Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Mr. Monster (Dan Wells)

Piper
Paperback, 400 Seiten
ISBN: 978-3-492-26726-7
12,95 €

Ein kurzer Einblick

Mein Name ist John Cleaver. Ich bin 16 Jahre alt und lebe in Clayton County. Ich habe eine Mutter, eine Schwester und eine Tante. Ich mag Lesen, Kochen und ein Mädchen namens Brooke. Ich möchte das Richtige tun, um jeden Preis. Ich möchte ein guter Mensch sein.
Doch das ist nur die eine Hälfte von mir.
Mein Name ist Mr. Monster. Ich weise alle Anzeichen eines Serienkillers auf. Ich fantasiere über Feuer, Gewalt und Tod. Im Beisein von Toten fühle ich mich wohler als in der Nähe der Lebenden. Ich habe einen Dämon besiegt. Doch es gibt viele Dämonen da draußen. Und jeden Tag verspüre ich den Drang, erneut zu töten.

Bewertung

Mit „Mr. Monster“ liegt endlich der zweite Teil der Serienkiller-Trilogie vor. Im Oktober 2010 wird der dritte Teil unter dem Titel „Ich will dich nicht töten“ folgen.
John hat sich nicht geändert. Er ist noch immer in seinem Verhalten gestört, er hegt noch immer die gleichen Gedanken, er liebt noch immer das gleiche Mädchen: Brooke – und doch hat sich etwas verändert. Die notwendige Missachtung einer seiner Regeln („Töte nicht“), um den Dämon (aus: „Ich bin kein Serienkiller“) zu töten, hat Ketten in ihm gesprengt und seinen Trieben Freilauf verschafft. Einen Dämon zu töten mag zwar als Ausnahme gelten, ist es doch kein Mensch und kein Tier, doch wer Freiheit schmeckt ... Und so muss John Cleaver immer mehr an sich halten, um das Monster nicht noch einmal zu befreien. Und gleichzeitig fragt er sich, wo endet John Cleaver, wo beginnt Mr. Monster?
Wenn ein Satz wie dieser: Zum sechzehnten Geburtstag bekam ich eine Leiche, mit der ich spielen konnte, derart banal und selbstverständlich vorgetragen wird, dann wirkt das auf den Leser zum einen skurril, zum anderen aber auch erschreckend und zuallerletzt gibt es Johns Gedanken auf die beste Art und Weise wieder. Für ihn ist eine Leiche nichts Besonderes, lediglich ein Stück totes Fleisch – jedenfalls kein Mensch mehr, nur ein Es. Es sind diese einfachen Sätze, die die besten Eindrücke über John liefern und den Leser faszinieren, entsetzen und an die Seiten fesseln. Wir folgen ihm gerne, finden vielleicht selbst ein wenig von Mr. Monster in uns und fragen uns, wie weit würden wir gehen? Dan Wells hat mit John Cleaver einen Charakter erschaffen, der anders ist als die üblichen Figuren, sich wohltuend aus der Menge abhebt und genau der Richtige ist, um Dämonen zu jagen, zu verstehen und sie zur Strecke zu bringen. 
Seiner großen Liebe Brooke kommt John immer näher und fängt sogar eine Freundschaft mit ihr an, was anfangs für ihn niemals in Frage gekommen wäre. In diesen Momenten wirkt er immer noch am menschlichsten, grenzt sich zu seinen sonstigen Taten und Gedanken ab, größtenteils jedenfalls, denn Brooke zu Foltern, reizt ihn ungemein. Er bricht Regeln, merkt, dass manche vollkommener Unsinn waren, dass manche Regeln nur aus der Angst entstanden sind, er könne das Falsche tun. Brooke ist eine Art Befreiung für ihn; auch wenn ihre Dates vom Pech verfolgt sind.
Mit einer sehr einfachen Sprache, Sarkasmus, Ironie und Johns typischen makaberen Gedanken erschafft Dan Wells eine Gefühlsintensivität, die unglaublich ist. „Mr. Monster“ steht „Ich bin kein Serienkiller“ in nichts nach. „Mr. Monster“ ist eine konsequente Fortsetzung, was Charaktere und die große Überraschung angeht. Fraglich ist jedoch, ob dieses Konzept auch ein drittes Mal derart gut funktionieren und den Leser begeistern wird.

Fazit

Abermals ist Dan Wells ein Horror-Thriller gelungen, der es wirklich in sich hat, und wie sein Vorgänger weiß, wie man den Leser überraschen kann. Leser, die blutige Geschichten mögen, werden hieran ihren Gefallen finden; Leser, die „kranke“ Gestalten mögen, werden ebenso ihren Gefallen hieran finden. Und wer den ersten Roman bereits mochte, wird auch diesen mögen!

4 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen