Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rezension: Sarg niemals nie (Dan Wells)

Piper
Paperback, 320 Seiten
ISBN: 9783492268837
12,99 €


Ein kurzer Einblick

Der verrückteste Horror, den man für Geld kaufen kann: England, im Jahr 1817. Frederick Whithers sitzt wegen seiner Gaunereien im Gefängnis. Als die Gelegenheit günstig ist, fädelt er seine Flucht ein und lässt sich nach draußen schaffen – im Sarg. Auf dem nahe gelegenen Friedhof steigt er wieder aus dem Grab. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass er ab sofort eine Schar Vampire am, nun ja, Hals hat, die ihn für ihren auferstandenen Anführer halten – und zu allem Überfluss ist der wahre Gebieter der Vampire auch schon unterwegs, um seine Ansprüche geltend zu machen …

Bewertung

Wie sagt man so schön, es kommt immer anders, als man denkt... Dies trifft auf den neuen Roman von Dan Wells überaus treffend zu. Laut Inhaltsbeschreibung kommen darin Vampire vor, was mir automatisch Bilder von Dracula, Edward oder Blade in den Kopf projiziert hat. Doch anstatt toughe, teuflische oder im Sonnenlicht glitzernde Gestalten vorzufinden, führt Wells eine völlig neue Unterspezies der Blutsauger ein – schwach, ängstlich und als Nahrungsquelle dienen Kaninchen, weil diese einfacher zu fangen sind. Das nenne ich mal eine erfrischende Abwechslung.

In Ergänzung dazu muss ich sagen, dass ich natürlich entweder einen schaurig-schönen Thriller oder dem Mainstream entsprechend eine herzergreifende Liebesgeschichte erwartet hatte. Beides hätte ich von Wells gerne gelesen. Stattdessen bekommt man eine Story mit hervorragender Situationskomik geboten. Wells erzählt eine Geschichte, die 5 Tage aus dem Leben von Frederick Whithers im Jahre 1817 herausgreift. Diese 5 Tage verändern einiges und er muss sich nicht nur mit den besagten Vampiren abquälen, sondern versucht sich das Erbe eines kürzlich Verstorbenen mittels Urkundenfälschung zu erschleichen. Das Problem bei der Sache: Der Leichnam fehlt! Um das Geld aber zu bekommen, müssen Frederick und sein poetisch angehauchter Freund John nicht nur einen Leichnam besorgen, sondern sich auch noch um die Exverlobte von Frederick kümmern, die ihn am liebsten auch tot sehen würde. Doch woher eine „frische“ Leiche nehmen, wenn nicht stehlen? Zum Glück geht zur selben Zeit ein körperstehlender „Ghul“ auf den Friedhöfen um, der den Männern hilfreich zur Seite steht. Wer dieser „Ghul“ ist, soll hier nicht verraten werden, doch dürfte diese Person horrorliebenden Lesern gut bekannt sein. Wells hat sogar noch eine literarische Größe in sein Werk eingebaut, deren Wichtigkeit sich wie ein roter Faden bis zum Schluss durchzieht.

All diese zusammengewürfelten unterschiedlichen Gestalten mit ihren zwar ewig langen aber wirklich niemals langweilig werdenden lustigen Gesprächen versprühen regelrecht einen bezaubernden Charme, ganz besonders Frederick, den beinahe alle für tot – oder besser gesagt, untot – halten. Wie hätte man auch das Gegenteil beweisen sollen, wenn man sogar von einem Vampirjäger im offenen Sarg mit Heimaterde erwischt wird?

Fazit

Der neue Wells ist bereits wieder an seiner äußeren Form erkennbar und wer ihn sieht, sollte beherzt zugreifen. Zu warnen ist aber vor den eventuell auftretenden Nebenwirkungen - ständig gute Laune und das Bedürfnis nach anhaltenden Lachanfällen.

5 von 5 Punkten


Wir danken dem Piper Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen