Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Léon und Louise (Alex Capus)

Carl Hanser Verlag
Hardcover, 315 Seiten
ISBN: 978-3-446-23630-1
19,90 €


Ein kurzer Einblick

Léon ist siebzehn als er im letzten Jahr des Ersten Weltkrieges seinen Heimatort verlässt, um in einem anderen Ort einer Tätigkeit als Gehilfe des Bahnhofvorstehers nachzugehen. Noch nicht richtig in seinem neuen Heimatsort angekommen, trifft er auf Louise. Seit dem ersten Blick ist er von ihr fasziniert. Auch wenn es etwas dauert, bis sie sich wiedersehen, können sie seit ihrer ersten Begegnung trotz vieler Widrigkeiten und langen Jahren ohne Kontakt nicht voneinander lassen…

Bewertung

Alex Capus hat mit „Léon und Louise“ eine große Liebesgeschichte des 20. Jahrhunderts geschaffen. Seit ihrer ersten Begegnung scheint es um die beiden geschehen und es kann kommen, was will, ihre Liebe ist durch nichts zu erschüttern. Einmal das Herz verloren können sogar Jahre ohne Kontakt und Entfernungen von ganzen Kontinenten ihrer Liebe nichts anhaben. Sie besteht einfach immer fort.
Vor diesem Hintergrund könnten Léon und Louise eigentlich ein glückliches gemeinsames Leben miteinander führen, doch das Schicksal will es anders. Nur für kurze Zeit können sie ihre Liebe offen ausleben, dann werden sie durch ein Unglück getrennt, das beide glauben lässt, der andere sei tot. Doch auch in dieser Situation lebt ihre Liebe fort und als sie sich durch Zufall wieder treffen, könnte eigentlich alles wieder so wie früher sein, wenn Léon mittlerweile nicht verheiratet wäre.
Nun erlebt man wie der vernünftige und anständige Léon versucht das Richtige zu tun und dabei von der lebhaften und etwas verrückten Louise unterstützt wird. Ihre Liebe ist so groß, dass sie trotz aller gesellschaftlichen Sitten fortbesteht, auch wenn die beiden nicht zusammen sein können, und immer wieder Möglichkeiten findet sich doch durchzusetzen. Sogar Léons Familie kennt seine große Liebe und akzeptiert dieses Doppelleben. Obwohl sie nicht zusammen sein können, scheinen beide mit ihrer Situation nicht unglücklich, sondern haben sie so hingenommen. Doch auch wenn es in ihrem gesamten Leben nicht allzu viele Möglichkeiten gibt, geben sie der Liebe immer mal wieder die Chance sich durchzusetzen.
So weiß am Ende auch Léons Familie von Louise und findet daran nichts Anstößiges. Dagegen kommt es sogar soweit, dass Léons Enkel nach dessen Tod die Geschichte der beiden erzählt. Der angenehme Schreibstil scheint einen dabei förmlich durch die Seiten und das Leben von Léon und Louise im einem Jahrhundert der Weltkriege fliegen zu lassen. Einziges Manko ist, dass der Leser nie wirklich darüber informiert wird, wie der Erzähler von der Geschichte erfahren hat, oder ob es bloß das ist, was er sich zusammenreimt. Einziges Indiz sind einige abgedruckte Briefe. Leider werden auch einige Jahre des Lebens Léons ausgelassen, so dass man am Ende nur vermuten kann, wie sich ihre Liebe nach dem Tod von Léons Frau entwickelt hat.

Fazit

Eine große Liebesgeschichte, die sich durch fast das gesamte 20. Jahrhundert zieht und zeigt, dass es nicht nur Liebe auf den ersten Blick geben kann, sondern, dass diese auch trotz Widrigkeiten über viele Jahre bestehen kann. Ein angenehmer Erzählstil und sympathische Charaktere runden die Geschichte ab.

4,5 von 5 Punkten

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