Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Machine of Death (Ryan North, Matthew Bennardo, David Malki (Hrsg.))

Heyne
Taschenbuch, 640 Seiten
ISBN 978-3-453-52878-9
9,99 €


Ein kurzer Einblick

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Arzt, machen einen Bluttest und eine Maschine spuckt daraufhin einen kleinen Zettel mit der Art Ihres Todes aus. Keine Einzelheiten, kein Zeitpunkt – die einzige Information, die man erhält, ist: Tod durch Ertrinken oder Verhungern oder Alter. 

Gleich dem Orakel von Delphi verhängt die Machine of Death ihr Urteil über die Menschen und die Autoren dieser einzigartigen Storysammlung schildern auf ironische, humorvolle und berührende Weise, was passiert, wenn man versucht, seinem Schicksal aus dem Weg zu gehen ...

Bewertung

»Machine of Death« beinhaltet nicht weniger als 34 Storys von 34 Autoren. Jede der Geschichten ist mit einer s/w-Illustration einer der 34 Künstler versehen. 34 Geschichten wurden von den Herausgebern aus 675 Einsendungen aus 5 Kontinenten von Berufs- und Amateurschriftstellern ausgewählt. Genretechnisch ist die komplette Bandbreite von Horror und Fantasy über Abenteuer und Humor bis hin zu Spannung anzutreffen. Laut des Vorworts der Herausgeber Ryan North, Matthew Bennardo und David Malki war die Auswahl der exzellenten Geschichte nicht schwer, die Auswahl einer Repräsentation der Vielfalt an Ideen und der Umsetzungen aber sehr wohl. Obwohl mir natürlich die 641 nicht enthaltenden Einsendungen unbekannt sind, wage ich doch zu behaupten, dass die Herausgeber ihre Arbeit hervorragend gemacht haben. Keine der 34 Geschichten gleicht einer der anderen, niemals hatte ich beim Lesen das Gefühl, das mir dieses Konzept, diese Umsetzung oder diese Idee unabhängig vom Genre bekannt vorkam. Vielfalt und Abwechslung in allen Belangen trifft auf »Machine of Death« wahrlich zu.
Das Thema der Anthologie lässt kreative Ideen sprudeln, denn nichts fürchten die meisten Menschen mehr als den eigenen Tod. Können wir ihm also entkommen, ihn vermeiden mit dem Wissen, wie wir sterben? Es geht dabei vorrangig nicht um die Möglichkeit Unsterblichkeit zu erlangen, wobei auch diese Thematik vertreten ist, sondern darum dem Tod zu entfliehen. Wie gehen wir mit der Kenntnis unseres eigenen Todes um? Wie wirkt sich dieses Wissen auf unser Leben aus? Zuvor jedoch stecken wir einen Finger in die Maschine, eine Nadel zapft uns einen Tropfen Blut ab und spuckt kurz darauf einen Zettel aus auf dem z.B. steht: SELBSTMORD. Können wir unserem Tod also entgehen, indem wir keinen Selbstmord begehen? Nein! Die Maschine gibt lediglich die Todesursache an, nicht aber das Wann, Wo und Wie (genau) es passieren wird. Ein Sprengstoffattentäter jagt sich in die Luft - neben uns. Die Todesart zu kennen, hilft noch lange nicht den Tod effektiv zu vermeiden. Das funktioniert nämlich nicht. Aus diesem Grund ist jede der 34 Geschichten eine Wundertüte mit Überraschungen, die mal spaßig, traurig, spannend inszeniert, etc. ist.
Die Todesart und deren Umgehung spielen natürlich immer ein zentrales Thema, sind manchmal aber auch nur ein Nebenprodukt und benötigtes Mittel zum Zweck, um das wirklich wichtige Thema in Szene setzen zu können. Zugehörig ist die Frage: Wie gehen wir mit einer solchen Maschine um? Ist die Todesmaschine ethisch vertretbar? Einige der Storys spielen mit der Begeisterung der Jugend, wogegen die Erwachsenen der Maschine oftmals skeptisch gegenüberstehen. Cliquenbildung in Schulen nach Todesarten, das heiß ersehnte Geburtstagsgeschenk der Todesart zum 18. oder die Angst auf eine langweilige Art zu sterben - Teenager haben es nicht einfach! Doch auch auf das Arbeitsleben hat die Todesmaschine Auswirkungen: Polizist werden mit SCHUSSWUNDE? Garantiert nicht. Pilot werden mit HERZSTILLSTAND? Wohl kaum! Doch auch Alltag und Psyche können leiden: Menschen wagen sich mit VON BAUM ERSCHLAGEN nicht mehr aus dem Haus. Die stete Angst dem Objekt des Todes zu begegnen lässt manche Menschen schier verzweifeln und ihr Leben komplett umkrempeln. Für Psychiater ist eine Welt, in der die Todesmaschine existiert, natürlich ein Paradies.
Zuletzt möchte ich eine Geschichte vorstellen, die kürzer nicht ausfallen könnte, und meiner Meinung nach den Preis der Innovation und Schlichtheit überreicht bekommen darf. Zu finden ist sie auf Seite 203:

Brian Quinlan: HIV-INFEKTION DURCH TODESMASCHINE

»OH«, dachte ich, »also das ist echt beschissen.«

Fazit

Vielfältig und abwechslungsreich präsentieren 34 Autoren kreative Ideen rund um die Todesmaschine und die Vorhersagen, die Auswirkungen auf das Leben der Menschen oder den Tod trotz bestmöglicher Vermeidungsstrategie. Kurzgeschichtenlesern sei diese Anthologie wärmstens empfohlen!

4 von 5 Punkten

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