Sonntag, 16. Dezember 2012

Rezension: Mein Schwein pfeift (Michael Bresser / Martin Springenberg)

Ullstein
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN: 9783548282879
7,95 €

Ein kurzer Einblick

Dieter Nannen, notorisch unterbeschäftigter Privatdetektiv, lebt mit Schwein Pedder auf einem kleinen Bauernhof im Münsterland. Der Bürgermeister des Ortes verspricht ihm ein zusätzliches Einkommen, wenn er dem sechstklassigen FC Dülmen zum Aufstieg verhilft. Doch als einer seiner Mitspieler plötzlich erschossen wird, sind Nannens Qualitäten als Privatdetektiv gefragt. Lässig nimmt Nannen seine Ermittlungen auf, die ihn ins lokale Fußballer-Milieu führen, wo er in westfälischen Vereinslokalen seine Fähigkeiten unter Beweis stellen muss ...

Bewertung

„Mein Schwein pfeift“ ist bereits der vierte Roman um den münsterländischen Detektiv Dieter Nannen, der mit mehr Glück als Können seine Erfolge feiern kann. Dabei geht er mit heroischer Gelassenheit und der Ernsthaftigkeit von Wer-außer-mir-soll-das-Verbrechen-aufklären? an den Mordfall seines Fußballer-Kollegen Angelo Küppers heran. Denn das die Polizei den Fall lösen könnte, liegt nicht einmal im Bereich des Möglichen. Gut, dass der selbsternannte Detektiv nicht auf sich allein gestellt ist – Ernüchterung über Erfolglosigkeit könnte sich schnell einstellen –, sondern zwei äußerst tüchtige Helfer der ganz besonderen Sorte (und auch hier regiert – wie kann es anders sein – Zufall und Tollpatschigkeit) an seiner Seite hat. Der Aufklärung des Mordes an seinem Fußballer-Kollegen steht also nichts mehr im Wege!
Ironie und Humor, Gelassenheit und selbstbewusste Erfolgschancen: Damit agieren Bresser und Springenberg und liefern abermals einen etwas anderen Krimi ab, der abseits von psychologischem Tiefgang und raffinierten Kriminalgeschichten einen ganz eigenen Charme entfalten kann. Der Wortwitz und der Focus auf der Sprache kann aber nicht übertünchen, dass so manche Überzogenheiten einfach nur übertrieben lächerlich wirken und fernab von Spaß am Lesen angesiedelt werden müssen. Glücklicherweise sind dies die Ausnahmen, sodass einer gut unterhaltenden Lektüre wenig im Wege steht.
Der Roman lebt von der Sprache, weniger von der Geschichte; die natürlich selbstverständlich vorhanden ist. Lediglich das Hauptaugenmerk liegt auf der Sprache. Gut, dass der Mensch zwei Augen hat. Erfolgreiche Miträtselchancen sind jedoch gering, denn der Leser weiß auch nur so viel wie Dieter Nannen, der seinen und seiner Kameraden Misserfolge erlegen ist. Keine weitere Information wird dem Leser zugänglich gemacht; ein Kniff der zu begrüßen ist, denn Leser und Dieter Nannen werden eng verbunden und müssen zwangsweise miteinander ermitteln. Da Figurentiefgang fehl am Platz ist, der Leser den Mörder entlarven möchte, wird zwangsweise mit dem Detektiv mitgefiebert und ein(e Art künstlicher) Tiefgang erzeugt, der durchaus das Gefühl von wirklicher Verbundenheit aufkommen lassen kann.

Fazit

„Mein Schwein pfeift“ ist Popcorn-Literatur der spaßigen Sorte. Wer mehr Wert auf die Sprache als auf die Geschichte legt, ist hier genau richtig, alle anderen dürfen sich vorsichtig an den Detektiv Dieter Nannen heran tasten. Ein Unterhaltungs-Krimi der feinen, seichten Sorte.

3 von 5 Punkten

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