Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Samhane (Daniel I. Russell)

Voodoo Press
Taschenbuch, 360 Seiten
ISBN: 978-3-9502701-6-7
14,90 €

Ein kurzer Einblick

Seit Wochen habe ich mir den Kopf zermartert, ob ich diesen Artikel wirklich veröffentlichen sollte. Aber die Einwohner dieser Stadt müssen gewarnt werden ... Samhane.

Eigentlich ein nettes, verschlafenes Örtchen im Norden Englands. Ein hübscher Ort zum Leben. Nur sehr wenige kennen die Wahrheit. Donald Patterson ist einem sadistischen Mörder und Vergewaltiger auf den Fersen. Erreicht er das in Samhane angesiedelte Orchard House nicht gegen Mitternacht, wird seine Verlobte der Star einer perversen, sadistischen Online-Übertragung werden.
Brian Rathbone und sein Sohn sind bereits einen Schritt weiter. Schon seit Tagen leben und arbeiten sie in Samhane; engagiert vom hiesigen Bürgermeister. Sie sind Kammerjäger der ganz besonderen Art. Mit ihren Fähigkeiten nehmen sie sich jene kleinen Probleme vor, die unter den Einwohnern der Stadt ein Blutbad angerichtet haben. Bis die Ereignisse eine noch unheimlichere Wende nehmen und Brian den wahren Grund ihres Aufenthalts infrage stellt. 
Blut und Vernichtung. Schmerz und Leid. Verlangen und die Lockungen des Chaos.

Willkommen in Samhane ...

Bewertung

Reiner Horror reicht nicht mehr aus. Mystische Dämonengottheiten und Monstergrusel dürfen neben deftigen Splatterszenen nicht fehlen; zumindest, was „Samhane“ von Daniel I. Russell anbelangt. Der Stempel Schlecht oder Der Autor hat es nötig, wird geflissentlich beiseite gelegt, und mit dem SchriftzugEine Mischung, die gerne gesehen wird und aus der hoffentlich etwas Gutes gemixt wird ausgegeben. Und genau das hat Russell im Groben geschafft. Doch in der Feinheit liegen leider die Fehler. Nicht immer agieren die Figuren logisch, sodass es nach einem Konstrukt für spätere Zusammenhänge schreit. Auch der Storyverlauf krankt an einem durchgehenden Spannungsbogen und weiteren unzähligen Fehlern, die sich in der Masse arg summieren. Ist dies im Lesefluss noch überwiegend zu verschmerzen – aber auch nur überwiegend! –, ist der Showdown mit dem roten Stempel Kaugummi in dicken Lettern zu betiteln. Handlungsschleifen blähen das Finale künstlich auf. James, ein neuer Protagonist, wird auf den letzten Seiten eingeführt, um die Ausmaße der Katastrophe in der Stadt Samhane zu verdeutlichen. Es wirkt leidlich gekünstelt. Gentechnik und -manipulation fügen sich eigentlich ganz gut in die Geschichte ein, werden zum Ende hin jedoch derart phantastisch, dass man nur noch mit dem Kopf zu schütteln vermag. Ein Hybrid aus Mensch und Maschine, ok, aber eine komplette Operation innerhalb weniger Minuten ist lächerlich. Dass der Operierte natürlich gesund und fidel in den finalen Kampf eingreifen kann, grenzt noch nicht einmal mehr an Übertreibung, sondern schreitet galant darüber hinaus. So macht lesen keinen Spaß mehr! Unterdessen stören nicht-englische Begriffe wie „gell“ den Lesefluss. Zu viele Rechtschreibfehler sind der krönende Abschluss.
Doch nicht alles muss mit Schlecht – und hier ist der Stempel mehr als angebracht – betitelt werden. Keineswegs. So altbacken die Handlungsstränge um Brian Rathbone (Der Monsterjäger) und Donald (Auf Rettungsmission zu seiner entführten Frau) sind, haben sie doch einen trashigen Touch, der zu gefallen weiß. Für gute Unterhaltung ist gesorgt, da kann nicht gemeckert werden. So unterschiedlich die Wege der Protagonisten sind und deren Motivation nach Samhane zu kommen, das Ziel ist doch – oh, Überraschung! – das gleiche. Alle Wege führen (nun, in diesem Fall nicht nach Rom) zu Belvedere, der rechten Hand der Dämonengottheit Zandathru und seiner sadistischen Sekte. Belvedere ist ein scheinbar übermächtiger und sehr einflussreicher Gegner, gegen den selbst die Polizei machtlos ist. Seine Sekte sammelt Anhänger weltweit, um Schmerz und Chaos zu verbreiten. Ihre, nennen wir es Rituale (Sadistische und grausame Rituale, die dem Schmerz und dem Chaos dienen), werden über das Internet ausgestrahlt.
Keine der Figuren vermag wirklich hervor zu stechen. Weder die Protagonisten, noch die Antagonisten. Dazu bleiben sie alle zu trashig, zu gewöhnlich, zu farblos. Allein der fiese, Kinder hassende Clown (eigentlich eine Gestalt des Spaßes und zur Unterhaltung der Kinder erschaffen) hat einen gewissen selbstbewussten Reiz, der zumindest etwas faszinieren kann, bleibt doch lange ungewiss, was es wirklich mit dieser Gestalt auf sich hat. Letztendlich bleibt jedoch auch dieser sehr blass gezeichnet.

Fazit

„Samhane“ ist trashig, verweilt aber nicht auf der Ebene des Groschenromans, sondern will auf eine höhere Ebene gehoben werden, die nur mit Mühe und Not erreicht wird. Schade, dass der Roman in vielen Punkten versagt, denn Potential ist klar vorhanden. Für ein blutiges Lesevergnügen ist dennoch gesorgt; sofern einige Ungereimtheiten überlesen werden können.

3 von 5 Punkten

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