Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Sonea 2. Die Heilerin (Trudi Canavan)

Penhaligon
Hardcover, 576 Seiten
ISBN 978-3-7645-3042-6
19,99 €


Ein kurzer Einblick

Lorkin, der Sohn der schwarzen Magierin Sonea, wurde in Sachaka entführt. Seine Häscher hoffen, von ihm die Kunst der Heilung durch Magie zu erlernen, die in Sachaka unbekannt ist. Lorkin weiß jedoch, dass diese Fähigkeit im Falle eines Krieges einen enormen Vorteil birgt. Er ist fest entschlossen, das Geheimnis zu wahren. Aber dann lernt er Tyvara kennen – und verliebt sich in sie ...

Währenddessen verfolgt seine Mutter Sonea in ihrer Heimat Kyralia einen abtrünnigen Magier, der seine Dienste an die Diebesgilde verkauft hat. Doch ein Mord, begangen mit schwarzer Magie, lenkt sie von ihrer Aufgabe ab. Denn es gibt nur zwei Magier, die dazu fähig sind: der Schwarze Magier Kallen, der ein wasserdichtes Alibi hat – und Sonea selbst! Sonea muss alles daran setzen, das Vertrauen der Magiergilde zurückzuerlangen. Denn ohne sie ist Kyralia einem Angriff der Schwarzen Magier von Sachaka hilflos ausgeliefert …

Bewertung

Fast könnte man meinen „Die Heilerin“ sei ein Doppelroman, wären da nicht die aufeinander bezugnehmenden Handlungsstränge. Schwarzmagierin Sonea macht noch immer Jagd auf den abtrünnigen Magier Skellin. Lorkin ist weiterhin fest entschlossen, sich neue Magie anzueignen; und natürlich will er Tyvaras Herz erobern, währenddessen sich Botschafter Dannyl weiter in die Landesgeschichte Sachakas vertieft.
Auf unnachahmlich beeindruckende Weise gelingt es Trudi Canavan fast 600 Seiten zu füllen, ohne eine episch angelegte Handlung zu erzählen. Vielmehr besinnt sie sich auf Details und Figurentiefe durch Handlungsausbau. Die Handlung kommt dadurch bedingt etwas langsam voran, zugleich aber wird dem Leser vermittelt in eine realistische Welt abzutauchen. Eine rasante Handlung hat Trudi Canavan auch gar nicht nötig, um ihre Leser zu bannen. Die vielen – gut inszenierten und in die Handlung eingefügten – Nebensächlichkeiten gestalten das Handlungsleben interessant, sodass man den Charakteren allzu gerne folgt. Dabei sind es nicht nur Nebensächlichkeiten zur Charaktergestaltung, sondern auch Nebensächlichkeiten, die die Haupthandlung vorantreiben, sodass Canavan zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Doch wo die Nebensächlichkeiten zum Vorteil gereichen, gereichen sie auch zum Nachteil: Der Handlungsstrang um den wilden Magier Skellin steht still und wird durch den Mord an einem Magier durch schwarze Magie ersetzt. Es ist gut möglich, dass dieser (aufgeklärte) Fall, sich noch auf den dritten Band auswirken wird; in einem Punkt sogar ganz gewiss. Das Handlungsereignis um den ermordeten Magier steht jedoch etwas neben der eigentlichen Geschichte und wirkt daher eher wie ein unnützes Puzzleteil, das nicht wirklich Teil der Geschichte ist. Durch eine bessere Einbettung des Mordes und dessen Aufklärung, hätte der Handlungsstrang um Skellin gar nicht gehemmt werden müssen.
Haben sich die Beziehungen in „Die Hüterin“ noch dezent gehalten, kommen alte Liebeleien wieder zum Vorschein, Eifersüchteleien sind an der Tagesordnung und das Schwelgen in der Eroberung des jeweils anderen Herzens wird nicht nur einmal zu oft nervig betont. Ich habe mich ganz ehrlich gefragt, ob dies nun ein Fantasyroman oder eine niveauvolle Schmonzette im Fantasy-Genre ist. Fakt ist jedoch, das die eigentliche Geschichte arg oft unwichtig wird. Und das ist sehr traurig, bietet die Geschichte doch gerade in ihrer Handlung das größte Potential.
Doch ich will nicht nur von negativen Aspekten reden. Die politischen Entwicklungen haben sich schon im ersten Band begonnen zu entfalten. Nun werden diese vertieft. Lorkin soll ein Bündnis zwischen den Verräterinnen und den verbündeten Ländern schmieden. Dannyl reist ins Land der Duna auf Forschungsreise. Neue Geheimnisse werden gefunden, alte Erkenntnisse vertieft und erweitert und neue politische Erkenntnisse geteilt oder bewahrt, um einen Massenmord zu verhindern. Und auch der Handlungsstrang um Lilia könnte sich noch sehr interessant entwickeln.
Lilia? Nun, wer wissen möchte, wer Lilia ist, sollte „Die Heilerin“ lesen. Wer jedoch bei Cliffhangern mit zittrigen Fingern auf die Fortsetzung warten muss, wartet vielleicht besser, bis der letzte Teil dieser Trilogie erschienen ist, denn Trudi Canavan lässt den Leser wahrlich fies zappeln. In „The Traitor Queen“ (englischer Arbeitstitel) bahnt sich Großes an, wenn man die jetzigen Entwicklungen gedanklich weiterführt.

Fazit

Im ersten Band haben sich Lorkin und Sonea trennen müssen. Im dritten Band werden ihre Wege wieder zusammenführen. Das hat sich merklich auf „Die Heilerin“ ausgewirkt, liest sich dieser Band doch wie eine Zwischenepisode; was aber nicht weniger spannend sein muss, denn die vielen, sowohl politischen als auch zwischenmenschlichen, Entwicklungen gestalten eine sehr interessante Geschichte.

3 von 5 Punkten

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