Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Nathaniel (Michael Siefener)

Festa
Taschenbuch, 223 Seiten
ISBN 978-3865520609
14,90 €


Ein kurzer Einblick

Irgendwann in ferner Zukunft: Nathaniel hat sich seit Jahren in einem Dasein als untergeordneter Behördenmitarbeiter eingerichtet. Doch dann taucht sein Jugendfreund Edward Derby auf, grausam entstellt und voller Furcht. Als er Nathaniel einen sonderbaren Gegenstand übergibt, mit der Bitte, diesen einer Frau mit Namen Asenath zu überbringen, wird er vor den Augen seines Freundes getötet. Nathaniel flüchtet und macht sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Asenath. So beginnt eine Odyssee durch die monströse Stadt, auf der er einer Rebellengruppe begegnet, die gegen die schrecklichen Herrscher der neuen Welt kämpft – und Nathaniel erkennt, dass seine Existenz auf einer blasphemischen Lüge beruhte …

Bewertung

Nathaniel Peaslee wächst in einer Welt auf, die 1000 Jahre in der Zukunft spielt, nachdem die versunkene Stadt R´lyeh aus den Fluten des Ozeans aufgetaucht ist. Städte liegen in Schutt und Asche, die Natur holt sich ihren Lebensraum zurück und die Menschen leben in einer Gesellschaft, in der es so etwas wie Bildung und Geschichte nicht gibt. Die Existenz der Menschen dient allein dazu, das Rad einer Gesellschaft am Laufen zu halten, die durch Götter regiert wird. Wie alle anderen betet auch Nathaniel Guttu an, verehrt die Priester und fürchtet die Sucher. Als sein alter Freund Edward Derby ihm einen Gegenstand mit der Bitte diesen nur Asenath zu überreichen bringt, wird ihm nach und nach der Schleier vor seinen Augen weggezogen. Mehr und mehr beginnt Nathaniel die Welt zu erkennen wie sie wirklich ist. Mit Schrecken muss er feststellen, dass die Menschheit nur noch ein Zerrbild ihrer einstigen Existenz ist, dass Guttu gar nicht der liebende Gott ist wie die Priester, die selbst getäuscht werden, predigen.
In der albtraumhaften Odyssee begegnet man nicht nur entmenschlichten Menschen, vom Wahnsinn zerfressene Wanderer am Rande der Gesellschaft, sondern natürlich auch dem immer beängstigender werdendem Ctulhu-Mythos. Neben dem sagenhaften R´lyeh, dem erwachenden Ctulhu, nehmen auch Nyarlathotep und das Necronomicon eine wichtige Rolle im Handlungsverlauf ein.
Ein etwas stockender Beginn und vorhersehbare Wendungen schaden dem Roman kaum, denn problemlos kann das Bild dieser verstörend bedrückenden Welt jeglichen gedanklichen Leerraum in Besitz nehmen und eine Welt hinein pflanzen, die jeglicher Wahrheit entbehrt, dem Menschen seine Menschlichkeit nimmt und immer groteskere Züge annimmt. Bevor die fischartigen Kreaturen auch unseren Verstand zerrütten vermögen, schließt sich die überaus geniale Rahmenhandlung, die den Roman auf virtuose Art abrundet und in einen ewigen Kreislauf des Schreckens der Alten Götter wirft.

Fazit

„Nathaniel“ ist eine fantastische, visionäre Utopie, die den Leser in eine erschreckend bizarre Welt einer Gesellschaft schmeißt, die jede Individualität und Selbstentwicklung verloren hat. Siefeners Weltenentwurf zeigt eine Erde, die der Mensch selbst entwarf und gestaltete – und am Ende die Kontrolle über die eigene Fantasie verloren hat. Michael Siefener ist ein Werk gelungen, das aus den vielen von Lovecraft beeinflussten Ideen anstandslos heraus sticht.

4,5 von 5 Punkten

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