Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Mephisto (Klaus Mann)

Rowohlt Verlag (rororo)
Taschenbuch, 415 Seiten
ISBN: 978-3-499-22748-6
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Hendrik Höfgen ist Schauspieler am Hamburger Theater und aus Überzeugung Kommunist. Doch er hat ein großes Ziel: Der will ein bekannter Schauspieler Deutschlands werden. Für diese Karriere würde er alles tun. Und so muss er sich, als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen, entscheiden, ob ihm seine Karriere oder seine politische Überzeugung mehr Wert ist…

Bewertung

Es ist eine beeindruckende Charakterstudie, die Klaus Mann hier zeichnet. Für Hendrik Höfgen ist nichts wichtiger als bekannt zu sein. Dafür tut er wirklich alles und übergeht auch seine eigenen Überzeugungen. Dies stellt Klaus Mann in eindrucksvoller Weise dar, indem er die Lebensgeschichte des Hendrik Höfgen erzählt, durch die sich eigentlich nur ein roter Faden zieht: der Drang nach Ruhm. Allerdings wird aber auch durch einige Taten deutlich, dass Hendrik Höfgen nicht nur durch seinen Drang nach Ruhm geleitet wird, sondern auch sympathische Seiten besitzt. So hilft er etwa seinen Freunden in der Not. Dadurch wird deutlich, dass es das ausschließlich Böse und Egoistische nicht gibt, sondern dies auch immer gute Seiten in sich trägt.
Dass Hendrik Höfgen das Abbild des verstorbenen deutschen Theaterschauspielers Gustaf Gründgens darstellt, ist nicht schwer zu erraten. Klaus Mann gibt sich keine große Mühe die Geschichte der Karriere Gustaf Gründgens zu verändern, welches im zeitweilen ja auch ein Verbot seines Romans eingehandelt hat. Im Roman werden die Freundschaft zu Göring und die Verbindung zu Goebbels offen genannt. Hier hätte ich eine weniger direkte Darstellung vermutet, die die tiefe Kritik am Verhalten Gustaf Gründgens, die das Buch eindeutig herausstellt, nicht so offensichtlich zeigt.
Aber auch die realen Vorbilder der anderen im Roman auftretenden Personen sind leicht zu erraten. Als Kenner der Familie Mann sind etwa Erika und Thomas Mann leicht zu erkennen. Und auch bei anderen Personen hat sich Klaus Mann nicht gerade viel Mühe dabei gegeben deren reale Vorlage zu verheimlichen. Dies führt leider auch dazu, dass der Ausgang des Romans für Kenner der Familie Mann oder der deutschen Theatergeschichte sehr absehbar ist. Schade ist auch, dass der Roman bereits 1936 endet, denn da der reale Hintergrund so offensichtlich ist, ist man natürlich auch daran interessiert, wie es nach 1936 weiterging. Doch da der Roman bereits 1936 erschien, war dies damals natürlich auf der wahren Vorlage nicht anders zu leisten.
Klaus Mann hat zwar zeitlebens darauf bestanden und auch im Buch festgehalten, dass es sich bei diesem Buch um kein Portrait handle, sondern er bloß einen bestimmten Typ Mensch charakterisieren wollten, doch durch die kaum veränderten Fakten des realen Vorbilds ist dies nur schwer zu glauben. Trotzdem hat er eine beeindruckende Charakterstudie geschaffen, die es sich lohnt zu lesen.

3 von 5 Punkten

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