Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Magierdämmerung 2. Gegen die Zeit (Bernd Perplies)

Egmont LYX
Klappenbroschur, 432 Seiten
ISBN 978-3-8025-8265-3
12,95 €


Ein kurzer Einblick

DIE WELT STEHT AM RAND DES ABGRUNDS ...
London 1897. Der Konflikt zwischen den beiden Magierfraktionen des Silbernen Kreises spitzt sich zu. Der Usurpator Wellington hat mit seinen Gefolgsleuten die Macht an sich gerissen und hält die Anhänger Dunholms, darunter Jonathan und seine Mitstreiter, gefangen. Diesen läuft die Zeit davon. Die Wahre Quelle der Magie muss unbedingt geschlossen werden, sonst ist die Menschheit dem Untergang geweiht …

Bewertung

Der Usurpator Wellington hat die Wahre Quelle der Magie geöffnet. Mit ihrer Macht hat er sich an die Spitze des Silbernen Kreises gestellt. Mit seinen Gefolgsleuten läutet er ein neues Zeitalter der Magie ein, das die Menschen vom Thron der Schöpfung stoßen wird. Dunholms Anhänger unterdessen sitzen im Gefängnis der Guildhall und schmieden Fluchtpläne. Doch das ist alles einfacher als gedacht …
Nahtlos beginnt „Gegen die Zeit“ da, wo „Für die Krone“ endete. Um Jonathan und seine neuen Freunde steht es schlecht geschrieben. Ihr Fluchtversuch schlägt fehl und zu allem Übel gesellt sich der Tod. Bernd Perplies Charaktere wachsen dem Leser ans Herz, hat der Autor es doch geschafft, allzu menschliche Figuren mit Schwächen, Macken und Stärken aufs Papier zu bannen. Doch so zärtlich Perplies seine Figuren zum Leben erweckt, springt er alles andere als zart besaitet mit ihnen um. Gern gewonnene Figuren Sterben, neue Figuren werden eingeführt.
Der Vatikan hat von den Machtumschwüngen in England Wind bekommen, die Gefahr eines neuen Zeitalters der Magie erkannt und entsendet als Antwort auf die nach Macht gierenden Pläne Wellingtons die Magieragentin Lionida Diodato, die sich mit dem Widerstand gegen Wellington zusammenschließen soll, um die Vollendung der Pläne des Usurpators zu vereiteln. Doch nicht nur der Vatikan wird aktiv, es wird auch ein Geheimbund aktiv, der geheimer als die geheimen Zirkel der Magier weltweit ist … Wellington muss aufgehalten werden!
Während die verschiedensten Fraktionen aktiv werden, überrascht Perplies mit Wendungen und Rückschlägen für die Gefangenen aus ihrer scheinbar ausweglosen Situation. Die Magie ist ihnen ein hilfreicher Verbündeter, aber kein Garant zur erfolgreichen Flucht. Zum einen unterliegt die Magie Gesetzen, zum anderen ist die Magie nur so gut, wie der Magier fähig ist diese zu manipulieren. Eine Deus ex Machina hat Perplies sich somit glücklicherweise nicht geschaffen und greift darum auf andere Wege und Mittel zurück, die weitaus glaubwürdiger sind als ein erzwungener Plan der Götter.
Eines dieser Mittel ist die Geisterkatze Watson, die wir schon im vorangegangenen Band kennen gelernt haben. Weniger hilfreich, dafür umso niedlicher, ist das Krokodil Rupert. Einst stand es ausgestopft auf dem Wandregal des Pubs Old Man's, nun ist es durch die in die Welt strömende Magie zum neuen Leben erwacht und hat sich Jonathan als Weggefährten erwählt. Der quiekende, grüne Babyalligator hat dem zweiten Band der „Magierdämmerung“ eine der rührensten Szenen beschert, die ich seit Langem gelesen habe.
Doch nicht nur hier sprüht feiner Humor zwischen den Zeilen hervor und gibt dem Roman eine angenehme Atmosphäre, die auch Perplies angemessener Sprache und Bildern zugeführt werden kann.
Konnte im ersten Band noch der Mangel an Steampunk-Elementen angekreidet werden, bin ich in Versuchung immer noch zu meckern, doch wurde der Mangel zumindest etwas behoben. Duncan Hyde-White, die rechte Hand Wellingtons, ist mit seinem Tauchanzug förmlich verschmolzen und stapft fortan als metallener Fleischkoloß durch die Straßen Londons. Heimlichkeit ist ihm nicht möglich, doch gegen die Kampfkraft und seine natürliche Panzerung kommen auch die begabtesten Magier nur schwer an, sodass beim Nahen von Hyde-White die Flucht die bessere Alternative ist. Hyde-White ist bekannt, das Uboot Wellingtons nicht. Zumindest nicht in seiner jetzigen Gestalt. Dieses ist nämlich, ähnliche wie Hyde-White, mit der Mannschaft verschmolzen und schwimmt als Kreuzung zwischen Maschine und Mensch durch den Ozean; es ist ein wahrlich fürchterliches Ungetüm, so ungefährlich es auch ist. Doch durch die fleischigen Gänge zu streifen … da wird einem schon mulmig.

Fazit

Wenn Wolfgang Hohlbein Kino ist, ist Bernd Perplies Hollywood. Mit beeindruckenden Bildern ist Bernd Perplies auf Erfolgskurs an die Spitze der deutschen Fantasyautoren! Perplies kopiert alte Ideen, wandelt sie etwas um und gestaltet eine magische Welt, die in ihrer Neuerung gewürdigt werden muss.

4 von 5 Punkten

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