Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Mann im Dunkel (Paul Auster)

Rowohlt Verlag
Taschenbuch, 220 Seiten
ISBN: 978-3-499-24830-6
8,95 €


Ein kurzer Einblick

Der 72-jährige August Brill liegt nachts in seinem Bett und kann nicht einschlafen. Daher erdenkt er sich eine Geschichte. Darin erwacht ein junger Mann in einem Erdloch und zwar in einem Amerika, das den 11. September nie erlebt hat, sich aber nun im Bürgerkrieg befindet. Aus dem Erdloch befreit, erhält der Mann einen Auftrag: er soll denjenigen töten, der sich diese Geschichte ausgedacht hat…

Bewertung

Es ist eine vielversprechende Idee, die diesem Roman zugrunde liegt. Da ist nicht nur die Idee einer Entwicklung der USA hätte es den 11. September nie gegeben, sondern auch die spannende Grundidee, dass jemand denjenigen töten soll, der ihn erdacht hat. Doch leider hat der Autor aus dieser Idee nicht viel gemacht. Fast alles wird nur oberflächlich behandelt, so dass man am Ende nicht nur mit vielen offenen Fragen zurückbleibt, sondern vieles nur ganz grob erfahren hat.
Geht man davon aus, dass es im Roman hauptsächlich um die Geschichte des Mannes, der seinen Erfinder töten soll, nämlich Owen Brick, geht, wird man bald eines besseren belehrt. Zwar wechseln zunächst Erzählungen über die Geschichte Bricks mit denen über das Leben und Umfeld des Erzählers Brill, doch reißt die Erzählung über Brick so ab der Hälfte des Romans ab und es geht nur noch um den Erzähler. Die Geschichte Bricks wird abschnittweise aneinandergereiht und man erfährt kaum Hintergründe über die Situation der USA in dieser anderen Welt, die jedoch nicht die einzige Welt bleibt, in der sich Brick befindet. Es tauchen Personen auf, die man nicht richtig einzuordnen vermag, so dass der gesamte Handlungsablauf insgesamt wirr wirkt. Auch das Ende der Geschichte lässt den Leser nicht nur mit einem großen Fragezeichen, sondern auch mehr als unbefriedigt zurück.
Auch wenn man es nach Lesen des Klappentextes nicht erwartet hat, so erhält man zumindest im Roman einen Einblick in das Leben und die Gefühlswelt eines alten Mannes, der auf andere angewiesen ist. Außerdem lernt man dessen Familie zumindest oberflächlich kennen und erfährt von einigen Katastrophen, die mit dem 11. September zusammenhängen, die Familie belasten und so schlimm waren, dass sie nun deren Leben fast bestimmen. Diese Ereignisse lassen den Leser erahnen, warum sich August Brill wohl die Geschichte um Owen Brick erdacht hat, auch wenn die Verbindung nie deutlich hervortritt.
Leider lernt man jedoch alle auftretenden Personen nur oberflächlich kennen, so dass es dem Leser schwierig fällt sich mit ihnen zu identifizieren. Paul Austers Erzählstil ist dagegen angenehm zu folgen, auch wenn er wie etwa José Saramago nichts davon hält wörtliche Rede in Anführungszeichen zu setzen. Doch daran hat man sich schnell gewöhnt.

Fazit

Eine interessante Grundidee, aus der man mehr hätte machen können. Zwei Romane statt einem hätten dem Stoff wohl eher Rechnung tragen können und es auch erlaubt nicht so vieles nur oberflächlich zu behandeln. Trotzdem erhält man einige interessante Eindrücke.

2 von 5 Punkten

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