Dienstag, 18. Dezember 2012

Rezension: Sorry (Zoran Drvenkar)

Ullstein
Gebunden, 400 Seiten
ISBN: 978-3550087721
19,90 €


Ein kurzer Einblick

Vier junge Berliner haben eine ebenso originelle wie erfolgreiche Geschäftsidee: Sie überbringen Entschuldigungen – und bieten ihren Klienten somit eine „Entschuldigung“ im eigentlichen Sinne des Wortes, einen Freikauf von Schuldgefühlen. Männer, die ihre Freundinnen verlassen haben, gehören ebenso zu ihrer Klientel wie Chefs, die ihre Sekretärinnen entlassen haben.
Eines Tages erteilt ihnen jemand den Auftrag, sich bei einer Toten zu entschuldigen für die grausamen Qualen, an denen sie starb. Hier schnappt die Falle zu. Die Lektion, die der Auftraggeber ihnen ab jetzt erteilt, ist voller Dunkelheit: Wie Schachfiguren werden sie auf eine Spur der Grausamkeit gesetzt, auf der es keine Vergebung gibt, kein Schwarzweiß mehr zwischen Opfer und Täter.


Bewertung

Die Idee ist nicht neu, schon die Kirche benutzte Ablassbriefe, damit die Gläubigen sich von ihren Sünden freikaufen konnten. Neu ist aber die Idee das Ganze in unsere Zeit zu transferieren und daraus eine Agentur zu machen. Hier setzt Zoran Drvenkars neuer Roman an. Eine Agentur, die sich auf das Entschuldigen spezialisiert hat, rückt in den Blickwinkel eines Mörders und wird nun in seinem perfiden Spiel eine zu einer Hauptrolle auserkoren.
Nicht nur die Idee zu so einem Roman ist neu, auch der ganze Roman ist etwas ungewöhnlich. Die wörtliche Rede wird nur durch einen Bindestrich gekennzeichnet und die Kapitel sind mit den Namen der Protagonisten gekennzeichnet oder Zeitpunkten. Hier merkt man auch, dass nicht alle Kapitel chronologisch angeordnet sind und Drvenkar des öfteren mal einen Zeitsprung macht. Dadurch bleibt die Spannung konstant oben, denn in den „danach“ Kapiteln, die immer mal eingestreut werden, sind keine Namen erwähnt und der Leser wird sich die ganze Zeit fragen, welche zwei Protagonisten sich am Ende gegenüberstehen. Auffällig ist auch noch, dass sich das Buch so liest als würde es ein Erzähler erzählen. Am deutlichsten merkt man dies an den Kapiteln, die mit „du“ überschrieben sind oder durch Sätze wie „ Wir befinden uns in einem kleinen Park in der Mitte Berlins.“ Drvenkar hat die Sprache des Romans auch ziemlich einfach gehalten. An manchen Stellen wirkt die Sprache fast ein bisschen plump, aber durch die rasante Geschichte, die einen fesselt fällt es gar nicht so auf. In den Kapiteln, die mit den Namen der Protagonisten überschrieben sind, wechselt Drvenkar immer den Fokus und blickt so genau auf seine Hauptpersonen. Zwar schafft er es nicht alle gleich gut zu beleuchten, aber man bekommt einen guten inneren Eindruck und hat keine Probleme ihre Beweggründe nachzuvollziehen.

Fazit

Alles in allem ist Zoran Drvenkar ein solider Thriller gelungen, der einen nach kurzer Zeit voll und ganz in seinem Bann zieht. Ein Bonuspunkt ist, dass der Thriller in Berlin spielt und so manche Leser zu den beschriebenen Orten eine Verbindung haben werden.
Für Thriller-Fans, die sich mal auf etwas Ungewöhnliches und Neues einlassen wollen, ist dieser Roman ein Must-Have.

4 von 5 Punkte

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen