Dienstag, 4. Dezember 2012

Rezension: Mein Herz so weiß (Javier Marías)

dtv
Taschenbuch, 347 Seiten
ISBN-10: 3423125071
10 €


Ein kurzer Einblick

Eine junge Frau, die vor kurzem von ihrer Hochzeitsreise zurückgekommen ist, steht vom Mittagstisch auf, geht ins Badezimmer und schießt sich ins Herz. Dieser Selbstmord seiner Tante Teresa, die die damalige Ehefrau seines Vaters Ranz war, lässt Juan, der selbst seit etwa einem Jahr verheiratet ist, keine Ruhe. Ständig denkt er über die Liebe, Ehe und Verrat nach und möchte mehr über die Geschehnisse vor 40 Jahren erfahren...

Bewertung

Ich hatte wirklich viel von diesem Roman erwartet, da Marías zu den bedeutendsten Schriftstellern Spaniens zählt, er mit „Mein Herz so weiß“ einen Welterfolg landete und sich auch Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek auf der Rückseite des Einbands sehr lobend über den Roman äußern. Meine Erwartungen wurden allerdings derbe enttäuscht. Nachdem der Selbstmord von Teresa geschildert wurde, beginnt die langweilige und langwierige Erzählung des Ich-Erzählers über jedes einzelne Detail, das ihn dazu verleitet hat, über diesen Selbstmord, die Liebe und die Ehe nachzudenken. Zwar gibt es interessante Anregungen selbst einmal über die Liebe, die Ehe, Treue und Verrat nachzudenken, doch daneben folgen seitenlange Beschreibungen von Ereignisse oder Nebenhandlungen, die das Buch in keiner Weise voranbringen. 200 Seiten lang werden irgendwelche Nebensächlichkeiten erzählt, die einzig dafür da sind, den Erzähler zum Nachdenken zu verleiten. Ab und zu gibt es mal einen kleinen Hinweis auf die Ehen von Ranz und dann verfällt die Handlung wieder in ihren langweilen Trott, bei dem die Nebenhandlungen, etwa die Liebesbeziehungen einer Freundin von Juan, sogar noch spannender sind als die Haupthandlung.
Die letzten 80 Seiten werden dann zumindest ansatzweise spannender, indem Juan sich zusammen mit seiner Ehefrau Luisa dazu entschließt etwas über die Hintergründe des Selbstmords herauszufinden. Allerdings geht auch die Suche nach den Hintergründen nur schleppend voran und sogar das entscheidende Gespräch von Luisa und Ranz wird unnötig schleppend in die Länge gezogen. Durch die Nebenhandlungen, die das Buch zwar in keiner Weise voranbringen, wird dann jedoch auch noch die Erklärung des Selbstmordes von Teresa vorhersehbar, was dem Roman die überraschende Wendung zum Ende hin auch noch nimmt. Daher kann man leider sagen, hätte man die Geschichte auf 50 Seiten erzählt, wäre zumindest die Spannung durch die schleppende Handlung nicht zerstört worden.

1 von 5 Punkten

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