Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Rose Noire (Michael Preissl (Hrsg.))

Voodoo Press
Paperback, 340 Seiten
ISBN: 978-3-9502701-0-5
14,00 €

Ein kurzer Einblick

Rose Noire - die schwarze Rose. Die Geschichten in dieser Anthologie tragen wie auch diese seltene Blume, dunkle Schönheiten zur Schau; doch der Leser sei gewarnt, Rosen haben Stacheln und die der schwarzen sind besonders tödlich. (Lars Marie Maly)

Bewertung

Das Inhaltsverzeichnis lässt sich wie das who is who der deutschen Phantastik-Szene lesen. Für Leser dieser Szene ist „Rose Noire“ daher schon eine Art Pflichtkauf, die Limitierung ein weiterer Ansporn die Anthologie zu kaufen. Allein das Cover vom allgegenwärtigen Mark Freier, der ebenfalls mit einer Kurzgeschichte vertreten ist, ist einen Blick wert. Jeder Geschichte wurde zudem eine Bleistiftzeichnung von Thomas Hofmann spendiert. Diese treffen zwar nicht immer meinen persönliche Geschmack, sind aber eine nette Bereicherung und das Sammlerherz schlägt gleich höher, sind Innenillustrationen heutzutage leider viel zu selten geworden.
Doch ich will zu den Geschichten selbst kommen. „Rose Noire“ bietet einige Höhen und Tiefen und sehr viel Mittelmaß. Die große Ideenvielfalt und Abwechslung in den Stories macht jedoch vieles wieder wett, auch wenn ich nicht drumherum komme, sagen zu müssen, dass nicht jede Geschichte durch eine gute Idee gerettet werden kann. Doch die Tiefpunkte sind glücklicherweise in großer Minderzahl. Der Großteil der Geschichten kann doch zumindest überzeugen und garantiert einige vergnügliche Lesestunden.
Folgende Geschichten möchte ich beispielhaft heraus greifen: Tobias Bachmanns „Die Briefe von Zion“, eine mit schleichender Intensität erzählte Zombie-Geschichte, die dem ausgelutschten Genre neue Aspekte entlocken kann. David Grashoffs „Dämonenbrut“, beginnt die Dämonenaustreibung vollkommen klassisch, erhält sie im Verlaufe eine interessante Wendung. Torsten Scheibs „Urban Heart“, eine innovative Geschichte, die aus dem Geflecht sinnloser Gewaltausbrüche entsteht und sich letztendlich zu einem grausigen Organismus entwickelt. Und zuletzt: Kealan Patrick Burkes „Schneemenschen“, eine atmosphärisch gut verpackte Geschichte, die hauptsächlich durch die Angst und Panik Ryans lebt, der vor seinem Fenster unheimliche Gestalten erblickt.
Burke ist auch der einzige Nichtdeutsche, der schon mit „Der Schildkröten-Junge“ (Eloy Edictions), wofür er auch den Bram Stoker Award 2004 bekam, bewies, dass er mit dem subtilen Grauen bestens umzugehen versteht.
Das etwas schwache Lektorat, ist allerdings ein Wermutstropfen, der bei weiteren Veröffentlichungen hoffentlich beseitigt werden kann.

Fazit

„Rose Noire“ ist die erste Veröffentlichung des Verlages Voodoo Press. Über Schwächen im Lektorat kann ich noch hinwegsehen. Über eine Anthologie, die nicht überzeugend kann, weniger. Zum Glück trifft dies hier nicht zu, auch wenn noch viel Platz nach oben bleibt. Die nächsten Programmtitel müssen nun zeigen, was wirklich in dem Verlag steckt.

3,5 von 5 Punkten

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