Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Roter Zwerg (Grant Naylor)

Blanvalet
Taschenbuch, 336 Seiten
ISBN: 978-3-442-26665-4
7,95 €

Ein kurzer Einblick

Hinterher ist man ja immer schlauer. Aber wie hätte Dave Lister auch ahnen können, dass er nach einer ausgedehnten Zechtour durch ganz London plötzlich auf der anderen Seite des Universums aufwachen würde? Und dass es ihn bald darauf auch noch 3 Millionen Jahre in die Zukunft verschlagen sollte? Als letzten Vertreter der Menschheit und mit nur noch zwei Zigaretten? Dave, der glaubt, er habe nun nichts mehr zu verlieren, heuert kurz entschlossen auf einem knallroten Riesenraumschiff an. Doch das war die blödeste Idee seines ganzen Lebens, denn damit fangen Daves Schwierigkeiten erst so richtig an … 

Bewertung 

Red Dwarf ist eine sehr erfolgreiche britische Science-Fiction-Serie, produziert vom TV-Sender BBC, die von 1987 bis 1999 im Fernsehen lief. Im April 2009 wurden drei neue Folgen unter dem Titel Red Dwarf: Back to Earth als Miniserie ausgestrahlt. Verantwortlich für diese Serie waren Rob Grant und Doug Naylor, die unter dem Pseudonym Grant Naylor auch die Romane zur Serie schrieben. 20 Jahre nach erscheinen des englischen Originals hat Blanvalet im November 2009 den ersten Roman „Roter Zwerg“ den deutschen Lesern zugänglich gemacht. Im Mai 2010 erschien der zweite Roman „Besser als das Leben“ und im November 2010 wird „Volle Kraft zurück“ erscheinen. 
Die Briten sind für ihren Humor bekannt. Dass Red Dwarf eine humoristische Serie ist, die mit urig witzigen Ideen aufwartet und bestens unterhalten kann, ist dann auch nicht weiter verwunderlich. Fraglich ist jedoch, ob eine adäquate Übersetzung überhaupt möglich ist, wird so manche Wortspielerei sicherlich im deutschen nicht getreu wiedergegeben werden können. Inwiefern die deutsche Ausgabe unter diesem Kriterium leidet, kann ich nicht beurteilen, was ich jedoch sagen kann, ist, dass Grant Naylor mit einigen verdammt schrägen Ideen aufwartet, die nicht zuletzt durch die überzeichneten und originellen Charaktere erst möglich sind: Der senile Bordcomputer Holy, ein Hologramm des egoistischen Rimmer, der überaus eitle Kater (übrigens ein Nachfahre der Katze, die Lister drei Millionen Jahre zuvor illegaler Weise an Bord geschmuggelt hat) und ein zwanghafter Reinigungsroboter namens Kryten sind Dave Listers Weggefährten durch die weiten Leeren des Alls. Und das nicht von ungefähr: Der Mensch ist die einzige Spezies, die ihren Heimatplaneten verlassen hat, um festzustellen, dass sie selbst die einzige intelligente Lebensform im Weltraum ist. 
Anfang und Ende des Romans sind wirklich großartig, versprühen Ideen und ziehen den Leser tief in den Bann, doch die 250 Seiten dazwischen besitzen zwar ihren Charme, sind mit amüsanten Situationen ausgestattet, dennoch wirkt es, als ob Grant Naylor die wirklich guten Ideen an Bord des Raumschiffes ausgegangen sind. Der Spaßfaktor bleibt nicht auf der Strecke, vollwertiger Lesespaß kann allerdings nicht garantiert werden. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Grant Naylor respektive das Autorenduo ein planetarisches Setting gewählt hätte, wo mehr Spielraum und damit Ideenvielfalt zur Verfügung gestanden hätten. 

Fazit

Was Terry Pratchett in der Fantasy ist, ist Douglas Adams in der Science-Fiction. Grant Naylor reiht sich in die Riege dieser Autoren ein, kann jedoch mit den genannten Namen nicht mithalten. Vergnügliche Unterhaltung ist „Roter Zwerg“ ohne Bedenken; ein großartiger Roman ist es allerdings nicht. Ob es an einer nicht getreuen Übersetzung liegt, ist schwer zu sagen. Zum Reinschnuppern kann ich allerdings nur auffordern!

3 von 5 Punkten

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