Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Sonea: Die Hüterin (Trudi Canavan)

Penhaligon
Hardcover, 576 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3041-9

19,95 €

Ein kurzer Einblick

Zwanzig Jahre sind seit den Ereignissen in der Trilogie „Die Gilde der Schwarzen Magier” vergangen. Auf Wunsch der Gilde hat Sonea nur einem einzigen Magier das Geheimnis der Schwarzen Magie offenbart. Doch sie ist nicht glücklich mit der Wahl, die die Gilde dafür getroffen hat. Kallen ist zwar ein ehrenhafter, aber auch ein harter und zu schnell urteilender Mann. Vielmehr sorgt Sonea sich allerdings um ihren Sohn. Lorkin hat gerade die Abschlussprüfung hinter sich gebracht und brennt jetzt darauf, sich zu beweisen. Daher begleitet er den Botschafter der Gilde nach Sachaka, wo den Magiern Kyralias immer noch unzählige Gefahren drohen. Und tatsächlich verschwindet Lorkin eines Tages ohne ein Wort der Erklärung. Sonea ist beunruhigt, doch sie kann sich nicht einmal an der Suche nach Lorkin beteiligen. Denn in Kyralias Unterwelt tobt ein Krieg, in den auch Magier verwickelt zu sein scheinen – und der alles, was in den Jahren des Friedens aufgebaut wurde, gefährdet ...

Bewertung

Die Geschichte um „Die Gilde der schwarzen Magier“ ist erzählt, doch Soneas Abenteuer geht weiter. Neue Mächte erheben sich in der Unterwelt Kyralias. Neue Feindschaften tauchen in Sachaka auf. Eine geheime Gesellschaft innerhalb Sachakas entführt Lorkin, denn alter Hass wird gut gepflegt – wenn auch nicht unbedingt aus Gründen, die der Leser erwarten würde. Es ist ein Hass, der einer gänzlich anderen Quelle entstammt, als der Hass der Schwarzmagier Sonea gegenüber. Es ist ein Hass, der aus einem unerfüllten Versprechen geboren worden ist. Es ist ein Hass, der Lorkins Leben bedroht, aber auch ein Hass, der Hoffnung für die Zukunft gedeihen lässt: Hoffnung für jene, die ihren Hass pflegen, denn nur Lorkin kann den Hass besänftigen, aber auch eine Hoffnung, die Sachaka und Kyralia zusammenwachsen lassen könnte; zumindest stünde ein erster Versuch in den Startlöchern.
Doch Lorkin wäre nicht Lorkin, wenn dies der einzige Grund wäre, warum er seinen Entführern nicht versucht zu entkommen. Sonea kennt das leidige Thema, Lorkin genießt es in vollen Zügen: Frauen. Canavan lässt eine feine Liebesgeschichte abseits aller Klischees mit in die Handlung einfließen, ohne dass diese erdrückt würde. Das wirkt angenehm und verleiht der Geschichte eine süße Note, die zwar nicht notwendig gewesen wäre, die Handlung aber auch nicht aufbläht, sondern vielmehr ausbaut und natürlicher wirken lässt. Ein Mann unter Frauen – Wenn sich da keine Gefühle regen würden, stünde die Welt Kopf. So ist Lorkins Verliebtheit zur abweisenden Tyvara nicht nur mit einem amüsanten Lächeln zu lesen, sondern verleiht Lorkins Abenteuer das gewisse Etwas. Die Liebe ist nicht nur sein Ansporn in ein gefahrvolles Abenteuer zu starten, sondern sogar ein ausschlaggebender Faktor, die Reise überhaupt erst anzutreten, zu flüchten, zu flüchten in eine ungewisse Zukunft.
Unterdessen kämpft Sonea in den Häusern der Heilung gegen die Fäule, die sowohl ehrbare Bürger und Magier, als auch zwielichtige Gestalten in süchtige Sklaven verwandelt. Doch das ist nicht das einzige Problem, dem Sonea sich annehmen muss … Und dann ist da noch die Angst der Magier ihr gegenüber, ihr und der schwarzen Magie, weshalb sie unentwegt unter Beobachtung steht. Soneas Leben ist wahrlich nicht leicht, doch trotz aller Erschwernisse kämpft sie verbissen um ihre Ziele. Soneas Part ist fast spannender zu lesen, als Lorkins, was vielleicht daran liegen mag, dass Lorkins Abenteuer noch in den Kinderschuhen steckt, hat dieses doch gerade erst begonnen, während Soneas in rasanter Geschwindigkeit vorangetrieben wird und den Leser regelrecht ansteckt gleich der Fäule die Bürger Kyralias.
„Sonea: Die Hüterin“ ist ein einfaches Abenteuer, aber auch ein reizvolles Abenteuer, dass Überraschungen birgt und die Handlung ungewiss genug gestaltet, um den Leser an Sonea und Lorkin zu fesseln. Aber auch die beiden großen Handlungsstränge (Sonea und ihr Kampf gegen wilde Magier in der Unterwelt Kyralias. Lorkin und seine Suche nach neuartiger Magie bzw. seine Entdeckung einer Untergrundgesellschaft in Sachaka) halten die Spannung, lassen keine Langeweile aufkommen und straffen das Tempo.
Etwas seltsam beäugt müssen allerdings die kichernden Männer werden. Entsprechendes Bild wirkt einfach lächerlich und etwas derangiert.

Fazit

Ein Machtspiel der Politik und Magie, ein Machtspiel weißer und schwarzer Magie, das ist „Sonea: Die Hüterin“. Geschickt gelingt es Trudi Canavan die Einseitigkeit beider Extreme durch dezent gesetzte Grautöne aufzulockern. Erste Abenteuer sind beendet, doch die Geschichte Lorkins hat gerade erst seinen Anfang genommen. Leider wird die Wartezeit auf den zweiten Band lang werden, ist dieser doch erst für 2011 angekündigt.

3,5 von 5 Punkten

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