äußersten gehen und selbst vor Mord nicht zurückschrecken. Schon einmal versucht aus einem Klohäuschen zu entkommen? Unten durch, durch den Sammelbehälter? Ich sehe Sie schaudern und das zu guter Recht. „In der Klemme“ ist wortwörtlich zu nehmen, denn der Leser steckt mit Curtis Johnson in der Klemme und muss diese Geschichte zu Ende lesen!

Fazit

„Sunset“ ist wahrlich keine Kurzgeschichtensammlung, an die man sich noch lange erinnern wird. Immer wieder gelingt es King seine Stärken auszuspielen. Für ein überzeugendes Bild gereicht dies aber nicht. So muss sich „Sunset“ den Vorwurf gefallen lassen, dass der alte King sehr viel besser war.

3 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen