Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Sandman Slim 1. Höllendämmerung (Richard Kadrey)

Rowohlt Polaris
Softcover, 432 Seiten
ISBN 978-3-86252-013-8
14,95 €


Ein kurzer Einblick

Früher war Stark der beste Magier von Los Angeles. Bis ein neidischer Konkurrent seine Freundin ermordet und ihn – im Wortsinn – zur Hölle schickt. Als Stark nach zehn Jahren die Flucht gelingt, kennt er nur ein Ziel: Rache. Und wer in der Unterwelt überlebt, ist eigentlich gegen jeden Gegner gewappnet. Doch neben Menschen, Engeln und Teufeln treibt noch eine weitere übermenschliche Spezies in L.A. ihr Unwesen, vor deren Macht und Bosheit alle Höllenfeuer verblassen ...

Bewertung

Die Hölle ist kein Ponyhof, das könnt ihr mir glauben. (Seite 8)
James „Sandman Slim“ Stark hat ein Ziel: Seinen Magierzierkelkollegen, die ihn in die feurige Einöde der Hölle verbannten, den Arsch in die ewige Verdammnis treten – denn er ist auf blutige Rache aus!
Als der erste Mensch, der je das Antlitz der Hölle erblickte, wird Stark mit Begeisterung aufgenommen. Die Hellions heißen ihn mit Folter und Erniedrigung der fiesesten Vorstellungen in ihren dämonischen Armen willkommen, bevor sie die Lust an ihm verlieren und Stark in die Arena schicken. Auf der Erde war Stark der stärkste Magier, aber in der Hölle nützt ihm seine irdische Magie rein gar nichts. Mit Höllenwaffen muss Stark sich den übelsten Kreaturen stellen. Er wird zerfleischt, zerfetzt, in Stücke gerissen und seine Knochen zu Staub zermahlen. Doch trotz all der Qualen, stirbt er nicht. Das weckt Luzifers Augenmerk und er stellt Stark in die Dienste seines zweiten Generals, unter dessen Führung Stark zum gefürchteten Assassinen wird.
Als Egoist, mit unzähligen Narben gezeichnet und dem Willen niemandem zu vergeben oder zu schonen, die am Tod seiner Frau und seiner Verbannung schuldig sind, gelingt ihm zehn Jahre später die Flucht. Am ersten Weihnachtstag kehrt er auf die Erde zurück und hinterlässt in der Hölle als Abschiedsgruß eine blutige Spur der Vernichtung.
James „Sandman Slim“ Stark: der engstirnige und egoistische Antiheld – das ist Stark, das ist Sandman Slim!

„Tja, du hast eben die Angewohnheit, anderen Leuten auf die Türmatte zu pissen. (...)“ (Seite 343)
Sandman Slim ist rücksichtslos, gewaltbereit und egoistisch. Seinen Gegnern haut er die Faust in die Fresse und schneidet ihnen die Eier ab – ohne mit der Wimper zu zucken. Eiskalt und unbarmherzig verfolgt er sein Racheziel; den Tod seiner Frau zu rächen und jene für seine Verbannung zu bestrafen, die sich einst seine Freunde schimpften. Feinde sind lästige Fliegen. Und Fliegen erschlägt man. Streiter des Guten, die eigentlich an seiner Seite stehen, werden aufs Abstellgleis gesetzt, sofern diese nicht bereit sind ihm zu helfen. Draufgängerisch, alle Gefahren missachtend kämpft Stark sich durch ein verkommenes Los Angeles und würde selbst die Apocalypse nicht verhindern, wenn seine Hilfe Armageddon zu verhindern nicht Hand in Hand mit seinen eigenen Plänen ginge.
Skrupel hat Sandman Slim nicht. Das einzige, was er will, ist Rache!

„(...) Die Hölle hasst dich, weil du mehr bist als ein Mensch, und der Himmel hasst dich, weil du weniger bist als ein Engel.“ (Seite 405)
Sandman Slim ist weder Mensch noch Engel. Er ist ein Gräuel und in allen Welten verhasst. Eine Heimat hat er nicht, ein Heimatzugehörigkeitsgefühl auch nicht. Sandman Slim ist Sandman Slim – das Monster, das Monster tötet. Das Monster, das durch die Welten streift und mit aller Gewalt und sturem Willen seine Interessen verfolgt.

(...) dass Gott es damals vermasselt hat und dass der Teufel völlig belanglos ist. (Seite 274)
Auch Gott ist nicht tadellos. Auch Gott macht Fehler. Er ignoriert Fehler. Und aus einem Fehler sind die Kissi entstanden. Kreaturen, die ärger denn die Hölle sind. Luzifer und sein Höllenfeuer verblassen belanglos neben der Macht der Kissi, die schon seid Jahrhunderten unter den Menschen leben und Intrigen schmieden, Kriege heraufbeschwören, die Statistiken der Gewalt in die Höhe treiben und den Menschen das Leben zur Hölle machen.
Ausgerechnet mit diesen mächtigen Wesen hat sich Mason, der Initiatior von Starks Verbannung und größtes Hassobjekt Starks, verbündet, um die Weltherrschaft an sich zu reißen, Gott, dem senilen Knacker, den Platz streitig zu machen.

Amerikanische Autos sind wie Kondome. Man benutzt sie einmal und entsorgt sie dann. ( Seite 236)
Coolness, Kreativität und Witz - daraus besteht Richard Kadreys Stil und macht „Sandman Slim“ damit einzigartig. Amerika ist verkommen, eine Welt der Drogen, ein korruptes Land … Kadrey nimmt kein Blatt vor den Mund; ein gepflegtes Vokabular ist ihm scheinbar nicht bekannt. Sein Stil ist so räudig wie der Charakter des Sandman Slim. Respekt gegenüber anderen wurde auf ein Minimum herabgesetzt, stattdessen regiert das Gesetz des Stärkeren und Skrupelloseren.

„(...) Du bist Sandman Slim, das Monster, das Monster tötet. (...) Seite (407)
Im Englischen sind bereits zwei weitere Romane der „Sandman Slim“-Reihe erschienen: „Aloha from Hell“ und „Kill the Dead“. Drücken wir darum „Höllendämmerung“ Daumen und Zehennägel, dass der erste „Sandman Slim“-Roman in Deutschland erfolgreich ist, sodass das Monster weiterhin Monster töten kann!

Fazit

„Sandman Slim. Höllendämmerung“ ist ein knallharter Urban Fantasy-Roman, der in dreckiger Aufmachung, coolen Sprüchen, jeder Menge Action und frischer Kreativität das bietet, was dem Zwerge-Elfen-Orks-Einheitsbrei und den Schmonzetten-Kuschelvampiren abhanden gekommen ist: Abwechslung im Einerlei des Literaturgewerbes.

5 von 5 Punkten

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