Samstag, 22. Dezember 2012

Rezension: Portal des Vergessens (Stephan R. Bellem)

Otherworld
Klappenbroschur, 285 Seiten
ISBN: 978-3-8000-9533-9
15,95 €

Ein kurzer Einblick

Das Schicksal Melaras entscheidet sich durch die Prophezeiung der Lichtkrieger Vryn und Vorlokk, die sich im entscheidenden Krieg, der nun schon Jahre andauert, gegenüberstehen. Doch ist dies Traum oder Wirklichkeit? Student Peter, seit dem Autounfall, bei dem seine Eltern starben, ist seine Erinnerung erloschen, wendet sich hilfesuchend an seine Therapeutin Dr. Wünschler. Realität und Vision scheinen sich zunehmend zu verwischen ...


Bewertung

In der Welt Melaras kämpft Sonnenkrieger Vryn gegen seinen Bruder Vorlokk, um sein Volk vor dem Untergang zu bewahren. Unterdessen wirkt Geschichtsstudent Peter in unsriger Welt bei einer Demonstration gegen Studiengebühren mit. In seinen Träumen verfolgt er Vryns Kampf mit und wacht jeden Morgen schweißgebadet auf. Das Ideenkonzept der Ausgangssituation in Hinsicht auf den Fortlauf der Erzählung, die in umfangreichen Teilen in ersichtlichen Bahnen verläuft, lässt Erinnerungen an ähnlich gelagerte Geschichten aufkommen. Vielleicht gerade wegen dieser Vertrautheit, ist man willens zu erfahren wie Stephan R. Bellem diese Idee umgesetzt hat. Leider gestaltet sich schon der Romananfang ziemlich holprig, was Sprache und Inszenierung anbelangt. Dennoch gelingt es dem Autor über die handwerklichen Mängel hinwegzutäuschen, da die Story sich flott und fesselnd entwickelt. Wie mag die Geschichte ausgehen? Wie werden sich die Handlungsstränge um Vryn und Peter entwickeln und verzahnen? Hier allerdings beginnen weitere Probleme ...
»Portal des Vergessens« möchte gerne als ein sich nach und nach enträtselnder Plot wahrgenommen werden, scheitert jedoch an der gekünstelt wirkenden Aufteilung der Handlungsstränge. Von Anfang an ist deutlich, an welcher Stelle beider Handlungen die Gemeinsamkeit liegt. Dennoch unternimmt der Autor alles, um genau diesen Eindruck zu zerstören. Umso seltsamer wirkt es, wenn die unvermeidliche Verknüpfung dann auf exakt jene Weise Gestalt anzunehmen beginnt. Ähnlich deplatziert wirken viele actiongeladene Szenen. Als Vryn und Vorlokk sich das erste Mal auf dem Schlachtfeld begegnen mutet die Szenerie überzeichnet an, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vielleicht wollte Stephan R. Bellem eben diesen Effekt erzeugen, leider realisiert er sich als zu sehr gekünstelt. Andere Szenen wiederum verfehlen ihren logischen Fortgang: So lernt Peter die attraktive Reporterin Nora kennen, geht mit ihr auf einen Drink aus und kurz darauf vögeln sie pausenlos, nur unterbrochen von ihren Jobs, als ob sie schon Wochen ein Paar wären.

Trotz aller Kritik wirken die Figuren glaubwürdig. In Melaras verwendet Stephan R. Bellem eine antiquierte Sprache, während Peters Vokabular zeitgemäß ist. Mit seinen Moralvorstellungen hingegen eckt er an, denn diese sind altmodisch, vollkommen überholt, weswegen ihn sein Freund Frank immer wieder aufzieht. Überhaupt ist Peters Gebaren in einer Zeit, in der jeder mit Technik selbstverständlich agiert, befremdlich. Technische Erfindungen sind ihm Graus, weshalb er jegliche diese nach Möglichkeit meidet. Statt die Straßenbahn zu nehmen, geht er zu Fuß. Statt zum Handy zu greifen, ist ihm das persönliche Gespräch lieber. Den Fernseher nutzt er vor allem, um schnell die morgendlichen Nachrichten zu konsumieren. Sein Verhalten hat natürlich einen Grund ...

Fazit

So ansprechend das Cover gestaltet ist, so enttäuschend ist die Geschichte. Die Charaktere mögen sich meist glaubwürdig verhalten, die Szenen jedoch gestalten sich viel zu oft als gekünstelt und deplatziert. Die im Hintergrund agierende Organisation - agiert im Hintergrund und wird dafür viel zu sehr betont. Mit »Die Wächter Edens« hat Stephan R. Bellem bewiesen, dass auch er gute Romane schreiben kann; dieser hier zählt leider nicht dazu.

2 von 5 Punkten

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