Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rezension: Oneiros - Tödlicher Fluch (Markus Heitz)

Droemer Knaur
Paperback, 624 Seiten
ISBN 978-3-426-50590-8
14,99 €


Ein kurzer Einblick

In Leipzig hütet ein Bestatter ein grausames Geheimnis, in Minsk führt eine skrupellose Wissenschaftlerin tödliche Experimente durch, in Paris rast ein Airbus ungebremst in ein Flughafenterminal… Die Ermittlungen zu dem Unglück beginnen sofort – aber die Ergebnisse sind rätselhaft: Sämtliche Insassen waren schon tot, bevor das Flugzeug auf das Gebäude traf. Was die Polizei jedoch nicht herausfindet, ist, dass es einen Überlebenden gibt. Konstantin Korff, der Bestatter aus Leipzig, kommt diesem Überlebenden hingegen schnell auf die Spur, ebenso wie die Wissenschaftlerin – denn diese drei Menschen tragen denselben tödlichen Fluch in sich. Einen Fluch, der sie zu einer Gefahr für jeden in ihrer Umgebung macht …


Bewertung

Der Tod ist alltäglich, jeder Mensch erlebt jeden Tag mehr oder weniger aktiv unsere Sterblichkeit durch die Medien, in der Familie, im Freundeskreis... So ist es nicht verwunderlich, dass viele bekannte Persönlichkeiten sich zu diesem Thema bereits geäußert haben, wie z.B. Friedrich Schiller, Hugo von Hofmannsthal, Oscar Wilde, Marc Aurel... um nur einige zu nennen. Die einzelnen Kapitel von "Oneiros" hat Heitz jeweils mit einem Zitat dieser Menschen zum Thema Tod begonnen. Das steht diesem Werk nicht nur optisch sehr gut, sondern lässt diese Urban Fantasy noch mehr zu einem realen Krimi werden.

Markus Heitz ließ aber nicht nur zum Tod passende Zitate einfließen. Ebenso lässt er seine Protagonisten Konstantin Korff – seines Zeichens Bestatter und Thanatologe mit bestem Ruf aus Leipzig – und Timothy Chester Darling – genannt Jester und wie Korff ebenfalls Todesschläfer und MI6-Agent aus London – in Märchen und Legenden Hinweise über den Tod sammeln, um mit diesem in Kontakt treten zu können. Denn beide wollen bzw. wollten einen Handel mit dem Schnitter eingehen, um wieder ohne Sorgen einschlafen zu können. Denn was es heißt, Todesschläfer zu sein, erklärt Heitz Stück für Stück im Laufe der Geschichte. Als ein solcher ist man zwar für den Tod unsichtbar, zieht ihn aber ungewollt – wie z.B. im Falle von Konstantin – oder gewollt an, sobald man einschläft. Aufgrund dieser Tatsache, dass der Tod die Todesschläfer aufgrund ihrer Unsichtbarkeint deshalb nicht mit sich nehmen kann, wird er jedes Mal wütender und tötet stattdessen alles Lebende in einem immer größeren Umkreis. Dies kann z.B. nur verhindert werden, wenn die betroffenen Menschen in komplett verschlossenen Räumen übernachten. Wenn man vom Tod nicht gesehen wird, ist es klar, dass man keines natürlichen Todes stirbt; man altert einfach immer weiter mit allen dazugehörigen Gebrechen. Um das Maß der negativen Dinge voll zu machen, sind Todesschläfer auch noch nicht unverwundbar. Dies scheint beinahe auch der Grund zu sein, warum viele dieser Leute in körperlicher Topform sind. Wenn Heitz beispielsweise Konstantin mittels Parkour durch Leipzig treibt oder wilde Verfolgungsjagden per Auto veranstalten, kommen einem die Protagonisten wie Übermenschen vor, was man einfach mit einer guten Prise Humor nehmen sollte. Zumindest sollte das den Heitz-Fans durchaus bekannt vorkommen.

Natürlich hat sich Heitz aber nicht nur mit zwei Protagonisten begnügt, vielmehr gibt es in „Oneiros“ eine ganze Riege wichtiger Personen, die Heitz von Anfang an auf spannender Weise miteinander agieren lässt, ohne dabei gleich zuviel von deren Absichten preiszugeben. So bleibt die Spannung konstant erhalten. Was besonders positiv auffällt, ist die Lebendigkeit der Figuren. Man erfährt kontinuierlich immer mehr von den Personen und kann ohne Probleme ihre Motive nachvollziehen, selbst von der auf den ersten Blick erscheinenden Schurkin.

Was allerdings ein wenig sauer aufstößt, sind die hier und da auftretenden Rechtschreib-/Druckfehler, was zumindest an diesen einzelnen Stellen den Lesefluss unnötig unterbricht.

Dieses kleine Manko verdirbt den Lesefluss aber nicht wirklich und als kreatives „Finale“ gibt Heitz dem durstigen Leser dann sowohl die Zutaten der im Roman vorkommenden Drinks bekannt, was eine wirklich sehr schöne Idee ist, und hat ebenso ein Kurzinterview mit Prof. Dr. Oertel, seines Zeichens Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums in Homburg/Saar, als krönenden Abschluss hinzugefügt, mit welchem er sich über die Möglichkeiten der von der skrupellosen Wissenschaftlerin durchgeführten Experimente unterhält.

Fazit

Summa summarum kann man wirklich sagen, wer Markus Heitz' Bücher bisher gern gelesen hat, kann voller Vorfreude auch zu diesem düsteren Dialog mit dem Schnitter greifen.

Als letztes Wort wollen wir uns sowohl bei Markus Heitz für die grandiose Premierenlesung in Leipzig, als auch beim Verlag Droemer Knaur für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken.

4,5 von 5 Punkten

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