Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Professor Unrat (Heinrich Mann)

Fischer Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 239 Seiten
ISBN: 978-3596259342
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Gymnasiallehrer Raat, den alle nur Professor Unrat nennen, entdeckt, dass sich drei seiner besonders aufsässigen Schüler abends in einer Kneipe bei der Tänzerin Rosa Fröhlich aufhalten. Als er ihnen dort auflauert, um ihr sittenwidriges Verhalten zu überführen und sie dadurch sozial vernichten zu können, wird er selbst in den Bann der Künstlerin gezogen…
 
Bewertung

Es ist vor allem ein Charakterporträt, das Heinrich Mann in „Professor Unrat“ zeichnet. Der Lehrer Raat ist eigentlich ein durch und durch unsympathischer Charakter. Bei seinen Schülern versucht er ständig ihre Wissenslücken zu finden und ihr sittenwidriges Verhalten aufzuspüren. Auch gegenüber allen Stadtbewohner verhält er sich von oben herab, weil er sie als ehemalige Schüler ansieht. Sein gesamtes Leben dreht sich eigentlich nur um die Schule und seine Schüler und so versucht er sogar in seiner Freizeit noch die Unmoral der Schüler auf zudenken. Dass das sittenwidrige Verhalten dieser ihm so verhassten Schüler aufgedeckt wird, wird für ihn oberstes Ziel und dafür ist er auch bereit neben seiner Freizeit einiges zu opfern, solange diese Schüler einen Schaden erfahren.
Als er dann versucht durch seine täglichen Besuche bei der Künstlerin Fröhlich die Schüler zu überführen, wird er, eigentlich kaum nachvollziehbar, in den Bann der Tänzerin gezogen, was aber dazu führt, dass er einen der Schüler noch mehr als Konkurrenten betrachtet, und sich noch mehr in seinen Kampf gegen die drei hineinsteigert. Dass sein sittenwidriges Aufhalten bei der Künstlerin Fröhlich dabei mehr und mehr publik wird und immer mehr von der Gesellschaft verachtet wird, fällt ihm auf seinem hohen Ross erst gar nicht auf.
So kann man mit verfolgen, wie ein zwar nicht von der Gesellschaft geliebtes, aber doch geachtetes Mitglied immer mehr von der Gesellschaft geächtet wird und schließlich nicht nur seinen Job verliert, sondern auch seine gesellschaftliche Stellung. Mehr und mehr rutscht der einstige angesehene Bürger in ein Leben ab, dass er früher wohl auf das schlimmste verurteilt hätte, und versucht genau das, was er früher verhindern wollte, nämlich Menschen zu Sittenwidrigkeiten zu verleiten. Irgendwie merkt man, dass er damit zwar nicht unzufrieden ist, doch kann er sich diesem Sog auch nicht mehr entziehen.
Das ist auch insgesamt ein Manko. Die Charaktere wirken eher blass. Man erfährt nicht sehr viel über ihr Inneres und dadurch ist ihr Verhalten nicht besonders gut nachvollziehbar. So weiß man nie wirklich, was Unrat später antreibt, warum er seine Einstellungen ändert und auch die Gründe für Rosa Fröhlichs Handeln werden für den Leser nicht deutlich gemacht.

3 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen