Dienstag, 18. Dezember 2012

Rezension: Kritik der mörderischen Vernunft (Jens Johler)

Ullstein
Taschenbuch, 539 Seiten
ISBN: 978-3548269542
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Ein bekannter Wissenschaftler wird brutal ermordet. Der erste Verdacht fällt auf radikale Tierschützer, denn der tote Hirnforscher hatte Versuche an Affen vorgenommen. Ein Briefbombenanschlag auf einen Kollegen in Bremen deutet in dieselbe Richtung. Doch der Berliner Wissenschaftsjournalist Troller weiß mehr als die Polizei. Denn der Mörder, der sich Kant nennt und mysteriöse Botschaften hinterlässt, hat ihn persönlich kontaktiert. Gemeinsam mit der Kriminalreporterin Jane kommt Troller einem Mann auf die Spur, der den freien Willen des Menschen bedroht sieht – und töten wird, um ihn zu bewahren.

Bewertung

Der Thriller von Jens Johler beschäftigt sich mit der Frage, ob es den freien Willen wirklich gibt oder ob alles nur ein Zusammenspiel von Gehirn und Neuronen ist und wir gar nicht entscheiden können, wie wir uns in Situationen verhalten.
Hauptperson des Romans ist Troller, ein Wissenschaftsjournalist einer großen Zeitung. Auch seine Freundin Jane, ebenfalls im Journalismus als Gerichtsreporterin tätig, wird ziemlich schnell in diesen Fall verwickelt. Am Anfang der Tat schickt der Mörder, der sich Kant nennt, Troller E-Mails. Schon hier merkt man, dass eine Verbindung zwischen Troller und Kant besteht und man tüftelt die ganze Zeit beim Lesen darüber nach.
Der Roman nimmt schnell an Fahrt auf. Kant verübt bestialische Morde, die einem beim Kopfkino Gruseln lassen. Jane und Troller nehmen viel auf sich, um Kant auf die Spur zu kommen und reißen den Leser dabei mit. Neben der Verbrecherjagd wird auch immer wieder auf nebensächliche Aspekte eingegangen, wie zum Beispiel Trollers Verhältnis zu seiner Tochter Sarah, die bei seiner geschiedenen Frau lebt. Diese Nebensächlichkeiten runden den Roman gut ab, da man Troller nicht nur als Journalisten kennenlernt, sondern auch als Vater.
Auch der Liebe und den Beziehungsgeflechten wird ein Platz eingeräumt.
Der Titel des Romans „Kritik der mörderischen Vernunft“ spielt auf das Werk von Immanuel Kant „Kritik der reinen Vernunft“ an. Wer jetzt denkt, der Roman von Jens Johler ist hochphilosophisch, der irrt sich zum Glück. Zwar werden schon kleine Denkanstöße gegeben, wie weit die Wissenschaft vordringen darf oder ob man kranke Menschen von ihrem Leiden erlösen darf, aber dies alles dient nur als Rahmenhandlung für den Thriller.
„Kritik der mörderischen Vernunft“ ist der Nachfolgeband des Romans „Gottes Gehirn“. Ich habe den ersten Band nicht gelesen und denke nicht, dass es unbedingt eine Voraussetzung ist, denn ich habe mich auch so gut in „Kritik der mörderischen Vernunft“ einlesen können.

Fazit

Mich hat der Roman mitgerissen. Die Protagonisten waren mir sehr sympathisch und das Thema ist interessant eingebettet. Bei mir hat der Roman auch noch viele Fragen aufgeworfen, mit denen ich mich wohl ein bisschen beschäftigen werde. Gemüter, die sich leicht von Horrorszenarien erschrecken lassen, sollten den Roman mit Vorsicht genießen, denn man weiß nie, welches Szenario nicht einmal Wirklichkeit werden könnte.

4,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen