Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Painstation (Alisha Bionda / Michael Krug (Hrsg.))

Voodoo Press
Paperback, 200 Seiten
ISBN 978-3-9502701-9-8
14,90 €


Ein kurzer Einblick

Nationale und internationale Autoren verfassen Horror-Stories zu Grafiken von Mark Freier, der auch das komplette Buchcover gestaltete.

Bewertung

Im deutschsprachigen Literaturgewerbe ist die Autorin (»Im Reich der Katzen«, »Die Welt der Finsternis« Ueberreuter) und Herausgeberin Alisha Bionda schon seit Jahren umtriebig. So startete 2005 ihre Vampirserie »Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik« (Blitz Verlag) unter der Herausgabe von Wolfgang Hohlbein. 2009 folgten die Reihen »LITTERAE«, »ARS AMORIS« und »SEVEN FANCY« (Fabylon Verlag). Im Sieben Verlag startete 2010 die »SCREAM«-Reihe, die mit dem zweiten Band »Painstation« zumVoodoo Press Verlag wechselte. Bei p.machinery startete ab 2011 die »DARK WOR(L)DS«-Reihe und ab 2012 wird im Fabylon Verlag die »STEAMPUNK« und die »Meisterdetektive«-Reihe erscheinen. Langweilig dürfte Alisha Bionda bei der Fülle von Projekten, die sie betreut und selbst mit Romanen bereichert, nicht werden. Verwunderlicher ist es da eher, dass bei all den Neuerscheinungen unter ihrem Namen qualitativ wertige Arbeit dabei ist. »Painstation« zeigt wunderbar, dass zumindest diese Kurzgeschichtenkollektion sich nicht zu verstecken braucht.
Mit zu verdanken ist dies dem Verleger und Übersetzer Michael Krug, der 2005 den Otherworld Verlag gründete. Dieser brachte Autoren wie Ronald Malfi oder Brian Keene mit an Bord, sodass sich nationale und internationale Autoren in »Painstation« die Klinke in die Hand geben dürfen. »Painstation«, jede Geschichte ist mit einer s/w-Illustration des Künstlers Mark Freier, der auch das Titelbild gestaltete, versehen. Mit dem Roman »Begegnung mit Skinner« des Autors Harald A. Weissen startete die »SCREAM«-Reihe erfolgreich und muss sich mit »Painstation« nun abermals beweisen.

»Painstation« hält das schriftstellerische Können seiner Autoren hoch, doch wie so oft ist nicht alles das Gelbe vom Ei. Flops jedoch halten sich zurück, sodass »Painstation« einen formidablen Durchschnitt mit einigen hervorragenden Geschichten aufweisen kann. Thematisch bewegen sich die Storys in einem vielfältigen Rahmen, denn ein Thema wurde den Autoren nicht vorgegeben. Vielmehr orientierten sich die Autoren an den Illustrationen Mark Freiers. Von Vampiren, Zukunftsvisionen, sanftem Grusel oder mystischem Horror ist daher der Horror in einer angenehmen Bandbreite vertreten. Zehn Autoren, bekanntere und unbekanntere Namen, geben ihr Bestes.

Mit »Der Fremdwohner« inszeniert Oliver Kern im wörtlichsten Sinne eiskalt eine leider voraussehbare Story mit klischeehaftem Ende um einen Vampir, der sich tagsüber als Fremdwohner in Edmunds Wohnung versteck. Der heimliche Untermieter bleibt natürlich nicht unentdeckt. Nichtsdestotrotz vermag Oliver Kern den Leser einzustimmen.
Thomas Plischkes »DEATH VIEW« fährt eine top-moderne Schiene, entwickelt ein beängstigend-gruseliges, aber dennoch auch ein erneut absehbares Ende. Tim ist dem Alter, in dem er Frauen aufreißen konnte, entwachsen. Mit seinem iPhone und seinen Freunden streift er jedoch noch immer durch die Clubs. Als er eine App installiert, die ihm verrät, wie seine Freunde sterben, glaubt er, dies sei nur Jux und Dollerei ...

