Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Metamorph (Matthias Oden)

Atlantis
Taschenbuch, 164 Seiten
ISBN: 978-4-941258-25-9
11,90 €

Ein kurzer Einblick

Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle? Verfall ist mein Name, Siechtum mein Auftrag. Ich bin der Gesandte des Königs in Gelb, untertan ihm, der da sitzt auf seinem Thron aus gestorbenen Träumen, verborgen hinter der blassen Maske aus Moder, gehüllt in flatternde Lumpen aus Fäulnis. Ach, Sie kennen ihn nicht? Das macht nichts, steigen Sie nur ein! Ich bin, wie ich schon sagte, in seinem Namen unterwegs, und dieser Abend wird sicher interessant. Zieren Sie sich nicht, es ist nicht weit. Also, begleiten Sie mich heute Abend, seien Sie mein Gast! Sie werden es nicht bereuen!

Bewertung

Matthias Oden legt mit „Metamorph“ ein ambitioniertes Werk vor, das allein durch das Coverartwork von Francois Launet zu bestechen vermag. Doch kaschiert das schleimig-unförmige Äußere nur das Innenleben oder vermag es gar die bildliche Inkarnation des Metamorphen zur Schau stellen?
15 groteske Geschichten, die in fünf Trilogien gegliedert sind, verbergen sich zwischen den Klappendeckeln: Die Trilogie der Töne, Die Trilogie der Reise, Die Trilogie des Fleisches, Die Trilogie des Leidens und die Trilogie des Endes. Eine thematische Metamorphose, die ein breites Spektrum an Genren abdeckt.
In „Das Schellenland“ (Phantastik) sucht der Protagonist eben jenes Land, eine bizarre wüste Einöde, in merkwürdig realen Drogentrips auf, das seinen Namen nicht von Ungefähr hat. Dort entdeckt er ein Geheimnis, das beängstigender nicht sein könnte. „Emo-Boy“ (Science-Fiction) ist ein Produzent von Emotionen, der wertvollsten Handelsware in der Zukunft. In einer verstörend fremden Welt, die Menschen teils in Backöfen produziert, macht Emo-Boy sich auf den Transknoten zu suchen, einen Verteilerpunkt sämtlicher Waren, die durch Pipelines zu den Städten transportiert werden. „Tumorfrucht“ (Horror) lässt die Nase rümpfen, denn ein Arzt zeugt mit einem Krebsgeschwür ein Kind und päppelt die „Missgeburt“ mit väterlicher Liebe auf. Der „Trilogie des Leidens“ möchte ich keine Geschichte beispielhaft entnehmen, empfand ich diese Trilogie doch insgesamt als schwach, als Tiefpunkt dieser Sammlung grotesker Geschichten. „Der Bote in Gelb“ (Phantastik) erzählt von seinem Einfluss auf die Vernichtung von Völkern, denen die Dekadenz zum Verhängnis wurde.
Geschichten wie „Das Schellenland“ und „Emo-Boy“ muss man einfach gelesen haben, denn jedwede Beschreibung der bizarren Welten ist sträflich ungenau und wird dem Ideenreichtum Matthias Odens in keiner Weise gerecht. Aber auch Ideen wie in „Das orange Orchester“ oder „Biorama“ müssen zuerst einmal verdaut werden. Nicht jede Geschichte ist seicht (seicht heißt mitnichten schlecht!), gerade „Die Trilogie des Fleisches“ ist nicht für zarte Gemüter geeignet.

Fazit

„Metamorph“ ist ein Werk, das seine Leser finden wird, das sich nicht nur durch das Kurzgeschichtenformat an ein spezielleres Publikum wendet, auch die doch teils recht eigenwilligen Ideen werden nicht jedem zugänglich sein. Eigentümlich bizarre Ideen tümmeln sich zwischen den Seiten, in jeder Geschichte wird die Metamorphose auf die ein oder andere Weise vollzogen. Ein interessantes Ideenkonzept, das man einfach mal testen sollte.

3 von 5 Punkten

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