Samstag, 15. Dezember 2012

Rezension: Leben und Zeit des Michael K. (J.M. Coetzee)

Fischer Verlag
Taschenbuch, 222 Seiten
ISBN: 978-3-596-13252-5
8,90 €


Ein kurzer Einblick

In Südafrika wird der Aufstand geprobt. Mittendrin steckt der etwas zurückgebliebene Michael K. mit seiner kranken Mutter. Diese möchte kurz vor ihrem Tod zu ihrer Kindheitsheimat zurückkehren. Also machen sich die beiden auf den Weg und für Michael K. beginnt eine lange Reise, die ihn viele Bekanntschaften und Erfahrungen machen lässt und ihn bis ins Einsiedlertum treibt…

Bewertung

In „Leben und Zeit des Michael K.“ beschreibt J.M. Coetzee einen wenig intelligenten Menschen, der trotzdem nicht dumm zu sein scheint. Michael ist ein Mensch ohne jeglichen Antrieb, der zudem noch durch körperliche Anomalitäten gehemmt wird. Er führt eine Tätigkeit aus, der er irgendwann mal erlernt hat, nur um sie auszuführen. Der hat kein Lebensziel vor Augen und führt eigentlich ein völlig identitätsloses und planloses Leben. Einzige Aufgabe in seinem Leben scheint es zu sein, sich um seine Mutter zu kümmern, die der einzige Mensch ist, der sich je um ihn gekümmert hat und auch der einzige Mensch, mit dem er wirklichen Kontakt pflegt.
Um seiner Mutter ihren wohl letzten Wunsch erfüllen zu können, kann er sogar recht kreativ werden und einmal einen Plan gefasst, ist er von diesem auch nicht mehr abzubringen. Doch ohne seine Mutter verliert er schließlich jeden Bezugspunkt und jeden noch so kleinen Sinn des Lebens. Planlos irrt er durch aufrührerische Zeiten in Südafrika. Dabei flüchtet er regelrecht vor anderen Menschen, die ihn jedoch scheinbar immer wieder in ihrer Mitte aufnehmen wollen.
Sein nicht vorhandener Lebens- und Kontaktdrang führt schließlich soweit, dass er sich ins Einsiedlertum verkriecht und selbst Essen und Trinken für ihn nur noch zu Nebensächlichkeiten werden. Man erlebt beim Lesen einen Menschen ohne jeden Überlebensdrang, der aber trotzdem nicht sterben kann. Egal, wie sehr er sich vor den Menschen und dem modernen Leben versteckt, es ist ihm nicht gegönnt, ohne menschlichen Kontakt zu leben und wie in früheren Zeiten zu leben. Die Menschen scheinen ihn regelrecht zu suchen.
Dies führt auch dazu, dass der Roman keine bloße Charakterstudie von Michael K. ist, sondern man auch viel von den Umständen mitbekommt, in denen sich Michaels Leben ereignet. Da gibt es umherziehende Militärs, Guerilla-Gruppen und Arbeitslager. Doch erfährt man als Leser leider nie warum. Angeblich soll sich J.M. Coetzee in dem, erstmals 1983 erschienen, Roman so das Ende der Apartheid vorgestellt haben. Doch auch dies und Konflikte zwischen Menschen verschiedener Hautfarben werden mit keinem Wort erwähnt. Dies hätte dem Roman noch mehr Reiz verliehen und die langen Passagen, in denen man über das eigenwillige monotone Leben Michael K. liest, etwas aufgefrischt.

Fazit

Eine interessante Charakterstudie über einen Menschen, der scheinbar ohne Identität und Plan durchs Leben irrt und sich nicht der modernen Welt anpassen möchte. Doch leider werden die Hintergründe des Romans im Unklaren gelassen.

3 von 5 Punkten

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