Mit der dritten Story liefert »Painstation« die meiner Meinung nach stärkste Story dieser Anthologie ab: »Nachtsendung« von Harald A. Weissen. Seine Geschichte darf nicht durch stereotype Beschreibungen wie außerordentlich virtuos erzählt, krankhaft-düster inszeniert oder sprachlich brillant abgestempelt werden. Das würde dem Stil Weissens nicht gerecht werden. Natürlich ist die Story all dies, daher möchte ich betonen, dass eine realistische Beschreibung nur schwer in Worte zu fassen ist. Wahn und Vision, Tempo und Grauen, Wortkreation und Erzählstil heben die Story weit über das hinaus, was andere Geschichten im Ansatz bieten können. In »Nachtsendung« schreiben wir das 25. Jahrhundert in Neu-Zürich. Ein Mann hat dem Moderator einer Radiostation den Schädel eingeschlagen und monologisiert über Mikrofon, dass eine weltweite Invasion einer fremden Spezies bereits vor Jahrhunderten begann, um den menschlichen Verstand unter Kontrolle zu bringen. Niemand im Moloch Zürichs kann sich dem Entziehen. Im 25. Jahrhundert nun entwickelt sich die Invasion zu einem wahren Alptraum.
Diese eine Tür, die mich vor dem ständig fallenden, Straßen und Gassen knöcheltief bedeckenden Industrieschnee Neu-Zürichs schützt, während Huren mit noch blutverschmierten Fehlgeburten in Armen durch Dreck und Abfall, Kälte und die Fäkalien der Namenlosen auf ihrem verworrenen Weg ins Nichts wanken. Zahnlose, stumme Schreie. (S. 47)
Ronald Malfis Keanan in der titelgebenden Story »Painstation« kann keine Tür schützen. Dabei folgt Verehrer Keanan doch nur der schönen Casey in einen der angesagtesten Clubs der Stadt ... und landet in einem Ort, wo sich Menschen wie Tiere gebärden und ihrer Lust Freilauf lassen. Sex, Lust und Gier paaren sich mit einem typisch amerikanischen Stil.
Marc Alastor E.-E.s »Der Dorn im Auge« wird von einem einfachen, aber auch verwirrenden Stil gekennzeichnet. Auch die zugrunde liegende Idee liest sich nett, aber ebenso profan. Als ein Mann in eine Mansarde einzieht, ahnt er nicht, dass sein Verstand auf dem Spiel steht.
Die zweite Vampir-Story nennt sich »Bruderblut« und stammt aus der Feder von Tanya Carpenter. Der Beginn liest sich wie ein Versatzstück vieler 0815-Romane. Ein junges Paar auf dem Weg zur Hochzeit gelangt mit der Kutsche in ein Unwetter, kommt vom Weg ab und sucht Zuflucht in einer einsamen Burg. Abwechslung bieten allein der schwule Vampir und sein kannibalistischer Diener.
Daniel G. Keohanes »Amelia« ist eine Geschichte der Sehnsucht, der Melancholie und der Hoffnungslosigkeit. Eine Frau erinnert sich ihrer Kindheit, ihrer Freundin und der Sehnsucht nach einem besseren Leben.
Mit »Beute« des Autors Florian Hilleberg wendet sich der Horror erneut der härteren Variante, aber auch der Einfallslosigkeit zu. Sex und Gewalt dominieren und die Pointe ist keine Pointe. Nach einem angenehmen Abend mit Wein bei Freunden wird das zurückkehrende Paar von einem Werwolf angegriffen, der auf der Suche nach einer reifen Frau ist.
Brian Keenes »Mr Chickbaum« erzählt die schauerliche Geschichte des Mr Chickbaum. Dabei fing alles ganz harmlos mit Kindheitsfantasien und der Alltäglichkeit einer typischen Familie an. Die Hauskatze legt allmorgendlich ein totes, zerfetztes Tier vor der Haustür ab, von der eigentlichen Jagd ahnen die Eltern jedoch Nichts ...
Die Story »Ich schneide sie in Stücke!« des Autors Karl-Georg Müller dient als Prolog zum Roman »Stählerne Seelen«, der ebenfalls in der »SCREAM«-Reihe erscheinen wird. Mit viel Blut, einem faden Ende, aber dennoch gut erzählt, präsentiert sich die Story als Ripper-Geschichte im viktorianischen London. Ein schottischer Adeliger kehrt nach London zurück, um seine frühere Verlobte wiederzusehen, die nun als Prostituierte arbeitet. Dabei stößt er auf den Ripper ...

Fazit

»Painstation« bietet viel Abwechslung, gewährt einen thematisch vielfältigen Einblick in den Horror und weiß mit der Mehrzahl der Geschichten zu gefallen. Perfekt sind die wenigsten, unterhalten tun sie alle. Von den harten Spielarten des Horrors mit Blut, Sex und Gewalt bis zu sanften Geschichten mit wohligem Grusel und Sehnsucht ist »Painstation« mannigfaltig gewürzt und für jeden Geschmack ist etwas dabei.

3,5 von 5 Punkten

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