Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Krieg und Frieden (Leo N. Tolstoi)

Albatros Verlag
Hardcover, 1598 Seiten
ISBN: 978-3-491-96054-1
12,90 €


Ein kurzer Einblick

Die höhere russische Gesellschaft führt im Jahr 1805 ein unbeschwertes Leben mit Bällen, Jagden und Schlittenfahrten. Doch dieses wird durch kriegerische Auseinandersetzung mit Napoleons Frankreich gestört. Einige der Söhne der Familien ziehen in den Krieg, um Russland zu verteidigen. Während man zu Hause um ihr Leben bangt, versucht man aber trotzdem dem Alltag wie gewohnt zu begegnen…

Bewertung

Tolstois „Krieg und Frieden“ ist wohl eines dieser Werke, die man bedenkenlos als Monumentalwerk bezeichnen kann. Mit seinen 1.600 Seiten flößt es dem Leser zunächst einigen Respekt ein. Dieser ist auch nicht unbegründet, denn zunächst muss man sich im Wirrwarr der vielen russischen Namen, und der verschiedenen Spitznamen für eine Person, erst einmal zu Recht finden. Dabei leistet allerdings auch eine Auflistung der Personen des Romans im Anhang Hilfe.
Hat man sich dann die Namen einigermaßen gemerkt und kann auch nach mehreren hundert Seiten Nichterwähnung einer Person diese noch einigermaßen zuordnen, kann man ein Meisterwerk der Literatur erleben. Durch Erzählungen über hauptsächlich drei Adelsfamilien Russlands führt Tolstoi immer aus der Sicht eines Familienmitglieds den Leser wurde die russische Geschichte während der Kriege mit Napoleons Frankreich. Über insgesamt sieben Jahre hinweg erzählt er das Leben dieser Familien, von denen sich einige Familienmitglieder bei den kämpferischen Auseinandersetzungen befinden. Seine Erzählungen wechseln vom Kampfgeschehen zu den alltäglichen Problemen der russischen Adligen und zeigen somit auch gesellschaftliche Probleme auf.
Dadurch gewinnt der Leser nicht nur einen Einblick in den historischen Ablauf der Kriegsgeschehnisse, sondern lernt auch eine Vielzahl von Personen kennen, deren Entwicklung, gegenseitige Beeinflussungen und positiven und negativen Erfahrungen er über mehrere Jahre verfolgen kann. In beeindruckender Weise zeigt Tolstoi charakterliche Entwicklungen, etwa von einem gesellschaftlichen Außenseiter zu einem angesehen Staatsmann, auf und lässt über Jahre Beziehungen entstehen, die man sich am Anfang des Romans nie hätte denken können. Nach und nach lernt man immer mehr Facetten der einzelnen Personen, besonders von drei Personen, kennen und sie wachsen einem immer mehr ans Herz. Die Kampfhandlungen und historischen Personen versucht Tolstoi so historisch korrekt wie möglich wieder zu geben und zeigt daher auch einige Male den Stand der Forschung auf. Das bietet neben dem Romanvergnügen nochmals interessante Informationen über Geschichtsinteressierte. Alles in allem wird es durch diese sich ständig vollziehenden Wechsel zwischen verschiedenen Handlungen nie langweilig.
Die Ausgabe des Albatros Verlags ist für eine Hardcover-Ausgabe ausgesprochen günstig, doch enthält sie leider auch ein Manko. Zwar gibt es im Anhang einige Romananmerkungen, ein Nachwort und eine Zeittafel zu Tolstois Leben, doch werden im Roman immer wieder Teile der Gespräche auf Französisch geführt. Deren Verständnis ist zwar nicht notwendig, um den Roman zu verstehen, doch wäre hier eine Übersetzung trotzdem wünschenswert gewesen. Daher gibt es für diese Ausgabe des Klassikers der Literatur einen halben Punkt Abzug, aber trotzdem eine absolute Leseempfehlung, bei der die große Seitenzahl nicht abschrecken sollte.

4,5 von 5 Punkten


Wir danken dem Albatros Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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