Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Königliche Hoheit (Thomas Mann)

Fischer Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 359 Seiten
ISBN-10: 3596294304
9,90 €


Ein kurzer Einblick

Im Großherzogtum Grimmburg gibt es bereits einen männlichen Thronfolger. Dieser ist allerdings kränklich. Daher ist man sehr erfreut, als die Großherzogin noch einen Sohn zur Welt bringt. Doch Klaus Heinrich hat seit seiner Geburt einen Makel: er hat einen verkürzten linken Arm und eine verkümmerte linke Hand. Mit diesem Makel muss der beim Volk so beliebte Prinz nun sein ganzes Leben lang auskommen und es verstecken. Aber da gibt es ja noch die alte Zigeunerweissagung, dass einmal ein Prinz geboren wird, der dem Land mit einer Hand mehr gebe als andere mit zwei Händen...
 
Bewertung

Bereits 1903 hatte Thomas Mann die Idee ein „Lustspiel in Romanform“ zu schreiben. Als er dann 1906 damit begann „Königliche Hoheit“ zu schreiben, benutzte er, wie schon bei den Buddenbrooks, erneut reale Personen als Vorlage für seine Figuren. In der Zeit seiner ersten vier Ehejahre erzählt er in „Königliche Hoheit“ die Entstehung seiner Ehe. Er selbst dient dabei als Vorlage für Klaus Heinrich und seine Frau Katia als Vorlage für Imma Spoelmann. Aber nicht nur Personen aus seinem Umfeld dienten ihm als Vorlage. Auch das System des deutschen Kaiserreiches übernimmt er in Grimmburg und für Klaus Heinrichs verkürzten linken Arm diente wohl Kaiser Wilhelm II. verkümmerte linker Arm als Anregung.
Ob es sich dabei wirklich um ein Lustspiel handelt, möchte ich mal dahingestellt lassen, denn lustig im komödiantischen Sinne fand ich den Roman nicht. Ich kann mich nicht erinnern, beim Lesen überhaupt einmal gelacht zu haben, höchstens vielleicht ein paar Mal geschmunzelt.
Wenn man „Königliche Hoheit“ allerdings als Roman und nicht als Lustspiel ansieht, ist es für einen Roman von Thomas Mann wirklich leicht zu lesen. Es gibt keine komplizierten philosophischen oder musikalischen Diskussionen wie etwa in „Der Zauberberg“ oder „Doktor Faustus“ und auch sonstige seitenlange Beschreibungen halten sich in Grenzen, die Thomas Manns Romane häufig auszeichnen. Wenn man sich an ein Werk von Thomas Mann „herantrauen“ möchte, ist dies meiner Meinung nach eine gute Wahl, um in sein Werk hineinzufinden und für sich selbst zu entdecken, ob einem diese Art von Literatur gefällt, so dass man später auch durchaus schwierigere Romane von ihm lesen kann.
Der Roman ist so geschrieben, dass man wirklich mit Klaus Heinrich leiden kann. Imma Spoelmann dagegen kommt einem anfangs unsympathisch vor, was im Laufe des Romans auch nicht völlig aufgehoben werden kann. Das Ende ist etwas abrupt, da der Leser schnell geneigt ist wie erwarten, dass Klaus Heinrich schnell den Thron besteigen wird und zudem wird leider die Geschichte um den Rosenstock im Schloss der Familie, der immerhin auch dem letzten Kapitel seinen Namen gibt, nicht aufgelöst. So hätte man nach dem Ende eigentlich gerne noch weitere 100 Seiten, in denen die Geschichte zu einem befriedigendem Ende gebracht würde.

3 von 5 Punkten

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