Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Sommes des Lebens (J.M. Coetzee)

S. Fischer Verlag
Hardcover, 296 Seiten
ISBN: 978-3-10-010835-7
19,95 €


Ein kurzer Einblick

Wie wurde der Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee zu solch einem Schriftsteller? In diesem Buch erhält man Einblicke in die Beantwortung dieser Frage. Doch anstatt Coetzee selbst erzählt sein junger Biograph die Geschichte eines Sommers, in dem Coetzee nicht nur aus den USA zu seinem Vater nach Südafrika zurückkehrte, sondern dort auch versuchte seinem persönlichen und beruflichen Leben wieder einen Sinn zu geben.

Bewertung

„Sommer des Lebens“ ist der Abschluss einer fiktionalen autobiographischen Trilogie, die einen Teil des Lebens J.M. Coetzees erzählt. Doch dieser Band ist auch ohne die Kenntnis der beiden vorherigen zu verstehen, weckt allerdings starkes Interesse mehr über Coetzees Leben zu erfahren.
Die Idee dieser Geschichte ist gleichermaßen brillant wie makaber. J.M. Coetzee selbst erzählt, wie ein junger Biograph den Sommer von Coetzees Rückkehr nach Südafrika in einem biographischen Werk festhalten möchte und dafür Personen interviewt, die Coetzee kannten. Denn Coetzee selbst ist in dieser fiktionalen Erzählung bereits tot. Da der Biograph J.M. Coetzee allerdings nie selbst kennengelernt hat, bleiben im nur Notizbuchaufzeichnungen Coetzees und Interviews mit Menschen, mit denen Coetzee in diesem Sommer Kontakt hatte. Neben einer Affäre Coetzees spricht er mit dessen Cousine, der Mutter einer Schülerin Coetzees, einem Kollegen Coetzees von der Universität sowie einer Kollegin Coetzees, mit der er ebenfalls eine Affäre hatte.
Dadurch, dass man nur durch diese Personen etwas über J.M. Coetzee erfährt, ist es schwer sich ein umfassendes Bild von ihm und seinem Charakter zu machen. Zwar lernt man ihn mit jedem Interview immer besser kennen, doch weiß man nie wirklich, was in ihm vorgeht. Statt nur über Coetzee erfährt man zudem einiges über die Personen, die interviewt werden. Es gelingt Coetzee in seiner Funktion als Autor dieses Romans die verschiedenen Charaktere der Interviewten erstaunlich deutlich zu machen.
Durch den Wechsel von Notizbuchaufzeichnungen und Interviews mit verschiedenen Personen wird die Geschichte Coetzees nie langweilig. Auch sorgen verschiedene Darstellungen der Interviews dafür, dass der Leser nicht ein ständiges Frage-Antwort-Spiel mit verfolgen muss, sondern auch einige bereits zu einer Geschichte zusammengefasste Interviews lesen kann, zu der die vormals Interviewten nur noch Anregungen geben.
Leider wird der Leser durch diese Form von Roman am Ende auch etwas unbefriedigt zurückgelassen. Viele Geschehnisse und Verhaltensweisen von J.M. Coetzee können nicht erklärt werden, weil die entsprechenden Personen über keine Informationen darüber verfügen und zudem erfährt man nie, wie viel des Romans nun Fiktion und wie viel Wirklichkeit ist. Auch kann man aus den Interviews keine zeitliche Reihenfolge der beschriebenen Begegnungen mit J.M. Coetzee herauslesen, so dass man nie erfährt, ob die Begegnungen in der Reihenfolge der Interviews abgelaufen sind, zum Teil parallel oder auch in einer ganz anderen Reihenfolge.

4 von 5 Punkten

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