Sonntag, 16. Dezember 2012

Rezension: Kalter Süden (Lisa Marklund)

Ullstein
Hardcover, 528 Seiten
ISBN: 9783550087516
19,90 €


Ein kurzer Einblick

Die Reporterin Annika Bengtzon soll im schwedischen Spanien an der Costa del Sol über die Gasmorde an der Familie Söderström berichten. Die spanische Polizei legt den Fall schnell ad acta, doch Annika forscht weiter und kommt Familienbanden im internationalen Drogenhandel auf die Spur, die sich von Schweden über Spanien und Gibraltar bis nach Marokko ziehen.

Bewertung

Der Roman „Kalter Süden“ spielt im Seriengefüge der Reporterin Annika Bengtzon. Er lässt sich jedoch auch als Einzelroman lesen. Neueinsteiger finden sich recht schnell zurecht, wird das Wesentliche doch punktiert aufbereitet. Der kalte, sehr sachliche und prägnante Stil, der bestens zum Beruf Annikas als Reporterin passt, zieht den Leser denn auch flott in die Geschichte und reißt den Leser förmlich mit, ohne dass der Roman jedoch zu einem Pageturner mutiert. Eingestreute Langatmigkeit nimmt das Tempo, doch der Geschichte geht kaum Spannung abhanden.
Dies ist auch der Story zu verdanken, die bestens durchdacht ist und deren Puzzleteile sich nach und nach avantgardistisch zusammenfügen. Rätselfieber ist en masse vorhanden, bleibt doch genug Raum für Fragen und mögliche Verbindungen offen, die bestens des Lesers graue Zellen anregen. Dabei hat Marklund es geschafft, den Leser fest an Annika zu binden und muss gemeinsam mit ihr das nächste Puzzleteil in Erfahrung bringen und in den richtigen Zusammenhang setzen.
Auffallend sind auch die sympathisch markanten Figuren, die sehr authentisch wirken, mit Schwächen, Ecken und Kanten: Marklund ist es äußerst gut gelungen jeder ihrer Figuren ein individuelles Gesicht zu schreiben.
Die Auflösung der Geschichte liest sich nicht nur furios, rast das Ende doch förmlich auf ein fulminantes Ende zu, sondern auch äußerst spannend, was nicht nur an Annikas misslicher Situation liegt, sondern auch daran, dass der Leser endlich seinen Ideenwust ordnen kann, werden die Fäden doch auf eine Weise zusammen geführt, die man nur hatte schwer bzw. schwach ahnen können. Hinderlich beim Puzzlespiel sind auch die Fallen, in der sich der Leser unweigerlich verfängt, nutzt sie doch ihre Figuren gegen den Leser aus. Aber auch die eingeschobenen Märchen, die mehr sind, als sie anfangs scheinen, locken den Leser auf eine falsche Spur bzw. fixieren ihn auf die falschen Charaktere. Dem Leser kann es demnach gar nicht gelingen, die volle Auflösung zu erraten: Ich als Leser möchte dies auch gar nicht, macht doch das rätseln viel mehr Spaß. Der Roman wäre langweilig, das wäre die sonstige Konsequenz. Kleine Erfolge sind natürlich beschieden.
Angesprochen werden Themen, die auf Dauer aktuell sind: Der internationale Drogenhandel mit den Schwerpunkten Anbau, Struktur und Vertriebswege, EU- und nationale Gesetze im Bezug zum Drogenhandel, aber auch Einsichten in das Redaktionswesen bzw. den Journalismus. Dass Liza Marklund hierfür ausführliche Recherchearbeit geleistet hat, kann dem Leser gar nicht entgehen.

Fazit

Mit „Kalter Süden“ ist Liza Marklund ein spannender, flott gehaltener und gut gestrickter Roman gelungen. Der typisch skandinavisch kalte und schnörkellos gehaltene Stil hätte ein wenig mehr Wärme vertragen können. Krimi-Fans werden jedoch voll auf ihre Kosten kommen.

4,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen