Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rezension: Schachnovelle (Stefan Zweig)

Fischer Verlag
Taschenbuch, 112 Seiten
ISBN: 978-3-596-21522-5
5,95 €


Ein kurzer Einblick

Auf einem Passagierdampfer, der von New York nach Buenos Aires unterwegs ist, fordert ein Millionär gegen Honorar den mit einer Art mechanischer Präzision spielenden Schachweltmeister Czentovic zu einer Partie heraus. Der mitreisende Dr. B. greift beratend ein und erreicht so ein Remis für den Herausforderer. Monatelang hat er sich als Gefangener der Gestapo mit dem blinden Spiel von 150 Partien beschäftigt, um sich so seine intellektuelle Widerstandskraft zu erhalten. Durch diese einseitige geistige Anstrengung ergriff ihn ein Nervenfieber, dessentwegen man ihn entließ.

Jetzt spielt Dr. B. zum ersten Mal wieder gegen einen tatsächlichen, freilich roboterhaft reagierenden Gegner. Er schlägt den Weltmeister in der ersten Partie souverän, doch hätte er sich nicht auf eine Revanche einlassen sollen...

Bewertung

Das erste Mal habe ich dieses letzte Werk von Zweig als Pflichtlektüre in der Schule gelesen und schon damals hat es mich fasziniert. Zum einen spiele ich selber gerne Schach und zum anderen strahlt dieses Werk eine schlichte Eleganz aus, die unvergleichlich ist. Zweig erzählt ohne großen Prunk und lange Schachtelsätze sucht man vergebens. Genau auf den Punk gebracht, ohne umständlich um etwas herumzureden, liest es sich unwahrscheinlich angenehm.

Auch geht er sehr einfühlsam mit seinen Figuren um. Es ist ein regelrechtes Herantasten an die Protagonisten; sanft, aber unaufhaltsam erfährt der Leser alles Wichtige, was man für den Verlauf der Handlung und zum Verständnis der Figuren wissen muss. Man kommt ihnen so nahe, dass man - ohne es zu merken - beginnt, mit ihnen zu leiden, mitzufühlen und mit zu hoffen. Gerade bei Dr. B. hat es Zweig geschafft, dessen Wesen so herauszuarbeiten, dass der Leser weiß, was er in seinem Innersten denkt und fühlt. Und gekonnt verknüpft er seinen eigenen Lebensweg mit diesem Werk. Denn wie Dr. B. war auch Zweig von der Machtergreifung der Nazis betroffen, emigrierte 1934 nach England und schlussendlich 1940 nach Brasilien, wo er 1942 freiwillig aus dem Leben schied.

Zweig baut über die etwas mehr als 100 Seiten den Spannungsbogen so kontinuierlich aus, dass ich bereits beim ersten Mal Lesen das Gefühl hatte, neben den Protagonisten zu stehen und Zeuge des Spiels zwischen Czentovic und Dr. B. zu werden. Dies hat sich auch nach mittlerweile mehrmaligem Lesen nicht geändert und bereitet mir jedes Mal wieder eine leichte Gänsehaut!

Fazit
 
Ganz zu Recht ist dies wohl Stefan Zweigs bekanntestes Werk. Es ist ihm wahrlich eindringlich gelungen, zugleich seine Protagonisten psychologisch detailliert darzustellen, als auch sein persönliches pazifistisches Anliegen so spannend darzustellen.

Somit kann ich diese Novelle jedem empfehlen, egal ob er sich für das „Spiel der Könige“ interessiert oder nicht.

5 von 5 Punkten

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